Von der Rettung ins Kasino: Spanische Banken zocken mit deutschen Steuergeldern

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 3 min
31.07.2013 01:37
Vor gut einem Jahr haben die europäischen Steuerzahler vier spanische Banken mit Mitteln aus dem ESM gerettet. Die Banken haben ihre Schrottpapiere ausgelagert und zocken nun wieder, als wäre nichts geschehen. Die deutschen Steuerzahler finanzieren den Wahnsinn mit 21,6 Milliarden Euro.
Von der Rettung ins Kasino: Spanische Banken zocken mit deutschen Steuergeldern

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Vor ziemlich genau einem Jahr wurden die deutschen Steuerzahler in einer sommerlichen Krisen-Sitzung vom Deutschen Bundestag um 21,6 Milliarden Euro erleichtert. Mit dem Geld wurden die spanischen Banken gerettet, damit der Euro nicht zerfällt. Die Banken haben daraufhin ihre Schrottpapiere an eine Bad-Bank ausgelagert - und erneut mit dem Zocken begonnen.

Insgesamt haben die Spanier einen Rettungsanspruch von 80 Milliarden Euro, der ihnen aus dem EFSF und aus dem ESM ausbezahlt wird. 67 Milliarden Euro sind bereits geflossen.

Wie es scheint, tragen sie das Geld direkt nach Erhalt wieder ins Kasino.

Ende Mai umfassten die toxischen Papiere in den Büchern der spanischen Banken mit 11,2 Prozent einen fast so hohen Anteil wie im November des Vorjahres, als mit 11,4 Prozent ein Rekordwert erreicht wurde. Das gab die spanische Zentralbank Anfang Juli bekannt. Mit 170 Milliarden betrugen diese gefährdeten Positionen sogar um gut 14 Milliarden mehr als vor einem Jahr, als der ESM-Deal vereinbart wurde. Im Jahr 2007, vor der Finanzmarktkrise, schätzte man die Risiko-Papiere noch auf ein Prozent der Gesamtsumme.

Von den vier mit ESM-Geldern gestützten Banken befinden sich drei nach wie vor in argen Turbulenzen. Erst Anfang Juli stufte die Ratingagentur Moody´s sowohl die Banco Catalunya, die Banco NCG als auch die Bankia erneut um mehrere Noten herab. Das vierte ESM-gestützte Institut, die Banco Valencia, wurde von der größten spanischen Bank, der Caixa, übernommen.

Überhaupt hat sich die Caixa mit den hohen Abschreibungen aus dem Immobilien-Crash und den Konsolidierungen am spanischen Bankenmarkt noch am besten geschlagen. Das liegt auch daran, dass sie ihre Gewinne aus risikoreichen Investment-Geschäften langsam wieder nach oben schraubt, wie aus ihrem Halbjahresbericht 2013 hervorgeht. 440 Millionen Euro betrugen die Einnahmen aus dem Investment-Portfolio im ersten Halbjahr 2013. Ihr Derivat-Portfolio dehnte die Bank im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel aus. Wie alle spanischen Institute hat aber auch sie noch viele faule Kredite in den Bilanzen.

In den Kreditreihen der drei in Staatsbesitz stehenden Banken stecken die größten Risiken – trotz milliardenschweren, aus europäischen Steuergeldern finanzierten Rettungspaketen. Auch die Auslagerung von toxischen Papieren an die vom Staat eigens gegründete Bad-Bank („SAREB“) ändert daran nur wenig. Hypotheken-Kredite in Höhe von 50 Milliarden Euro haben die geretteten Banken bisher an die Bad Bank ausgelagert. Schulden, die für den Staat noch schlagend werden könnten.

Der staatliche Rettungsfonds FROB will nach dem Verkauf der Banco Valencia an die Caixa auch die Banco NCG und die Banco Catalunya loswerden. Die schlechter werdende Finanzlage der Institute zwinge den Fonds zu einem rascheren Handeln als geplant, heißt es von Vertretern des FROB. Im Februar war der Verkauf der mit neun Milliarden Euro aus dem ESM geretteten Catalunya noch gescheitert.

Seitdem begannen die Banken vermehrt, gepfändete Immobilien abzustoßen, deren Hypotheken von den Eigentümern nicht mehr bedient werden konnten. Kein leichtes Unterfangen, betrachtet man das stark gesunkene Preisniveau auf dem Immobilienmarkt. Experten rechnen mit einem weiteren Abfall der Preise um mindestens 20 Prozent bevor die Talsohle erreicht wird.

Doch während die Bankhäuser noch immer händeringend um Wege zur Auslagerung ihrer Schrott-Papiere suchen, nützen sie gleichzeitig das billige Zentralbankgeld, um neue Risiko-Geschäfte einzugehen. Neben der Caixa ist vor allem die Bankia-Gruppe ein gutes Beispiel hierfür. Sie war Ende 2012 am stärksten von den riesigen Verlusten betroffen, die die meisten spanischen Banken letztes Jahr einfuhren. Die zwei Milliarden Euro Jahresverlust bedeuteten das größte Minus eines Unternehmens in der Geschichte Spaniens. Die viertgrößte Bank Spaniens stand damit nur knapp vor der Insolvenz.

Im ersten Halbjahr fuhr der Mutterkonzern BFA-Bankia schon wieder einen Vorsteuergewinn von 428 Millionen Euro ein. Davon kamen 192 Millionen von der Bankia selbst. Nicht eingerechnet sind die 1,8 Milliarden Euro, die die Gruppe allein an sogenannten hybriden Wertpapieren verdiente. Diese Mischformen aus Anlage- und Schuld-Papieren sind oft sehr komplex aufgebaut und risikoreich. Hier tut sich gerade ein neues, breites Betätigungsfeld für Spekulanten auf.

Was die Troika zu den noch immer steigenden Risiken in den Banken-Portfolios und der Ausweitung neuer spekulativer Trends zu sagen hat? Sie ist zufrieden. „Die Umsetzung des spanischen Finanzmarkt-Programmes bleibt auf Schiene“, heißt es in einem kürzlich erschienen IWF-Bericht. Gerade in den Ohren der Spanier muss das derzeit mehr wie eine Drohung klingen.


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland „Deutschland spürt das Ende der Behaglichkeit“ – Warum Sie jetzt die DWN zum Vorteilspreis abonnieren sollten

Unser Redaktion zeigt auf, warum Sie nicht auf ein DWN-Abonnement verzichten sollten. Für das erste Jahr wird Ihnen ein besonderes Paket...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Die Party ist vorbei: Deutsche Unternehmen im Ausland entwerfen düsteres Zukunfts-Szenario

Die Bundesregierung und eine ganze Reihe von Wirtschaftsforschungsinstituten prognostizieren ein baldiges Ende der Krise. Doch die...

DWN
Politik
Politik EILMELDUNG: Corona-Demonstranten stürmen Belgrader Parlament

Am Freitagabend sind Demonstranten in Belgrad gewaltsam in das serbische Parlament eingedrungen. Protestierende warfen Steine und Flaschen...

DWN
Politik
Politik Corona-Nachwehen: Deutschland bereitet sich auf schwere Unruhen vor

Gewaltsame Unruhen in Deutschland und Europa werden Experten zufolge in den kommenden Monaten wegen sozialer und wirtschaftlicher Miseren...

DWN
Politik
Politik Von jedem verdienten Euro bleiben dem Arbeitnehmer nur 47,9 Cent

Der Bund der Steuerzahler hat errechnet, dass einem Arbeitnehmer von jedem verdienten Euro nur 47,9 Cent zur freien Verfügung bleiben....

DWN
Finanzen
Finanzen Bauern rechnen mit Importschwemme an billigem US-Rindfleisch

Deutsche Bauern warnen vor einer Importschwemme an billigem US-Rindfleisch. Sollen die Bürger künftig auch für US-Billigfleisch eine...

DWN
Technologie
Technologie Microsoft patentiert Kryptowährung, die den menschlichen Körper zum Mining nutzt

Microsoft hat eine Methode zur Validierung von Transaktionen mit Kryptowährungen patentiert, wobei die Gehirnaktivität von Personen und...

DWN
Deutschland
Deutschland Ursula von der Leyen holt deutsche Top-Juristin in Expertengruppe

Die EU-Kommission hat die deutsche Juristin Jessica Schmidt in eine Expertengruppe berufen. Schmidt soll die EU-Kommission unter anderem...

DWN
Politik
Politik Umfrage: Deutliche Mehrheit kann sich Söder als Bundeskanzler vorstellen

Nach mehreren Monaten Corona-Krisenmanagement können sich 64 Prozent der Bürger, also fast zwei Drittel, den CSU-Chef Markus Söder als...

DWN
Politik
Politik Speditionen kritisieren neues EU-Gesetz zum Schutz von Fernfahrern

Das EU-Parlament hat ein Gesetz verabschiedet, wonach europäische Fernfahrer ihre vorgeschriebene Ruhezeit nicht mehr im Lkw, sondern im...

DWN
Deutschland
Deutschland Niedrigster Anstieg der Baupreise seit drei Jahren

Der Wohnungsbau in Deutschland wird weiterhin teurer - doch die Preise steigen nicht mehr so stark wie in den drei zurückliegenden Jahren....

DWN
Politik
Politik Ab 13. Juli: Mallorca führt Schutzmasken-Pflicht „überall im öffentlichen Raum“ ein

Ab kommenden Montag soll auf Mallorca „überall im öffentlichen Raum“ die Schutzmasken-Pflicht gelten. Auf Mallorca hatte es in den...

DWN
Finanzen
Finanzen Französischer Notenbank-Chef: EZB wird bei Gestaltung ihrer Geldpolitik noch "erfindungsreicher" werden

Die EZB wird bei Bedarf noch erfindungsreicher bei der Gestaltung ihrer Geldpolitik werden, sagt der französische Notenbank-Chef und...

DWN
Finanzen
Finanzen Der Sommer an den Aktienmärkten wird turbulent

Jetzt beginnt wieder die schönste Zeit des Jahres, der Sommerurlaub, in dem auch mal abgeschaltet wird und die Seele baumelt. Aber wie...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Russlands Ernte hinkt dem Vorjahresniveau weit hinterher

Im laufenden Jahr hinkt die Agrarproduktion in Russland stark hinter den Vorjahresergebnissen hinterher.

celtra_fin_Interscroller