Politik

Gegen den Willen der Bevölkerung: Lettland führt den Euro ein

Lesezeit: 1 min
01.01.2014 13:33
Lettland ist in der Neujahrsnacht als 18. Staat dem Euro beigetreten. Der amtierende Ministerpräsident Valdis Dombrovskis zog in der Hauptstadt Riga symbolisch den ersten Schein der Gemeinschaftswährung aus einem Geldautomaten. Die Mehrheit der Letten lehnt den Euro ab.

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Lettland ist in der Neujahrsnacht als 18. Staat dem Euro beigetreten. Der amtierende Ministerpräsident Valdis Dombrovskis zog in der Hauptstadt Riga symbolisch den ersten Schein der Gemeinschaftswährung aus einem Geldautomaten. Der Eintritt in die Euro-Zone sei keine Entschuldigung, auf eine verantwortungsbewusste Finanzpolitik zu verzichten, warnte er. Das Land mit zwei Millionen Einwohnern - etwas weniger als Thüringen - wurde 2008 von der Finanzkrise schwer getroffen. Nach einem rigiden Sparkurs lag das Wirtschaftswachstum dann 2012 bei 5,6 Prozent, der schnellste Anstieg in der Europäischen Union.

Lettland sei nach diesen Anstrengungen nun so stark wie noch nie, erklärte EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso zum Beitritt. Damit setze es ein Zeichen der Hoffnung für die Staaten, die nun ihrerseits "einen schwierigen wirtschaftlichen Anpassungsprozess durchmachen".

Der Euro wird von den Letten abgelehnt: 53 Prozent der Bürger sind gegen die neue Währung. Lediglich 22 Prozent stimmten einer Umfrage des Marktforschungsunternehmen SKDS zufolge für die Einführung des Euro. „Wir gehen voran, weil wir wissen, wie wichtig dieses Ziel ist“, sagte Ressortchef Andris Vilks mehreren Medienberichten zufolge. Der Euro sei ein wichtiger Anker für kleine Volkswirtschaften, sagte Vilks.

Die Staatsverschuldung Lettlands liegt derzeit bei 40,7 Prozent des BIPs. Das jährliche Defizit beträgt 1,2 Prozent des BIP. Beide Werte liegen innerhalb der Vorgaben der EU. Die lettische Regierung verspricht sich Vorteile im Handel mit den anderen Euro-Staaten (hier) und wird die Einführung des Euro gegen den Willen der Bevölkerung durchsetzen (hier).

Ein weiteres Problem Lettlands sind die Banken: Auf etwa 100.000 Bürger kommt eine Bank - was viel zu viel ist. Die Aufgabe der meisten Banken besteht allerdings nicht in der Kreditvergabe an Unternehmen oder Privathaushalte, sondern in der Geldwäsche von russischen Vermögen. Diese Probleme bleiben in der Euro-Zone erhalten - und können für ein Land sehr gefährlich werden, wie das Beispiel Zyperns gezeigt hat.

Nach dem Ausbruch der Finanzkrise hat die lettische Wirtschaft einen Dämpfer erhalten und ist um 20 Prozent geschrumpft. Auch ohne den Euro ist es dem Land jedoch gelungen, die derzeit am schnellsten wachsende Wirtschaft der EU zu werden (hier).

Der Euro-Raum umfasst damit 333 Millionen Menschen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Technologie
Technologie Ein nationaler Stromausfall rückt immer näher: Deutschland schaufelt sich mit seiner radikalen Energie-Politik sein eigenes Grab

DWN-Kolumnist Ronald Barazon liefert eine brisante Analyse der fehlenden Energiesicherheit unseres Landes.

DWN
Politik
Politik Keine Masken, keine Polizei, keine Lockdowns: Wie DWN-Autor Christian Kreiß die Pandemie in Costa Rica erlebte

Um den Anti-Corona-Maßnahmen in Deutschland zu entfliehen, verbrachte Christian Kreiß drei Monate in Costa Rica. Der DWN-Autor liefert...

DWN
Politik
Politik Bericht: Russland verhindert Attentat auf weißrussischen Präsidenten Lukaschenko, Minsk beschuldigt Biden

Die russischen Sicherheitsbehörden haben eine Gruppe von Personen festgenommen, die ein Attentat auf den weißrussischen Präsidenten...

DWN
Politik
Politik Tschechien weist wegen Explosion in Munitions-Depot 18 russische Diplomaten aus

Tschechien verweist 18 russische Diplomaten unter dem Vorwurf der militärischen Sabotage durch Russland des Landes.

DWN
Finanzen
Finanzen Darum sollten Sie Ihren Nachlass rechtzeitig regeln

Niemand denkt gerne an den eigenen Tod. Und doch ereilt er uns irgendwann alle. Vor allem, wenn man selbst Kinder hat, sollte man früh...

DWN
Finanzen
Finanzen Ökonom: Goldgedeckte Kryptowährungen könnten Fiat-Währungen ersetzen

Das internationale Währungssystem wird sich verändern. Das Fiat-Geldsystem befindet sich auf dem Rückzug. Stattdessen könnten nach...

DWN
Finanzen
Finanzen Neues Währungssystem: IWF spricht von „Revolution“ bei digitalem Zentralbankgeld

Der IWF predigt eine regelrechte „Revolution“ bei digitalen Zentralbankwährungen. Als positives Beispiel wird die Einführung einer...

DWN
Politik
Politik Deutschland steuert mit voller Wucht auf Rot-Rot-Grün zu

Die Grünen und ihre politischen Ziele passen in das Konzept des Weltwirtschaftsforums. Das gilt auch für die SPD und die aktuelle Gestalt...