Finanzen

Devisenskandal könnte Banken 35 Milliarden kosten

Lesezeit: 1 min
12.06.2014 16:08
Die Banken müssen für ihre Manipulationen am Devisenmarkt mehr zahlen als erwartet: Die UBS muss mit 8 statt 2 Milliarden an Strafzahlungen rechnen, die Deutsche Bank mit 4 Milliarden. Die Strafen machen einen Bruchteil der Gewinne am Devisenmarkt aus, täglich werden dort 5,3 Billionen Dollar umgesetzt.

Rund ein Dutzend in den Devisenskandal verwickelte Banken könnten laut einer Schätzung eines britischen Analysehauses rund 35 Milliarden Dollar für Strafen und Vergleichskosten berappen müssen.

Auch wenn die Berechnungsmethode spekulativ sei, sei davon auszugehen, dass auf Banken Strafen zukommen, die das Doppelte dessen ausmachen, was sie in der Libor-Affäre zahlen müssten, hieß es in einer am Donnerstag verfügbaren Studie von Analysten der Firma Autonomous Research. Den Schätzungen liege die Annahme zugrunde, dass wiederholte Verstöße gegen Vorschriften auch höhere Strafen nach sich ziehen.

Ganz oben auf der Autonomous-Liste steht die Schweizer Großbank UBS, für die die Analysten eine Strafe von acht Milliarden Dollar veranschlagen. Deutsche Bank und Citigroup, obwohl beide mit je rund 15 Prozent größere Marktanteile im Devisenmarkt haben, kämen mit jeweils gut vier Milliarden Dollar davon. UBS wollte die Studie nicht kommentieren. Laut ihrem Geschäftsbericht hat die Bank rund 1,8 Milliarden Franken (knapp zwei Milliarden Dollar) für Rechtsfälle und regulatorische Verfahren zurückgelegt. Auch die Deutsche Bank wollte sich nicht äußern. An der Börse verlor die UBS-Aktie 1,9 Prozent, während Deutsche-Bank-Papiere um 0,4 Prozent sanken. Der europäische Bankenindex war unverändert.

Im Steuerstreit mit den USA zahlte UBS 2009 eine Strafe von 780 Millionen Dollar. Die Verwicklung in Manipulationen des Referenzzinssatzes Libor brachte der Bank Ende 2012 eine Strafe von 1,5 Milliarden Dollar ein. Einer Strafe der EU von 2,5 Milliarden Euro im Libor-Skandal entging die Bank nur, weil sie sich als Kronzeuge zu Verfügung stellte. Die Deutsche Bank wurde wegen ihre Verwicklung in die Libor-Affäre von der EU-Kommission mit einer Geldbuße von 725 Millionen Euro belegt.

Am Devisenmarkt werden täglich etwa 5,3 Billionen Dollar umgesetzt. Einzelne Banker stehen im Verdacht, bei der Festlegung von Referenzkursen getrickst zu haben. Ins Rollen gebracht hatten die Untersuchungen vor etwa einem Jahr die Aufsichtsbehörden in Europa, allen voran in Großbritannien. Weltweit haben Finanzinstitute inzwischen etwa 40 Händler beurlaubt oder entlassen. Konkret beschuldigt wurden bisher weder Banken noch Bankenmitarbeiter.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

DWN
Unternehmen
Unternehmen Weniger Administration, mehr Innovation: Digitale bAV-Verwaltung schafft Raum für Neues

Was macht einen Arbeitsplatz attraktiver als andere. Sicherlich mehr als nur das monatliche Gehalt. Langfristiges Denken kann sich für...

DWN
Finanzen
Finanzen China startet „Weltkrieg“ gegen dezentrale Kryptowährungen – andere Staaten werden folgen

China hat Transaktionen mit dezentralen Kryptowährungen für illegal erklärt. Dieser Vorstoß ist nicht selektiv zu betrachten, sondern...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Erdgas-Knappheit: Erster deutscher Energieversorger muss Gas-Vertrieb aufgeben

Während die Mainstream-Medien Fridays for Future feiern, muss hierzulande der erste Gasversorger wegen akuter Engpässe den Betrieb...

DWN
Politik
Politik „Europa ist keine Macht im ‚Indo-Pazifik‘ und wird es niemals sein“

Anstatt seine Ressourcen in weit entfernten Gegenden für US-Interessen zu verschleudern, sollte Europa lieber seinen eigenen...

DWN
Finanzen
Finanzen Das globale Geldsystem basiert auf Vertrauen … und Macht

Die Deutschen lieben Bargeld. Jedoch macht dieses nur einen kleinen Teil der im Umlauf befindlichen Geldmenge aus, rund 90 Prozent...

DWN
Politik
Politik Steinmeier für ehrlichere, klügere und stärkere Außenpolitik

Als erster Bundespräsident seit fast 40 Jahren redet Steinmeier vor der UN-Vollversammlung. Dabei gibt er eine Antwort auf die Frage, vor...

DWN
Deutschland
Deutschland Institut warnt vor demografischem Wandel: Perspektiven verschlechtern sich „deutlich“

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft warnt in einer aktuellen Prognose vor den schwerwiegenden Folgen der Überalterung für Wirtschaft...

DWN
Politik
Politik Australien: Proteste gegen Impfzwang und Lockdowns nehmen zu

Tausende Bauarbeiter in Melbourne haben in den vergangenen Tagen gegen den von der Provinzregierung verhängten Impfzwang protestiert. Die...

DWN
Politik
Politik „Wieder normal leben“: Norwegen hebt alle Corona-Beschränkungen auf

Norwegens Regierung hat bei einer Impfquote von 75 Prozent alle Corona-Restriktionen aufgehoben.