Unternehmen

EZB-Stresstest: Keine Prüfung, sondern Schnäppchenjagd für Spekulanten

Lesezeit: 2 min
11.08.2014 00:02
Die EZB verspricht im Rahmen des Banken-Stresstests ein mehrstufiges Qualitäts-Verfahren. Doch tatsächlich wird bei dem Stresstest sehr oberflächlich geprüft. Viele Bewertungen dürften daher nicht die Risiken aufdecken, die in den Banken stecken. Vielmehr werden einige Institute als billige Übernahme-Kandidaten auf den Markt kommen.
EZB-Stresstest: Keine Prüfung, sondern Schnäppchenjagd für Spekulanten

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Börse  
Demokratie  
EZB  

Die EZB verspricht bei zukünftigen Banken-Tests eine mehrstufige Qualitätskontrolle. Dies soll durch eine Zusammenführung der Resultate aus den Bilanz-Checks (Asset Quality Review; AQR) – die derzeit bereits laufen – und dem Stresstest, dessen Ergebnisse in der zweiten Oktober-Hälfte erwartet werden, in Zusammenarbeit mit nationalen Aufsehern in drei Stufen überwacht werden.

Dabei sollen die Banken eng in den Prozess eingebunden werden. Doch will sich die EZB bei der Auswertung der Tests zumindest teilweise auf pauschale Annahmen stützen.

Wie aus dem am Freitag veröffentlichten Handbuch der EZB hervorgeht, fließen die Ergebnisse in den folgenden Stresstest ein, falls die Institute ein geringeres Eigenkapital-Polster errechnen als die EZB-Prüfer, wie das Wirtschaftsblatt berichtet.

Das wichtigste Ziel ist es, eine größere Transparenz zu schaffen und letztlich das Vertrauen in die europäischen Banken wiederherzustellen.

Dennoch befürchtet die Europäische Zentralbank offenbar stärkere Verwerfungen für die Banken nach dem Stress-Test. Daher sollen Banken, die wanken, innerhalb von 48 Stunden einen Notfall-Plan präsentieren, wie sie Kapitallücken decken wollen.

Tatsächlich ist der Stresstest der EZB äußerst umstritten: Er wird im Wesentlichen von der US-Unternehmensberatung Oliver Wyman durchgeführt. Das Unternehmen hat noch nie eine vergleichbare Aufgabe gestemmt und ist stark in der Banken-Lobby in London verankert (mehr hier und hier).

Darüber hinaus wird von Kritikern bemängelt, dass bei den Banken-Tests nicht erkennbar ist, ob und wenn ja, in welchem Umfang ausserbilanzielle Risiken wie Special Purpose Vehicles (Zweckgesellschaften die für einen klar definierten Zweck gegründet werden) oder Derivate-Engagements ebenfalls einer intensiven Prüfung unterzogen werden, wie Oeconomicus in seinem Blog richtigerweise hinterfragt.

Da sich die Tests zumindest teilweise auf pauschale Annahmen stützen, ist ebenfalls zu hinterfragen, wie relevante Daten und Fakten hinsichtlich des Kredit-Engagements bei staatlichen und halbstaatlichen Schuldnern der Prüfung unterzogen werden.

Ebenso betrifft dies aktuelle und künftige Risiko-Qualität wie beispielsweise von Kassenkrediten und ausgereichten Darlehen an US-Municipals, also Kommunal-Obligationen.

Insbesondere bei Derivaten kann man „ein oder zwei Nullen zusätzlich in den Vertrag schreiben. Das kostet kaum Ressourcen. Und die Risiken kann man verschleiern. Das ist ein Grund, warum bei großen Banken das Handelsbuch, Derivate und handelbare Wertpapiere viel wichtiger sind als das Bankbuch mit den Krediten. Im Handelsbuch ist es auch einfacher, die Vorgaben der Regulierung zu manipulieren, indem man die eigenen Risiko-Modelle für die Risiko-Messung einsetzt“ (mehr hier).

Wie die britische Times Ende Juni berichtete, gibt es bei den europäischen Banken einen Kapitalbedarf von annähernd 300 Milliarden Euro wegen hoher Schuldenstände, die auf faule Kredite zurückzuführen sein dürften. Dazu käme ein gewaltiges „schwarzes Loch“ bei den Derivaten (mehr hier).

Große Banken können konzerninterne Verbindlichkeiten sowie Derivate verrechnen, was zur Folge hat, dass die Bilanzsumme reduziert wird. Kleine Banken können das nicht. Schließlich soll die System-Relevanz nur mit zehn Prozent gewichtet werden.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

 


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Die Rückkehr des „Bail in“: Denkfabriken erwarten eine neue Euro-Krise im kommenden Jahr

Mehrere Denkfabriken befassen sich konkret mit Vorbereitungen für eine neue europäische Schulden- und Bankenkrise. Dabei könnte die 2013...

DWN
Deutschland
Deutschland Virus-Ticker: Ständige Impfkommission wird zunächst nur mRNA-Impfstoff zulassen

Der Chef der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, erwartet keine parallele Zulassung von anderen Impfstoffen. Lesen Sie allen...

DWN
Finanzen
Finanzen EU-Ombudsfrau rügt Deal zwischen BlackRock und EU-Kommission, doch ohne Konsequenzen

Die Europäische Ombudsfrau hat einen Auftrags-Deal zwischen der EU-Kommission und dem US-Finanzgiganten BlackRock wegen möglicher...

DWN
Politik
Politik Studie: China soll die Welt wegen des Corona-Virus entschädigen

Das chinesische Corona-Virus hat alleine in der G7-Staatengruppe bis zum April 2020 einen Schaden von 3,62 Billionen Euro verursacht. Nun...

DWN
Politik
Politik Trump hält seine bisher „wichtigste Rede“, wirft politischen Gegnern schweren Wahlbetrug vor

Am Mittwochabend hat US-Präsident Donald Trump eine sehr emotionale Rede gehalten. Er beharrte auf seinem Vorwurf des Wahlbetrugs....

DWN
Finanzen
Finanzen Wirecard-Skandal verändert Dax dauerhaft

Die Deutsche Börse stockt den Dax auf 40 Mitglieder auf. Das ist nur eine Folge der Wirecard-Pleite. Die Zusammensetzung des Dax soll...

DWN
Technologie
Technologie Schweizer Notenbank hält digitales Zentralbankgeld für machbar

In einer Studie kommt die SNB zu dem Schluss, dass digitales Zentralbankgeld technisch und rechtlich realisierbar ist. Eine Entscheidung...

DWN
Deutschland
Deutschland Ski-Verbot im Allgäu: 20 Bürgermeister richten Brandbrief an Merkel und Söder

In einem Brandbrief haben sich die Oberallgäuer Landrätin Indra Baier-Müller und zwanzig Bürgermeister aus dem Allgäu gegen das...

DWN
Deutschland
Deutschland Krankenkassen: Corona hat bisher keine Auswirkungen auf den Krankenstand

Die Auswertung der Krankenkassen zeigt, dass nur ein verschwindend geringer Teil der diesjährigen Fehlzeiten vom Beruf direkt auf Covid-19...

DWN
Politik
Politik Mannheim führt nächtliche Ausgangssperren ein

In Mannheim wird ab morgen Abend eine achttägige nächtliche Ausgangssperre gelten.

DWN
Deutschland
Deutschland Die deutsche Taxibranche am Abgrund, Uber wird sich freuen

Die Lage in der Taxibranche spitzt sich nach Verbandsangaben wegen des Teil-Lockdowns in der Corona-Krise dramatisch zu. Das dürfte vor...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutsche Post/ DHL Group: "Unser Unternehmen war noch niemals zuvor in besserer Verfassung"

Solche selbstbewussten Worte, wie sie derzeit über die Lippen der Vertreter der Deutschen Post/ DHL Group kommen, hört man in Zeiten der...

DWN
Technologie
Technologie Riesiges Weltraum-Teleskop von Arecibo in sich zusammengestürzt

Das riesige Teleskop im puerto-ricanischen Arecibo ist am Dienstag zusammengebrochen.

DWN
Finanzen
Finanzen Verlängerung des Teil-Lockdowns belastet die deutschen Märkte - Daimler will Wachstumsschwung ins Jahr 2021 mitnehmen

Der Dax gerät derzeit ins Stocken. Die Nachricht, dass Bund und Länder den Teil-Lockdown verlängert haben, bedrückt die Stimmung der...