Unternehmen

Starker Franken belastet Tourismus in der Schweiz

Lesezeit: 1 min
17.01.2015 02:12
Die Abkopplung des Schweizer Franken vom Euro belastet mittelständische Unternehmen schwer. Der Schweizerische KMU-Verband spricht von einer „Katastrophe für den Tourismus“. Die Preise könnten um bis zu 20 Prozent steigen. Die Folgen für den Export seien „verheerend“. Ein Job-Abbau und Betriebsschließungen sind nicht auszuschließen.
Starker Franken belastet Tourismus in der Schweiz

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Abschaffung der Kursgrenze zwischen Euro und Franken wird weitreichende Folgen für den Schweizer Mittelstand haben. Für Roland Rupp, Vize-Präsident des Schweizerischen KMU-Verbandes ist die Entscheidung der EZB „eine Katastrophe für den Tourismus“ dar. Seiner Einschätzung nach könnten sich die Preise für Touristen um bis zu 20 Prozent erhöhen. Das könne bedeuten, dass Reisende aus Österreich und Deutschland die Schweiz als Urlaubsort meiden.

Für den Exportsektor sei die Abkopplung vom Euro genau so verheerend. „Das macht keinem Spaß“, sagte Rupp den Deutschen Mittelstands Nachrichten. Niemand hätte von der Entscheidung der Schweizer Nationalbank vorher gewusst. Die Aufhebung des Mindestkurses gefährdet Arbeitsplätze und Löhne. Gerade die exportorientierte Elektro- und Metallindustrie könnte es schwer treffen.

Der Arbeitnehmerverband Angestellte Schweiz findet es unglücklich ist, dass der Bescheid der SNB ohne Vorwarnung kommuniziert wurde. Die heftige Reaktion an den Märkten zeigt, dass in ökonomischen Fragen stets die Psychologie mitspielt – zwischenzeitlich tauchte der Euro auf 80 Rappen.

Die Schweizer Industrie hat sich mit dem Eurokurs von 1.20 gut arrangiert – jetzt ist sie erneut gefordert. Die Angestellten Schweiz fordern nun die Arbeitgeber auf, nicht in Panik zu verfallen, es gilt Ruhe zu bewahren. „Arbeitgeber reagieren häufig sehr schnell“, sagte ein Sprecher des Verbandes Angestellte Schweiz den Deutschen Mittelstands Nachrichten. Es könne daher sein, dass Arbeitsplätze ins Ausland verlagert würden.

Auf keinen Fall dürfe es auf dem Arbeitsmarkt zu ebenso ungestümen Reaktionen kommen wie es zwischenzeitlich auf dem Finanzmarkt gekommen ist, teilt der Verband in einer Mitteilung mit. Kurzfristig müsse man abwarten, auf welcher Höhe sich der Schweizer Franken einpendelt.

Der Schweizer Wirtschaftsverband Economiesuisse rechnet mit einem „einem dauerhaften Überschiessen des Wechselkurses“ und zweifelt in einer Mitteilung an, „ob sich unter diesen Umständen in näherer Zukunft überhaupt ein neues Gleichgewicht einpendelt“.

Ohne einen „vernünftigen“ Wechselkurs bestehe zudem die Gefahr, dass viele Betriebe oder Betriebszweige „ihre Segel streichen müssen“.

Die Senkung der Negativzinsen durch die SNB von –0,25 auf –0,75 Prozent soll einen stark dämpfenden Einfluss auf die Wechselkursentwicklung entfalten. Doch die Erfahrungen mit diesem Instrument seien nicht sehr Erfolg versprechend. Die Nationalbank scheine darauf zu bauen, dass sich die Lage in Europa bald stabilisiert.

Der Wirtschaftsverband nennt den Zeitpunkt für die Aufhebung der Wechselkursuntergrenze „problematisch für die gesamte Wirtschaft“. Eine Rückkehr zu einer Geldpolitik mit Wechselkursuntergrenze sei nur sehr schwer möglich, denn die plötzliche Abschaffung der Kursgrenze erschüttert das Vertrauen der Märkte in dieses Instrument.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

 



DWN
Finanzen
Finanzen Ausweg aus der Krise durch alternative Bezahlplattform

Das Vertrauen in die Banken und die Politik schwindet zusehends. Die aktuell schwierige wirtschaftliche Lage, welche aufgrund der Covid-19...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB belässt Leitzins bei null, will deutlich mehr Geld drucken

Die Europäische Zentralbank hält an ihrer ultralockeren Geldpolitik fest. Die Anleihekäufe sollen deutlich beschleunigt werden.

DWN
Politik
Politik Unruhe in der Krisenregion: Bundeswehr verstärkt ihre Kontingente in Mali

Vor dem Hintergrund zunehmender Angriffe islamistischer Milizen verstärkt die Bundeswehr ihre Truppen im Wüstenstaat Mali.

DWN
Politik
Politik Baerbock verknüpft Klima-Politik mit dem US-Feldzug gegen China

Die grüne Annalena Baerbock fordert eine „Klimapartnerschaft“ mit den USA. Diese soll auf einem sonderbaren geopolitischen Fundament...

DWN
Finanzen
Finanzen So profitieren Sie von Bitcoin, ohne die Kryptowährung kaufen zu müssen

Bitcoin hat seit Beginn des Jahres eine beispiellose Ralley hingelegt. Doch die Kryptowährung ist extrem schwankungsanfällig und manchem...

DWN
Finanzen
Finanzen „JPM Coin“: Will JP Morgan vier Milliarden Fußball-Fans digital kontrollieren?

JP Morgan ist der Finanzier der Super League. Zuvor hatte die US-Großbank die Kryptowährung „JPM Coin“ entwickelt. Über die...

DWN
Finanzen
Finanzen 11,1 Billionen Euro: Schuldenberg der Euro-Zone steigt, Griechen und Italiener vorn

Die Schulden der 19 Euro-Länder sind infolge der Corona-Krise stark angeschwollen. Sie legten 2020 wegen der hohen Kosten für die...

DWN
Finanzen
Finanzen Gelddrucken der EZB bringt dem Bund Milliarden-Einnahmen

Die lockere Geldpolitik der EZB hat die Zinsen für Bundesanleihen deutlich in den negativen Bereich gedrückt. Im ersten Quartal verdiente...

DWN
Technologie
Technologie EU benennt erstmals Grundregeln für künstliche Intelligenz

Die EU rückt bei der Regelung von künstlicher Intelligenz immer weiter vor. Jetzt hat die Gemeinschaft einen kleinen, aber wichtigen...