Politik

Griechenland: Gläubiger schlagen Bailout-Verlängerung bis März 2016 vor

Um die Pattsituation bei den Verhandlungen zwischen den Kreditgebern und Griechenland für die Auszahlung der restlichen Milliarden aus dem EFSF-Programm zu beenden gibt es den Vorschlag für eine Verlängerung bis März 2016. Athen würde demzufolge zusätzlich auch die 10,9 Milliarden Euro erhalten, die ursprünglich für die Rekapitalisierung der griechischen Banken vorgesehen waren.
09.06.2015 01:40
Lesezeit: 1 min

Mit den Verhandlungen betraute Personen sagen, diese Offerte könnte Griechenlands Regierung dazu anregen, im Gegenzug jene schmerzhaften Zugeständnisse zu machen, die Athen bisher ablehnte.

Der Vorschlag sei Griechenland bereits in der vergangenen Woche vorgelegt worden, berichtet das Wallstreet Journal. Dies würde neben den 7,2 Milliarden auch die Freigabe der ursprünglich für die Bankenrekapitalisierung vorgesehenen 10,9 Milliarden Euro beinhalten.

Eine neunmonatige Verlängerung des „Hilfspakets“ würde dabei helfen, die Finanzierungslücke und das Liquiditätsproblem des Landes zu überbrücken und Premier Tsipras wie auch der Eurozone und dem IWF mehr Zeit geben, einen neuen Weg für die griechische Wirtschaft einzuschlagen.

Die Verlängerung des EFSF-Programms sowie die Auszahlung der 10,9 Milliarden Euro sei zwischen Juncker und Tspiras letzten Mittwoch besprochen worden, wie drei mit den Verhandlungen betraute Personen erklärten.

„Unser Angebot bedeutet, dass Griechenland bis März 2016 voll finanziert wäre“, sagte einer der Personen laut WSJ. Die neunmonatige Verlängerung könne außerdem mit dem Kreditprogramm des IWF koordinieren werden, da der IWF bis Anfang 2016 mit an dem Kreditpaket beteiligt ist.

„Jeder Tag, an dem Bankguthaben aus den griechischen Banken fließen bedeutet, dass weniger Geld aus dem Bankenrekapitalisierungs-Fonds (statt zur Schuldenrückzahlung!) zur Verfügung steht und stattdessen benutzt werden muss, um die Banken zu stabilisieren“, heißt es.

Die Idee einer Bailout-Verlängerung thematisiert indessen nicht, wie es nach dem März 2016 weitergehen soll. Die griechische Regierung hatte in diesem Frühjahr verlauten lassen, sie wolle keine weiteren Kredite in Anspruch nehmen und auch keine Bedingungen mehr akzeptieren, die über diesen Zeitraum hinausgehen.

Tspiras selbst hat den Vorschlag indessen bereits abgelehnt. Er bezeichnete ihn als „inakzeptabel“, da im Gegenzug Reformen wie Pensionskürzungen und Mehrwertsteuererhöhungen eingefordert werden – Maßnahmen, die die „roten Linien“ des Wahlprogramms von Syriza überschreiten.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.
E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und erkläre mich einverstanden.
Ich habe die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fossiles Heizen: Explodieren die Preise 2027?
30.08.2025

Seit Jahren herrscht ein Kampf in Europa: Wie kann man die klimaschädlichsten Aspekte des Gebäudesektors in Angriff nehmen und...

DWN
Technologie
Technologie Atomkraftwerke in Deutschland: Rückbau "läuft auf Hochtouren"
30.08.2025

Seit dem endgültigen Atomausstieg läuft in Deutschland der Rückbau von Kernkraftwerken. Doch wie weit ist dieser Prozess tatsächlich?...

DWN
Finanzen
Finanzen Erneuerbare Energien-ETF: Vergleich – wie Anleger am besten vom globalen Energieumbruch profitieren können
30.08.2025

Der weltweite Energieumbruch verändert Märkte, Technologien und Kapitalströme – und die globale Energiewende ist längst Realität....

DWN
Technologie
Technologie Europas Energie aus dem All: Die Sonne könnte 80 Prozent liefern
30.08.2025

Forscher sehen eine radikale Lösung für Europas Energiekrise: Solarkraftwerke im All sollen bis 2050 vier Fünftel des Bedarfs decken –...

DWN
Technologie
Technologie Retro-Revival: Warum die Kassette ein Comeback erlebt
30.08.2025

Retro ist wieder in – und die Musikkassette steht dabei im Mittelpunkt. Einst totgeglaubt, erlebt sie heute ein überraschendes Comeback....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zu viele Tools, zu wenig Schutz: Wie Unternehmen ihre Cyberabwehr selbst sabotieren
30.08.2025

Je mehr Sicherheitslösungen, desto sicherer? Das Gegenteil ist der Fall: Tool-Wildwuchs, inkompatible Systeme und überforderte Teams...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland rüstet auf: Digitale Waagen gegen Brummi-Sünder
30.08.2025

Überladene Lkw ruinieren Straßen und bedrohen die Sicherheit. Deutschland setzt jetzt auf digitale Hightech-Waagen – und erklärt den...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungslos trotz Job: Wohnungsnot betrifft in Deutschland zunehmend Erwerbstätige
29.08.2025

Die Wohnungslosenzahlen steigen in Deutschland rasant: 474.700 Menschen gelten aktuell als wohnungslos – das sind 8 Prozent mehr als...