Gemischtes

Abgas-Skandal: US-Pensionsfonds verklagt VW auf Schadensersatz

Lesezeit: 1 min
21.06.2016 15:26
Einer der größten US-Pensionsfonds und weitere institutionelle Anleger haben Volkswagen wegen des Abgasskandals auf Schadensersatz verklagt. Die Investoren klagen wegen erlittener Verluste, weil der Konzern die Märkte nicht zeitgerecht über den Abgas-Skandal informiert hatte. Die Anlegerklagen sind ein Lackmustest für das deutsche Kapitalmarktrecht.
Abgas-Skandal: US-Pensionsfonds verklagt VW auf Schadensersatz

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Anwaltskanzlei Quinn Emanuel teilte am Dienstag mit, im Namen des Pensionsfonds für Lehrer in Kalifornien und weiterer Investoren Klage beim Landgericht Braunschweig eingereicht zu haben. Von VW zu vertretende Verstöße gegen die kapitalmarktrechtliche Publizitätspflicht hätten bei den Mandanten zu Verlusten in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe geführt. VW habe den Kapitalmarkt nicht rechtzeitig informiert und durch die Abgasmanipulation bei rund elf Millionen Fahrzeugen weltweit Milliarden an Marktkapitalisierung der VW-Aktien vernichtet. Die von Quinn Emanuel vertretenen langfristig orientierten Anleger hätten VW-Aktien zu einem überhöhten Preis gekauft.

Die Anlegerklagen gegen VW seien ein Lackmustest für das deutsche Kapitalmarktrecht, erklärte Nadine Herrmann, Anwältin der Kanzlei Quinn Emanuel. „Wenn es je einen Skandal gegeben hat, der eine nachhaltig spürbare Durchsetzung von Anlegerrechten im Bereich der Anlasspublizität erfordert, dann ist das sicherlich dieser Fall.“

Um den Zeitpunkt der Bekanntgabe der Abgasmanipulation geht es auch bei den jüngsten strafrechtlichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig, so Reuters. Diese hatte am Montag - nur zwei Tage vor der Hauptversammlung des Konzerns - bekannt gegeben, gegen Ex-Vorstandschef Martin Winterkorn wegen des Verdachts auf Marktmanipulation zu ermitteln. Die Strafverfolger gehen dem Verdacht nach, dass Volkswagen im September möglicherweise bewusst verspätet über die finanziellen Folgen der millionenfachen Abgasmanipulation informierte, um den Aktienkurs zu manipulieren.

Der Wolfsburger Konzern wies die Vorwürfe der Kläger stets zurück. Die Pflicht zur Veröffentlichung kursrelevanter Informationen sei nicht verletzt worden, weil diese dem Vorstand erst am 18. September bekanntgeworden seien.

Volkswagen steht wegen des Dieselskandals vor einer gigantischen Welle von Schadensersatzklagen. In den USA wurden bereits zahlreiche Sammelklagen eingereicht. Allein beim Landgericht Braunschweig sind nach Gerichtsangaben rund 120 Klagen von Anlegern auf Schadensersatz anhängig. Rund 50 Autobesitzer klagen wegen überhöhter Stickoxidwerte auf Rückabwicklung des Kaufs oder Schadensersatz.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Ausweg aus der Krise durch alternative Bezahlplattform

Das Vertrauen in die Banken und die Politik schwindet zusehends. Die aktuell schwierige wirtschaftliche Lage, welche aufgrund der Covid-19...

DWN
Politik
Politik Hiobsbotschaft für ganz Europa: Zerstörerische Folgen von Suez-Blockade reichen bis zum Sommer

Die Blockade des Suez-Kanals wird in der Schifffahrt weltweit noch bis in den Sommer hinein zu Verspätungen und Turbulenzen führen.

DWN
Finanzen
Finanzen Kann ein Trennbanken-System die Einlagen der Sparer schützen?

Die EU wollte nach der Finanzkrise 2008 ein Trennbanken-System einführen, um Ausfallrisiken für Kunden und Steuerzahler zu mindern. Doch...

DWN
Politik
Politik Bundesverfassungsgericht weist Eilantrag gegen Corona-Aufbaufonds ab

Eine Bürgerinitiative um Bernd Lucke ist mit ihrem Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht gescheitert. Damit wird Deutschland der...

DWN
Finanzen
Finanzen So profitieren Sie von Bitcoin, ohne die Kryptowährung kaufen zu müssen

Bitcoin hat seit Beginn des Jahres eine beispiellose Ralley hingelegt. Doch die Kryptowährung ist extrem schwankungsanfällig und manchem...

DWN
Deutschland
Deutschland Oskar Lafontaine nennt Kanzlerin Merkel „US-Vasallin“

Oskar Lafontaine nimmt in letzter Zeit kein Blatt mehr vor den Mund. Er meint, dass Kanzlerin Angela Merkel eine „US-Vasallin“ sei. Die...

DWN
Politik
Politik Komitee des US-Senats genehmigt Lieferungen von tödlichen Waffen an die Ukraine

Der Ausschuss für auswärtige Beziehungen des US-Senats stimmte am Mittwoch einstimmig für die Genehmigung von bis zu 300 Millionen...

DWN
Politik
Politik Liste der Grausamkeiten: Was sich mit der Bundes-Notbremse ändert

Der Bundestag hat die sogenannte Corona-Notbremse beschlossen. Der Bundesrat wird am Donnerstag zustimmen. Es folgt eine Zusammenstellung,...

DWN
Politik
Politik In Moskau: Sachsens Ministerpräsident ruft zum Dialog mit Russland auf

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat sich nach seiner Ankunft in Moskau für einen Dialog mit Russland ausgesprochen.