Die Fed in der Schulden-Falle: Zins-Erhöhung wird zum Risiko

Eine Zinsanhebung der Federal Reserve könnte dazu führen, dass die enorme Schuldenlast der USA außer Kontrolle gerät. Auch für den neuen Präsidenten Trump birgt die Geldpolitik mehrere Risiken.

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Die amerikanische Zentralbank Federal Reserve könnte in den kommenden Monaten unter starken Druck geraten. Inzwischen gehen die meisten Beobachter davon aus, dass sie die Leitzinsen auf ihrer Sitzung im Dezember von derzeit 0,25 bis 0,5 Prozent auf 0,5 Prozent bis 0,75 Prozent leicht anheben wird. Eine Zinsanhebung hatte die Fed-Vorsitzende Janet Yellen im laufenden Jahr mehrfach angedeutet, jedoch nie vollzogen. Zuletzt hatte die Zentralbank den Leitzins nach Jahren der Senkungen im vergangenen Dezember minimal angehoben.

Das Problem der Fed besteht darin, dass weitere Zinsanhebungen die Bedienung der enormen Schulden, welche Staat, Unternehmen und Bürger in den USA aufgenommen haben, unmöglich machen könnten. Viele Kredite sind mit variablen Zinsen ausgestattet, deren Höhe sich an den Leitzinsen orientiert. Eine Veränderung des Zinsniveaus erschwert darüber hinaus die Bedienung alter Schulden mit neuen Schulden. Die Schulden des US-amerikanischen Staates belaufen sich derzeit auf fast 20 Billionen Dollar – allein in den acht Jahren unter Präsident Obama wurden mit etwa 9 Billionen Dollar so viele neue Schulden aufgenommen, wie unter den 43 Präsidenten vor ihm zusammen.

Hält die Fed die Zinsen jedoch noch lange Zeit bei praktisch Null, werden sich die negativen Auswirkungen auf die Gewinnmöglichkeiten der Banken und die Bildung von Ersparnissen durch die Bürger verstärken.

Auch für den neuen Präsidenten Donald Trump birgt die Entwicklung der Geldpolitik der Fed enorme politische Risiken. „Wenn Trump seine Amtszeit nicht mit einer Krise wie Obama beginnen möchte, muss er langfristig eine Anhebung der Leitzinsen verhindern. Um dies zu tun, muss er Fed-Chefin Yellen nicht nur davon überzeugen, die Zinsen nicht anzuheben, sondern darüber hinaus eine neue Runde beim Kaufprogramm für US-Staatsanleihen einzuläuten“, analysiert die Beratungsfirma Pento Portfolio Strategies.

Trump hatte den Kurs der Federal Reserve im Wahlkampf jedoch heftig kritisiert und ihr vorgeworfen, mit ihren Niedrigzinsen eine „künstliche Wirtschaft“ am Leben zu erhalten, um politische Vorgaben von Präsident Obama zu erfüllen. Hält er Fed-Chefin Yellen nun von weiteren Anhebungen ab, würde er an Glaubwürdigkeit einbüßen. Normalisiert die Fed ihre Geldpolitik tatsächlich, könnte es hingegen zu Verwerfungen an den Märkten kommen.

Das von Trump ins Spiel gebrachte und mit neuen Schulden finanzierte Konjunkturprogramm bestehend aus massiven Investitionen in die Infrastruktur und Steuersenkungen ist zudem nicht vereinbar mit einer nachhaltigen Zinswende der Fed. Denn diese würde die Finanzierung des ausgeweiteten Defizits erschweren.

Nach Meinung des Chefs der Großbank Barcays werden die Währungshüter unter Trump verstärkt politischem Druck augesetzt sein. „Es gibt eine stramme Truppe innerhalb der Republikaner, die der Meinung ist, dass die Zeiten der lockeren Geldpolitik vorbei sind“, sagte Barclays-Chef Jes Staley am Mittwoch auf einer Konferenz in London: „Der Einfluss auf die Notenbank Fed wird eine wichtige Konsequenz der Wahlen sein.“ Der US-Währungshüter James Bullard betonte, die Notenbank sei unabhängig. Dieser Status sei für die Fed angemessen, sagte der Chef des Fed-Ablegers von St. Louis. Trump hatte im Wahlkampf angekündigt, Fed-Chefin Janet Yellen nach Ablauf ihrer Amtszeit an der Spitze der Notenbank 2018 nicht für weitere vier Jahre nominieren zu wollen.

Trumps Berater David Malpass ließ jüngst offen, ob er selbst für ihre Nachfolge infrage kommen könnte. Barclays-Chef Staley hält es auch für möglich, dass der in der Ökonomen-Zunft hoch angesehene Stanford-Professor John Taylor an die Spitze der Fed rücken könnte. Yellen hat sich in mehreren Anhörungen vor dem Kongress gegen das Vorhaben gestellt, ihre Politik stärker überwachen zu lassen oder an eine feste Formel zu binden. Im Gespräch war dabei die nach Taylor benannte Regel zur Bestimmung des je nach Konjunkturlage angemessenen Leitzinses.

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