Spekulanten greifen europäische Staatsanleihen an

In Erwartung baldiger Interventionen der Europäischen Zentralbank haben Anleger europäische Anleihen gekauft. Die Renditen amerikanischer Papiere sinken derweil weiter.

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In der Hoffnung auf weitere Stützungskäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) haben sich Anleger am Donnerstag mit europäischen Anleihen eingedeckt, berichtet Reuters. Zehn Tage vor dem Verfassungsreferendum in Italien profitierten die Papiere dieses Landes ganz besonders von beschwichtigenden Worten der Währungshüter. EZB-Vizepräsident Vitor Constancio betonte, die Zentralbank stehe bereit, um eventuelle Kursturbulenzen abzumildern. Die Italiener stimmen am 4. Dezember über Verfassungsänderungen ab. Ministerpräsident Matteo Renzi hat sein politisches Schicksal an den Ausgang der Wahl geknüpft.

Die Spekulationen um ein Eingreifen der EZB im Notfall drückte die Rendite der zehnjährigen italienischen Bonds auf bis zu 2,043 von 2,137 Prozent. Die vergleichbaren Titel aus Spanien und Portugal rentierten mit 1,506 und 3,572 Prozent ebenfalls niedriger als am Mittwoch. Sinkende Renditen zeigen an, dass sich die Einschätzung der Rückzahlungsfähigkeit des Schuldners am Markt verbessert.

Anlagestratege Peter Chatwell von der Mizhuo Bank wertete die Aussagen Constancios als Hinweis, dass die EZB bei ihrer Sitzung im Dezember die Verlängerung ihres Anleihe-Ankaufprogramms bekanntgeben wird. Bislang pumpt die Notenbank zur Ankurbelung der heimischen Konjunktur bis „mindestens März 2017“ monatlich 80 Milliarden Euro in die Finanzmärkte. „Wenn die EZB wachsende Spannungen in der Euro-Zone sieht, beeinflusst dies die Inflation und die Wachstumserwartungen“, sagte Chatwell. „Dies signalisiert im Gegenzug, dass die Bank weitere Stimuli bereithalten muss.“

Die Renditen von Staatsanleihen aus der Eurozone sanken am Donnerstag in der Folge auf breiter Front, wie aus einer Aufstellung von pigbonds.info hervorgeht. Die Renditen zweijähriger deutscher Anleihen fielen um mehr als 5 Prozent – diejenigen fünfjähriger und zehnjähriger Papiere um jeweils über 13 Prozent.

Die Renditen von US-Staatsanleihen hingegen setzten ihren Aufwärtstrend fort. Viele Marktteilnehmer erwarten, dass es unter dem Präsidenten Donald Trump zu einem merklichen Anstieg der Inflation kommen könnte, wodurch die Zinserträge und die Rückzahlung der Anleihen in entwerteter Währung erfolgen würde – höhere Renditen stellen eine Absicherung dagegen dar.

Besonders die Ankündigung Trumps, massiv durch öffentliche Ausgaben in die Infrastruktur der USA zu investieren, erklärt die gestiegenen Inflationserwartungen. „Dies wird der Teuerung einen zusätzlichen Schub verleihen, welche ohnehin seit einiger Zeit anzieht, und es wird sich mit der Zeit auch in einer gestiegenen Renditekurve bemerkbar machen. Natürlich gibt es verschiedene Wege, wie die neue Infrastruktur finanziert werden kann und wenn es ordentlich gemacht ist, kann man sogar von den derzeit günstigen Finanzierungsbedingungen profitieren“, zitiert CNBC einen Analysten des Vermögensverwalters BlackRock.

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