Entwertung der Sparguthaben: Inflation steigt weltweit

Die Inflation steigt weltweit deutlich. Weil die Zinsen niedrig bleiben, wird auf diese Weise die Entwertung der Sparguthaben beschleunigt. Außerdem verlieren die Konsumenten an Kaufkraft.

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Die Teuerungsrate in der Euro-Zone ist im Januar mit 1,8 Prozent auf den höchsten Wert seit rund vier Jahren geklettert. In der gesamten EU betrug der Anstieg 1,7 Prozent, wie die Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch weiter mitteilte. In Deutschland betrug der Anstieg im Januar demnach 1,9 Prozent.

Am stärksten auf die Inflation wirkten sich der Statistikbehörde zufolge die höheren Treibstoffpreise aus, die in der Eurozone mit 0,5 Prozentpunkten zu dem Anstieg beitrugen. Preistreiber waren auch Flüssigbrennstoffe und Gemüse (jeweils 0,14 Prozentpunkte). Gebremst wurde der Anstieg der Verbraucherpreise durch günstigere Kosten für Telekommunikation (minus 0,09 Prozentpunkte), Gas (minus 0,08 Prozentpunkte) sowie Brot und Getreide (minus 0,05 Prozent).

Die Inflation ist derzeit weltweit auf dem Vormarsch. Ob in Deutschland, den USA oder China – überall stiegen die Verbraucherpreise derzeit deutlich schneller als noch vor einem Jahr. Zuletzt waren die Großhandelspreise um vier Prozent gestiegen.

Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Sie reichen von einer anziehenden Konjunktur über Währungsabwertungen bis hin zu steigenden Ölpreisen. Die Hauptursache ist allerdings die lockere Geldpolitik der internationalen Zentralbanken, die sich vor allem in den niedrigen Zinsen niederschlägt. Die Kombination aus niedrigen Zinsen und Inflation führt zu einer massive Entwertung der Sparguthaben, was insbesondere die deutschen Sparer trifft.

Tatsächlich ist zu erwarten, dass die Inflation weiter steigen wird: Die EZB gibt an, dass sie langfristig eine durchschnittliche Inflation von zwei Prozent für angemessen hält. Das bedeutet, dass es wegen der rechnerischen Null-Inflation zu einer Inflation in Deutschland von vier Prozent kommen kann, ohne dass die EZB den von ihr selbst definierten Korridor für Preisstabilität verlässt.

Zu berücksichtigen ist außerdem, dass die Berechnung der Inflation in der Euro-Zone falsch ist, weil sie Energie überproportional, Kosten für Wohnraum jedoch nicht angemessen berücksichtigt. Sparer und Anleger fürchten daher eine Entwertung Sparguthaben und befinden sich in einem Blindflug mit ungewissem Ausgang.

Reuters liefert eine interessante Übersicht über die Entwicklung:

USA

Die Verbraucherpreise stiegen im Januar zum Vorjahr um 2,5 Prozent. Dies ist der höchste Anstieg seit fast fünf Jahren. Die Hälfte des Anstiegs geht auf teureres Benzin zurück, das fast acht Prozent mehr kostete als vor Jahresfrist. Viele Experten gehen davon aus, dass die Teuerungsrate in den kommenden Monaten auf knapp drei Prozent steigen könnte. Die Bundesbank etwa rechnet damit, dass die Konjunktur durch die von Präsident Donald Trump signalisierten radikalen Steuersenkungen, Deregulierungen und Investitionen in Billionenhöhe an Fahrt gewinnt und dadurch auch die Preise nach oben gehen.

DEUTSCHLAND

Höhere Preise für Benzin und Lebensmittel trieben die Inflationsrate in Deutschland zu Jahresbeginn auf den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren. Im Januar kosteten Waren und Dienstleistungen im Schnitt 1,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Wichtigster Preistreiber war Energie: Sie kostete 5,9 Prozent mehr als im Januar 2016. Heizöl verteuerte sich mit 42,5 Prozent besonders stark, ebenso Kraftstoffe mit 12,8 Prozent. Das Ölkartell Opec hatte sich Ende 2016 erstmals seit 2008 auf eine Förderkürzung geeinigt, was für steigende Preise sorgt und inzwischen bei den deutschen Verbrauchern ankommt.

EURO-ZONE

Aufgrund deutlich gestiegener Energiekosten sprangen im Januar die Preise für Waren und Dienstleistungen um 1,8 Prozent in die Höhe. Die Energiepreise kletterten mit 8,1 Prozent besonders kräftig. Kraftstoffe kosteten deshalb 14 Prozent mehr.

CHINA

Die Inflation in China ist Anfang 2017 so stark gestiegen wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Im Januar zogen die Verbraucherpreise überraschend kräftig um 2,5 Prozent zum Vorjahr an. Vor allem höhere Preise für Lebensmittel vor dem chinesischen Neujahrsfest dürften dazu beigetragen haben. Auch der heimische Yuan ist billiger geworden: Er hat im vergangenen Jahr mit 6,5 Prozent zum Dollar so kräftig abgewertet wie seit 1994 nicht mehr. Das macht Importe teurer. Diese werden meist in Dollar bezahlt.

GROSSBRITANNIEN

Das Brexit-Votum hat die Inflation zuletzt auf 1,8 Prozent getrieben und damit auf den höchsten Stand seit Juni 2014. Treibende Kraft ist der Kursverfall des Pfund infolge des Anti-EU-Referendums vom Juni 2016. Denn der sinkende Außenwert der heimischen Währung macht Importe teurer. Das wiederum kurbelt die Inflation an. Die britische Notenbank geht davon aus, dass steigende Verbraucherpreise die Kaufkraft der Konsumenten im Verlauf des Jahres belasten werden.