Asset Management: Kunden kehren Fonds wegen Gebühren den Rücken

Institutionelle Anleger haben erkannt, dass sie bei vielen Fonds zu hohe Gebühren zahlen.

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Die Zentrale von BlackRock in New York. Gebühren bringen Fonds in Schwierigkeiten. (Foto: dpa)

Die Zentrale von BlackRock in New York. (Foto: dpa)

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Oliver Hirt von Reuters analysiert den Umbruch in der Fonds-Branche:

Profitabel, risikoarm und skandalfrei: Das Fondsgeschäft ist so etwas wie der Musterschüler der Finanzbranche. Während viele europäische Geldhäuser seit der Finanzkrise im kapitalzehrenden Investmentbanking auf dem Rückzug sind, haben sich die Einnahmen im Anlage- und Fondsgeschäft weltweit aufgebläht. „Wir leben in einer Gebühren-Blase“, stellt der Chef der Analysten-Vereinigung CFA Institute, Paul Smith, fest. Angesichts des Siegeszugs der relativ preisgünstigen Indexfonds und der schärferen Regulierung droht die Party für die 100-Billionen-Dollar-Branche nun aber zu Ende zu gehen. Experten rechnen mit einer Beschleunigung der Konsolidierungswelle. Großbanken wie die Deutsche Bank wollen hier aktiv mitmischen – und hoffen, mit einer Abspaltung der Vermögensverwaltung über die Börse mehr Profil in dem Geschäft zu gewinnen.

Mit einer operativen Gewinnmarge von 37 Prozent gehört das Asset Management, das Gelder von Profi-Anlegern wie Pensionskassen verwaltet, zu den rentabelsten Sektoren überhaupt, wie die Boston Consulting Group berechnet hat. Neben den spezialisierten Fondsgesellschaften wie Weltmarktführer Blackrock mischen auch Banken oder Versicherer in dem Geschäft mit. Seit 2011 haben die Firmen die Erträge hier kräftig gesteigert. Doch das dürfte sich nun ändern, weil die Kunden im Niedrigzinsumfeld nicht mehr so viel Geld für Fonds bezahlen wollen, um selbst noch ein bisschen Rendite einzufahren. Bis 2019 prognostizieren die Experten von Morgan Stanley und dem Beratungshaus Oliver Wyman einen Rückgang der Erträge, das Minus könnte sich auf bis zu 30 Prozent belaufen.

Ähnlich tönt es bei Vanguard, dem weltweit zweitgrößten Vermögensverwalter. Europa-Chef Sean Hagerty empfiehlt der Branche, sich auf eine Halbierung der Margen einzustellen. „Bei den Nutzern wächst die Erkenntnis, dass sie mehr bezahlen als notwendig.“ Vanguard hat gezeigt, dass die Anleger mit passiven Indexfonds, die lediglich einen Börsenindex abbilden, oftmals besser fahren als mit teuren aktiv gemanagten Fonds, bei denen Fondsmanager Titel auswählen und gezielt kaufen oder verkaufen. Bislang liegt branchenweit erst rund ein Viertel der verwalteten Vermögen in passiven Fonds wie etwa ETF. Dieser Anteil kann sich über die kommenden Jahre Experten zufolge aber durchaus verdoppeln.

Die Anbieter von aktiven Fonds flüchten sich bereits in Zusammenschlüsse, um Kosten zu sparen. Gleich drei Milliarden-Transaktionen gingen seit Oktober über die Bühne: Henderson kaufte Janus, Amundi schluckte Pioneer und Standard Life erwarb Aberdeen Asset Manamagent. Entstanden sind trotzdem nur mittelgroße Anbieter.

Dabei haben Experten zufolge entweder die ganz Großen oder die ganz Kleinen der Branche die besten Zukunftsaussichten: Riesen wie Blackrock zum Beispiel, die mit einem verwalteten Vermögen von 5,4 Billionen Dollar Größenvorteile ausspielen. „Der Trend zur Industrialisierung des Anlageprozesses wird weitergehen“, sagt Christian Staub, der bei Blackrock das Geschäft in der Schweiz und Deutschland verantwortet. Am anderen Ende der Skala stehen hochspezialisierte Nischenanbieter. In diese zweite Gruppe gehört die Schweizer Private Equity-Gesellschaft Partners Group, die einer Analyse von Bernstein zufolge in den letzten fünf Jahren die höchsten Geldzuflüsse und auch die höchsten Margen aller reinen Asset Manager aufwies.

Blackrock oder auch Vanguard haben ihre Marktanteile Lipper-Daten zufolge in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Zu den Verlierern gehören dagegen Deutsche Bank, UBS und Credit Suisse. „Asset Manager performen besser, wenn sie nicht an einer Universalbank dranhängen“, erklärt ein ehemaliger Banken-Spitzenmanager. Das hat mit der Vorgeschichte und Vorurteilen zu tun: Hauptaufgabe der Asset-Management-Abteilungen war es ursprünglich, Produkte für die Privatkunden der eigenen Bank bereitzustellen. Damit mussten sie sich weniger dem Wettbewerb und Qualitäts-Rankings stellen. „Das spürt man noch immer“, erklärt Ralph Kreis vom Berater AlixPartners. „Sie sind international nicht die Stars im Asset Management.“

Die Vermeidung von Interessenkonflikten, andere Vergütungssysteme und die Schaffung einer eigenständigen Kultur: Vieles spricht dafür, dass die großen Banken ihr institutionelles Vermögensverwaltungsgeschäft abspalten. „Diese Debatte wird in vielen Häusern intensiv geführt“, erklärt ein Investmentbanker. Bei der UBS lag das Thema Insidern zufolge in den vergangenen Jahren wiederholt auf dem Tisch, bisher haben sich aber immer die Gegner einer Veräußerung durchgesetzt. Credit Suisse hat sich im Gegensatz zur UBS seit 2008 von Teilen des Massengeschäfts verabschiedet. „Die Spezialisierung wird weitergehen“, erklärt der Chef des europäischen Asset Managements, Michel Degen. Ein Verkauf sei aber nicht geplant.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan will 20 bis 25 Prozent der Deutsche Asset Management an die Börse bringen und erhofft sich von der Unabhängigkeit einen Wachstumsschub für das Geschäft – auch über Zukäufe. Die Frankfurter bürsten dabei ein wenig gegen den Strich, präsentieren sich als Prädikatsanbieter im aktiven Fondsmanagement und heben weniger auf passive Anlagestrategien ab. Wenn die Rechnung aufgeht, könnte das der Bewertung der gesamten Deutschen Bank helfen. Das spreche auch dagegen, dass die Deutsche Bank hier irgendwann komplett aussteigt. Dennoch ist Christian Dreyer, der Chef Analystenvereinigung CFA in der Schweiz, überzeugt: „Der langfristige Trend geht klar in Richtung Entflechtung von Großbanken.“

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