Erdöl-Überangebot in den USA steigt an

Trotz der verursachten Schäden in der texanischen Ölindustrie hat der Wirbelsturm „Harvey“ keinen Einfluss auf das Überangebot an Erdöl.

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Die Shell-Ölraffinerie in Baytown im Bundesstaat Texas. (Foto: dpa)

Die Shell-Ölraffinerie in Baytown im Bundesstaat Texas. (Foto: dpa)

Die schweren Regenfälle nach dem Wirbelsturm „Harvey“ haben zahlreiche Raffinerien an der US-Golfküste und in Texas außer Gefecht gesetzt. Es sehe aber bisher so aus, als wäre die Verarbeitungsindustrie sehr viel stärker als die Ölproduktion betroffen, begründeten die Analysten von Goldman Sachs in einer Mitteilung an ihre Kunden den jüngst gemessenen Anstieg der Ölbestände. Sie schätzten grob, dass die Verfügbarkeit von US-Öl um 1,4 Millionen Barrel täglich (bpd) steigt, während zugleich die Benzin-Bestände um 615.000 bis 785.000 bpd schrumpften. Olivier Jakob vom Öl-Analysehaus PetroMatrix warnte, das Ausmaß der Raffinerie-Ausfälle sei noch nicht klar.

Wegen der heftigen Regenfälle könnten weitere Raffinerien an der US-Golfküste ihren Betrieb einstellen. Der Ölkonzern ExxonMobil wird möglicherweise bereits am Dienstag seine Anlage in Beaumont im Osten von Texas schließen, wie mehrere Insider der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Die zweitgrößte US-Raffinerie in Baytown läuft bereits mit gedrosselter Produktion.

Dasselbe gilt Insidern zufolge für die größte US-Anlage in Port Arthur, die von Motiva Enterprises betrieben wird. Noch am Dienstag wird demnach entschieden, ob die Produktion ganz eingestellt wird. Auch der Raffineriekonzern Marathon Petroleum stellt nach Reuters-Informationen im Werk Galveston Bay den Betrieb ein.

Auf die Golfküste entfällt die Hälfte der Raffineriekapazität in den USA. Etwa 15 Prozent der gesamten amerikanischen Produktion ist wegen des Unwetters nicht verfügbar. Selbst bei idealen Bedingungen dürfte es mindestens eine Woche dauern, bis die Raffinerien wieder angefahren werden können.

Die Preise am Terminmarkt für Nordseeöl der Sorte Brent und US-Leichtöl WTI schwankten am Dienstag. Am Mittag kostete ein Barrel (159 Liter) Brent mit 51,55 Dollar 0,7 Prozent weniger. WTI notierte mit 46,53 Dollar kaum verändert. Der Terminkontrakt auf US-Benzin, der am Montag auf ein Zwei-Jahres-Hochs geklettert war, gab etwa ein Prozent nach.

Neben der Lage in Texas spielten laut Börsianern auch Produktionsunterbrechungen in Libyen und Kolumbien eine Rolle. In Nordafrika wurden drei Ölfelder von Milizen blockiert. Schon seit einer Woche ist das Sharara-Ölfeld – mit 280.000 bpd das größte Libyens – geschlossen. In Kolumbien hat eine Rebellengruppe eine Pipeline angegriffen und damit die Förderung lahmgelegt.

Dennoch gehen Experten davon aus, dass das Überangebot an Öl weiterhin für relativ niedrige Preise sorgen wird. Die Jefferies Bank senkte ihre Prognose für Brent auf 55 Dollar von 60 Dollar im vierten Quartal 2017. Auch für 2018 rechnen die Experten mit einem niedrigeren Ölpreis von 57 Dollar nach zuletzt 64 Dollar.

Aus Furcht vor einem Angebotsengpass haben sich Anleger am Dienstag mit Industriemetallen eingedeckt. Der Preis für Kupfer stieg um 2,2 Prozent auf ein Drei-Jahres-Hoch von 6814 Dollar je Tonne. In Schanghai erreichte der Rohstoff mit 53.050 Yuan (8041 Dollar) sogar ein Viereinhalb-Jahres-Hoch. Das zur Stahl-Herstellung benötigte Nickel war mit 11.840 Dollar so teuer wie zuletzt im vergangenen November.

Nickel profitierte Anlegern zufolge von den geringeren philippinischen Exporten. Wegen der Schließung von mindestens acht Minen als Folge des Kampfs gegen Umweltverschmutzung brachen die Nickel-Ausfuhren im ersten Halbjahr um etwa ein Viertel ein.

Die Kupfer-Lagerbestände sind in den vergangenen beiden Monaten gefallen. Dabei halbierte sich der Anteil des Kupfers, das nicht für Abnehmer reserviert ist, binnen sechs Wochen auf derzeit rund 112.000 Tonnen.

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