Deutsche Unternehmen sorgen sich um Zukunft Kataloniens

Die deutsche Wirtschaft betrachtet die Vorgänge in Katalonien mit großer Skepsis.

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Eine Frau trägt am 03.10.2017 in Barcelona die „Estelada“, die Fahne der Unabhängigkeit. (Foto: dpa)

Eine Frau trägt am 03.10.2017 in Barcelona die „Estelada“, die Fahne der Unabhängigkeit. (Foto: dpa)

Nach dem Referendum vom Sonntag will die katalanische Regionalregierung bald die Unabhängigkeit von Spanien ausrufen. Für die deutschen Unternehmen in Katalonien hätte das wahrscheinlich unkalkulierbare Folgen.

Katalonien ist in Spanien die wirtschaftlich wichtigste Region für Deutschland. Knapp 1.000 deutsche Firmen haben laut Regionalregierung eine Niederlassung in der nordspanischen Region. Insgesamt gibt es laut Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) etwa 1600 deutsche Unternehmen in ganz Spanien, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Die umsatzstärksten Firmen mit einer Niederlassung in Katalonien sind die Volkswagen-Tochter Seat, die Chemiekonzerne Bayer und BASF sowie die Supermarktkette Lidl.

Deutschland exportierte 2015 Waren im Wert von etwa 14 Milliarden Euro nach Katalonien, das entspricht fast 40 Prozent aller Exporte nach Spanien. Besonders gefragt waren Fahrzeuge. Umgekehrt importierte Deutschland Waren im Wert von 7,5 Milliarden Euro, ebenfalls hauptsächlich Autos.

Durch die Abspaltung von Spanien würde Katalonien wahrscheinlich aus der Europäischen Union ausscheiden. Damit verlöre die Region den Zugang zum europäischen Binnenmarkt, der viele Vorteile für Unternehmen hat, etwa Zollfreiheit und Freizügigkeit innerhalb der EU. Dadurch drohen den Firmen zusätzliche bürokratische Hürden und Kosten. Wie stark es die Firmen treffen würde, kommt aber auf die zukünftigen Beziehungen eines katalanischen Staats zur EU an, die heute niemand vorhersehen kann.

Am Dienstag hatten katalanische Gewerkschaften zu einem Generalstreik aufgerufen, der das Leben in der Region weitgehend lahmlegte. Trotzdem sind keine größeren Produktionsausfälle bei deutschen Unternehmen bekannt. Bei Seat etwa streikte nur eine Minderheit der rund 14.500 Mitarbeiter, wie eine Sprecherin mitteilte. Nur in einer Produktionslinie musste Seat die Arbeit für einige Stunden wegen fehlenden Nachschubs unterbrechen. Eine Sprecherin von BASF sagte, dass es nicht zu Produktionsausfällen gekommen sei.

„Die Industrie in Deutschland schaut mit Sorge auf die heftiger werdenden Auseinandersetzungen in Spanien“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI), Joachim Lang. Der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Volker Treier, sagte: „Bei einer Abspaltung droht große Rechtsunsicherheit.“ Seat erklärte, wie für viele andere Unternehmen sei ein „stabiles politisches Umfeld erforderlich, um weiterhin in Arbeitsplätze und wirtschaftlichen Zuwachs zu investieren“.

Ein Sprecher von Siemens sagte zur drohenden Unabhängigkeit, diese Entwicklung sei für sie „noch weiter weg als der Brexit, und selbst da wissen wir nichts genaues“. Vor Ort hielten sich die Unternehmen bedeckt, wie ein Sprecher der deutschen staatlichen Investitionsgesellschaft Germany Trade & Invest der Nachrichtenagentur AFP sagte: „Egal was sie machen, es wird die eine oder die andere Seite verärgern.“

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