Venezuela: Maduro kündigt Umschuldung an und riskiert Pleite

Die venezolanische Regierung hat die Umstrukturierung der Staatsschulden angekündigt. Gläubiger befürchten einen Zahlungsausfall des Landes.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic
Der venezolanische Präsident Nicolas Maduro besucht regelmäßig seinen chinesischen Amtskollegen und größten Schulden-Gläubiger Xi Jinping. (Foto: dpa)

Der venezolanische Präsident Nicolas Maduro besucht regelmäßig seinen chinesischen Amtskollegen Xi Jinping. (Foto: dpa)

+++Werbung+++

Die Regierung von Venezuela hat eine Neuordnung der Auslandsschulden angekündigt und riskiert damit einen Staatsbankrott. Präsident Nicolas Maduro erklärte am Donnerstag, er habe eine Refinanzierung und Umstrukturierung der ausländischen Verbindlichkeiten angeordnet, um den Bedürfnissen der unter Versorgungsengpässen leidenden Bevölkerung gerecht zu werden. Wie er sich das konkret vorstellt, sagte Maduro nicht.

Unter Verweis auf die gegen Venezuela bestehenden US-Sanktionen sprach er von einem „Kampf gegen die finanzielle Schikanierung“ des Landes. Zuvor werde Venezuela eine noch diese Woche fällig werdende Anleihe-Zahlung des staatlichen Ölkonzerns PDVSA über 1,1 Milliarden Dollar leisten. Maduros Restrukturierungspläne könnten Experten zufolge die schwerste Schuldenkrise in Südamerika auslösen seit der Staatspleite Argentiniens 2001.

Die Ankündigung Maduros führte am Anleihemarkt dazu, dass die Renditen von PDVSA-Papieren stark stiegen. Händler von Kreditausfallversicherungen schätzen die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls Venezuelas inzwischen auf 99 Prozent ein, berichtet der Finanzblog Zerohedge.

Venezuela hatte in den vergangenen Tagen mehrere Zins- und Tilgungzahlungen geleistet, die die Staatskasse wahrscheinlich schwer belastet haben. Die Regierung und die Ölgesellschaft PDVSA müssen bis Ende des Jahres 1,6 Milliarden Dollar an Zins und Tilgung zahlen. Im kommenden Jahr stehen weitere neun Milliarden Dollar an. Als nächstes muss PDVSA 81 Millionen Dollar begleichen. Die Anleihe war bereits am 12. Oktober fällig, doch das Unternehmen schob die Zahlung auf im Rahmen einer Schonfrist von 30 Tagen. Wenn das Geld dann nicht fließen sollte, würde dies nach Darstellung von Investoren einen Zahlungsausfall auslösen.

Am Finanzmarkt löste Maduros Ankündigung Rätselraten und Sorgen aus. Ohne Kommunikationsstrategie und ohne Plan sei eine Umstrukturierung der Schulden unmöglich, sagte Experte Asdrubal Oliveros vom Analysehaus Ecoanalitica. Sollte die Regierung einseitig eine Umstrukturierung beschließen nach dem Motto „mach mit oder lass es“, würde dies einem Zahlungsausfall entsprechen.

Venezuelas Schulden werden auf 150 Milliarden Dollar geschätzt. Die Devisenreserven des Landes belaufen sich auf weniger als zehn Milliarden Dollar. Im Juli hatte die US-Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) die ohnehin schon schwache Bonität Venezuelas weiter heruntergestuft und von einem negativen Ausblick gesprochen, berichtet AFP.

Größte Gläubiger des Landes sind China mit 23 Milliarden an Forderungen und Russland mit acht Milliarden. Die USA haben Venezuela mit Sanktionen belegt. US-Präsident Donald Trump untersagte per Dekret den Handel mit neuen venezolanischen Staatsanleihen. Betroffen auch der Ölkonzern PDVSA, der eine wichtige Einnahmequelle für Venezuela darstellt. Ölverkäufe bilden das Fundament der venezolanischen Wirtschaft und stehen für 95 Prozent der Exporte. Doch die Einnahmen sind zuletzt wegen fallender Erdölpreise deutlich zurückgegangen.

Das Opec-Land ist stark von der Ölproduktion abhängig, für die der Staatskonzern PDVSA verantwortlich ist. In den Jahren des Ölbooms legte Maduros Vorgänger Hugo Chavez großzügige Sozialprogramme auf und lieh Milliarden an der Wall Street. Doch dann sanken ab Mitte 2014 die Ölpreise. Die Ölindustrie leidet zudem unter einem signifikanten Investitionsmangel, der die Förderung beeinträchtigt. Venezuela brachen die Einnahmen weg. Es fehlt vielerorts an Nahrungsmitteln und Medikamenten. Hinzu kommt eine außer Kontrolle geratene Inflation. Seit der Parlamentswahl 2015 steckt das Land zudem in einer politischen Krise. Zwischen Regierung und Opposition tobt ein erbitterter Machtkampf. Bei Unruhen kamen Dutzende Menschen ums Leben.

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung. Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung! Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***