Junge Europäer wurden von Finanzkrise nachhaltig geschädigt

Einer Studie zufolge werden viele junge Europäer Probleme haben, Vermögen aufzubauen und zu erhalten.

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junge Europäer informieren sich auf der Aus- und Weiterbildungsmesse „Chance 2010“ in Halle/Saale an einer Job- und Lehrstellenbörse. (Foto: dpa)

Berufseinsteiger informieren sich auf der Aus- und Weiterbildungsmesse „Chance 2010“ in Halle/Saale an einer Job- und Lehrstellenbörse. (Foto: dpa)

Einem Bericht des Credit Suisse Research Institute zufolge soll die Leistung der Weltwirtschaft seit der Finanzkrise 2008 um 27 Prozent auf ein Volumen 280 Billionen Dollar gewachsen sein. Allein in den vergangenen zwölf Monaten stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) demnach um 6,4 Prozent an.

Den größten Zuwachs im Verlauf dieses Zeitraums hatten die USA zu verzeichnen. Die US-Wirtschaft wuchs um 8,547 Milliarden Dollar. An zweiter Stelle liegt China mit einem Zuwachs von 1,718 Milliarden Dollar. Deutschland ist mit 1,050 Milliarden Dollar drittplatziert. Zu den größten Verlierern gehören Ägypten und Japan. Die ägyptische Wirtschaft schrumpfte um 172 Milliarden Dollar und die japanische um 1,551 Milliarden Dollar.

Nach Angaben von Credit Suisse ist die Anzahl der weltweiten Millionäre seit 2008 um 8.740.000 gestiegen. Der durchschnittliche Wohlstand pro Person erreichte einen Mittelwert von 56.540 Dollar. 2007 lag dieser Wert bei etwa 52.074 Dollar. Doch dieser durchschnittliche Wohlstand umfasst alle Personen – einschließlich der reichsten Menschen. Problematisch ist, dass derzeit nur ein Prozent der Weltbevölkerung etwas mehr als die Hälfte, nämlich 50,1 Prozent, des gesamten Reichtums der Welt besitzen. Im Jahr 2001 besaß ein Prozent der Weltbevölkerung noch 45,5 Prozent des weltweiten Reichtums der Welt.

Von 2000 bis 2007 wuchs der Wohlstand der wohlhabenderen Hälfte der Welt um sieben Prozent, während der Vermögenswert aller anderen durchschnittlich um zwölf Prozent wuchs. Allerdings verschob sich diese prozentuale Einteilung in Bezug auf das Wohlstandswachstum seit der Finanzkrise. Das weltweite Vermögen ging seitdem um 12,6 Prozent zurück.

Personen, die zwischen 1980 bis 2000 geboren wurden, sind in Europa und in den USA besonders negativ von dieser Entwicklung betroffen. Denn diese schneiden in Bezug auf Einkommen und Wohneigentum schlechter ab als ihre Eltern – obwohl sie besser ausgebildet sind als ihre Eltern, schreibt die Credit Suisse.

Nur eine Minderheit dieser Generation wird nach Angaben von Credit Suisse diesen finanziellen Nachteil überwinden. „Studentendarlehen spielten in vielen Ländern eine immer wichtigere Rolle bei der Verschuldung. Besonders in den USA, aber auch in Deutschland ist dies offensichtlich. In den USA hatten 37 Prozent der 20- bis 29-Jährigen im Jahr 2013 Schulden aus Studentendarlehen. Dies machte 18 Prozent der Gesamtschulden dieser Altersgruppe aus. Während in Deutschland zwölf Prozent dieser Altersgruppe Schulden aus Studentendarlehen hatten. Dies machte sechs Prozent der Gesamtschulden dieser Altersgruppe aus”, heißt es in dem Bericht.

Diese Altersgruppe wurde besonders stark von der Finanzkrise betroffen. Die hohe Arbeitslosigkeit, steigende Immobilienpreise und verteuerte Studentendarlehen schufen eine Ungleichheit bei der Verteilung des Vermögens. Credit Suisse führt aus, dass diese Altersgruppe besonders große Schwierigkeiten beim Aufbau von Vermögen haben wird – während die ohnehin Vermögenden ihr Vermögen weiterhin ausbauen werden.

Die Bank prognostiziert, dass das weltweite Vermögen bis zum Jahr 2002 auf 341 Billionen Dollar wachsen wird. Die Anzahl der Millionäre werde auf ein Allzeit-Hoch von 44 Millionen Personen ansteigen. Auch die Anzahl der Ultra-High-Net-Worth-Individuals (UHNWI) werde auf 193.000 Personen steigen. UHNWIs sind Personen, die über 30 Millionen Dollar besitzen.

Nicht nur die Jüngeren werden es beim Vermögensaufbau und -erhalt schwer haben, auch viele Menschen mittleren Alters sorgen sich. So sorgt sich ein Großteil der Deutschen im mittleren Alter über die soziale Ungleichheit in der Bundesrepublik. Auch der Umgang mit Pflegebedürftigen und drohende Altersarmut beschäftigt viele Menschen zwischen 30 und 59 Jahren, wie eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Versicherungswirtschaft ergab.

Demnach beschrieben zwar vier von fünf Leuten ihre Lebensqualität als gut oder sehr gut – mehr als im vergangenen Jahr. Auch die Angst vor Arbeitslosigkeit hat in den vergangenen vier Jahren deutlich abgenommen. Trotzdem fürchtet jeder Zweite zu wenig Geld im Alter sowie jeder Dritte, dass sein Einkommen schon in den nächsten Jahren nicht ausreichen könnte. Die Verteilung von Einkommen und Vermögen nannten 77 Prozent aller Befragten als Schwäche Deutschlands, zwei Drittel kritisierten das Pflegesystem.

Die Meinungsforscher befragten im August zum fünften Jahr in Folge eine Stichprobe von rund 1000 Menschen der „Generation Mitte“. Zu der Altersgruppe der 30- bis 59-Jährigen gehören in Deutschland rund 35 Millionen Einwohner. Sie stellen 70 Prozent der Erwerbstätigen und erwirtschaften mehr als 80 Prozent der steuerpflichtigen Einkünfte.