Unternehmen

Stromkosten für den Mittelstand steigen deutlich

Auf tausende mittelständische Unternehmen kommen 2018 deutlich höhere Stromkosten zu.
25.12.2017 01:00
Lesezeit: 2 min

+++Werbung+++

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Für tausende mittelständische Firmen und öffentliche Einrichtungen wie etwa Schulen oder Krankenhäuser steigt ab Januar 2018 die Stromrechnung. Das bestätigte die Bundesregierung am Montag. Hintergrund ist ein Streit mit der Brüsseler EU-Kommission über die Zulässigkeit von Entlastungen für die Betreiber von bestimmten Kraftwärmekopplungs-Anlagen (KWK) im Bereich der EEG-Umlage.

Hintergrund ist, dass die bisherige Regel zur Privilegierung von KWK-Anlagen, die seit August 2014 in Betrieb gingen, zum Jahreswechsel ausläuft. Bislang müssen die Betreiber von KWK-Anlagen auf den Strom aus ihren Anlagen, den sie selbst verbrauchen, nur eine um 60 Prozent reduzierte EEG-Umlage bezahlen. Da keine von der EU-Kommission genehmigte Nachfolgefassung vorliegt, müssen sie ab 1. Januar 2018 aber die volle Umlage in Höhe von 6,8 Cent je Kilowattstunde für selbst genutzten Strom abführen.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) kritisiert die Entwicklung scharf. Ein Sprecher sagte den Deutschen Wirtschafts Nachrichten:

„Die Abschaffung der Reduzierung von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen zur Eigenversorgung von der Ökostromumlage ist eine schlechte Nachricht vor Weihnachten. Zudem kam sie kurzfristig und überraschend. Sie trifft die Wirtschaft in ihrer Breite, beispielsweise Hotels, Krankenhäuser und insbesondere auch den industriellen Mittelstand.

Ein typischer Fall in der Industrie sind Anlagen mit 2 Megawatt, die etwa 5.000 bis 6.000 Stunden im Jahr laufen. Der DIHK schätzt die durch den Wegfall der Reduzierung verursachten Mehrkosten für Unternehmen des industriellen Mittelstandes im kommenden Jahr auf bis zu 400.000 Euro pro Anlage. Im Einzelfall auch noch höher.

Die Bundesregierung ging offenbar davon aus, dass die EU-Kommission der Befreiung weiterhin zustimmen wird und kommunizierte dies auch so an die Wirtschaft.

Auf Basis der Informationen der Bundesregierung haben viele Unternehmen erst Investitionen in eine KWK-Anlage getätigt. Jetzt ist nicht absehbar, wie die Verhandlungen zwischen der Bundesregierung und der EU-Kommission verlaufen werden und wann sich eine Lösung abzeichnet.

Der DIHK rechnet frühestens um Ostern mit einer Einigung. Möglicherweise jedoch erst Ende des kommenden Jahres. Zumindest im ersten Halbjahr 2018 dürfte die EEG-Umlage für viele deutsche Unternehmen deshalb bei 100 Prozent und nicht wie bisher bei 40 Prozent liegen. Dies ist eine schlechte Nachricht für weitere Investitionen in diese Technologie, die unserer Ansicht nach deutlich zurückgehen werden.“

Unternehmensverbände schätzen die Zahl der betroffenen Firmen auf bis zu 10.000. Davon berührt werden demnach auch kommunale Unternehmen und Einrichtungen wie Schulen oder Schwimmbäder, die auf Selbstversorgung mit Strom aus neueren KWK-Anlagen setzen. Im Einzelfall könne es nach Angaben des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU) um finanzielle Beträge in Millionenhöhe gehen.

KWK-Anlagen erzeugen Strom und Wärme zugleich und sind dadurch besonders energieeffizient und klimafreundlich, weshalb sie im Rahmen der staatlichen Förderung der Energiewende bezuschusst werden. Es gibt sie in verschiedenen Größenordnungen. In Form sogenannter Blockheizkraftwerke versorgen sie Wohnblocks oder Wohnsiedlungen. Es gibt aber auch große industrielle Anlagen.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt

 

 

X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.
E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und erkläre mich einverstanden.
Ich habe die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Machtspiele um die Raumfahrt: Wie Trump und Musk staatliche Aufträge steuern
06.04.2025

Elon Musk, CEO von SpaceX, hat als „Sonderberater“ im Bereich der Effizienzsteigerung der US-Regierung (Department of Government...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Albtraum ist wahr geworden: Welche Branchen unter den neuen Handelsbarrieren leiden
06.04.2025

Die neuen Zölle von US-Präsident Trump setzen ganze Branchen unter Druck – die Auswirkungen sind spürbar. Ein Überblick über die...

DWN
Finanzen
Finanzen Nach Kupferpreis-Rekordhoch: Wie US-Zölle den Kupfermarkt beeinflussen - und was das für Anleger bedeutet
06.04.2025

Inmitten eines von Unsicherheit geprägten globalen Marktes, in dem geopolitische Spannungen und Handelskriege den Ton angeben, zeigt sich...

DWN
Technologie
Technologie Lithium-Boom in Sachsen: entdecktes Vorkommen reicht für 800.000 E-Autos
06.04.2025

Nicht nur Milliarden-Investitionen und Hunderte neue Jobs: Fällt der Goldrausch im Erzgebirge noch größer aus als gedacht? In Zinnwald...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Autozulieferer Webasto baut 650 Stellen in Deutschland ab
06.04.2025

Der angeschlagene Autozulieferer Webasto will im Zuge seiner Sanierung rund 650 Stellen in Deutschland abbauen. Der Stellenabbau soll schon...

DWN
Politik
Politik AfD löst die FDP im Bundestag ab: AfD hat die meisten Unternehmer in ihrer Fraktion
06.04.2025

Wirtschaftskompetenz in der Politik? Fehlanzeige: Immer weniger Unternehmer im Bundestag vertreten: nur noch 37 Abgeordnete mit...

DWN
Immobilien
Immobilien Drastischer Mietkostenanstieg voraus: Der Gebäude-TÜV soll kommen
06.04.2025

Das Deutsche Institut für Normung (DIN) hat Mitte Februar 2025 einen Entwurf mit Vorgaben für „Verfahren zur Überprüfung der...

DWN
Politik
Politik Russischer Angriff auf Nato-Staaten? Deutsche Sicherheitsexperten warnen vor Panikmache
05.04.2025

Ukraine-Krieg: Zahlreiche Sicherheitsexperten kritisieren Alarmismus wegen eines potenziellen russischen Angriffs. Ihre Kritik: Diplomatie...