Investoren setzen verstärkt auf anonyme Digital-Währungen

Digitalwährungen, welche die Privatsphäre der Käufer schützen, liegen derzeit hoch im Kurs.

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Die zunehmende Vernetzung birgt auch Gefahren von Cyber-Angriffen wie den auf ThyssenKrupp. (Foto: dpa)

Die zunehmende Vernetzung birgt Gefahren von Cyber-Angriffen. (Foto: dpa)

Bitcoin ist weit weniger anonym, als viele es in den Anfangsjahren dieser ersten Kryptowährung angenommen hatten. Denn in der Blockchain werden alle jemals getätigten Bitcoin-Transaktionen bis in alle Ewigkeit festgehalten.

Zwar finden sich in der Blockchain keine Namen, sondern nur die Adressen von Sender und Empfänger, der Betrag und der genaue Zeitpunkt der Transaktion. Doch mithilfe von Analyse-Werkzeugen ist es wiederholt gelungen, Bitcoin-Adressen realen Personen zuzuordnen.

Denn wenn man sich für den Inhaber einer Bitcoin-Adresse interessiert, dann kann man in der Blockchain den Weg des Guthabens auf dieser Adresse mitverfolgen. Spätestens wenn die Bitcoins etwa bei einer Online-Börse in Dollar oder Euro umgewandelt werden, kann man eine reale Person in Erfahrung bringen und diese zum Ursprung ihres Guthabens befragen.

Kürzlich warnte daher auch Edward Snowden erneut davor, dass man Bitcoin nicht für Transaktionen nutzen sollte, die nicht bekannt werden sollen. Der Whistleblower empfahl stattdessen die Kryptowährung Zcash, die sogenannte „private Transaktionen“ ermöglicht.

Doch Zcash ist bei Weitem nicht der einzige Coin, der sich den Schutz der Privatsphäre zum Ziel gesetzt hat. Es existieren heute mehrere Dutzend solcher Kryptowährungen, darunter Monero, Dash und Verge, die alle drei eine Marktkapitalisierung von mehr als einer Milliarde Dollar haben.

Und viele Kryptowährungen, welche die Privatsphäre ihrer Nutzer noch nicht schützen, arbeiten derzeit intensiv daran, dies künftig ebenfalls anbieten zu können. Entsprechende Lösungen entwickelt man derzeit etwa für Bitcoin und Bitcoin Cash.

Die Nachfrage der Nutzer nach Kryptowährungen, die die Privatsphäre schützen, hat zuletzt stark zugenommen. Dies zeigen die massiven Preisanstiege von Dash, Monero und Verge im Jahresverlauf 2017, die um ein Vielfaches höher ausfielen als bei Bitcoin.

Auch die Behörden weltweit haben erkannt, dass die Kryptowährungen zum Schutz der Privatsphäre an Verbreitung gewinnen. Wie anfangs vor Bitcoin warnen sie nun vor den Privacy Coins, weil Kriminelle damit ihre Identität verbergen können.

Tatsächlich haben Kriminelle im Internet zuletzt statt Bitcoin bevorzugt andere Coins verwendet. Für Erpresser etwa ist die Kryptowährung Monero derzeit „eine der beliebtesten, wenn nicht die beliebteste“, zitiert Bloomberg den Gründer der Sicherheitsfirma Comae Technologies, Matt Suiche.

Monero, abgekürzt XMR, existiert bereits seit 2014 und ist derzeit mit einer Marktkapitalisierung von knapp sechs Milliarden Dollar die Nummer elf unter den Kryptowährungen. Die Nummer eins Bitcoin hat aktuell eine Marktkapitalisierung von 250 Milliarden Dollar (etwa vierzigmal so viel).

Anders als bei Bitcoin werden in der Monero-Blockchain die Adressen von Sender und Empfänger sowie der Betrag einer Transaktion verborgen. Zahlreiche Schwarzmärkte im Deep Web nutzen daher heute statt Bitcoin Monero.

Die Verwendung von Monero ist deutlich angestiegen, seitdem die Behörden im Sommer den Online-Schwarzmarkt AlphaBay geschlossen haben. Die US-Behörden waren nicht in der Lage zu ermitteln, über wie viel Monero-Guthaben der mutmaßliche Börsenbetreiber Alexandre Cazes verfügte.

Die Entwickler von Monero sagen, dass die meisten Nutzer keine Kriminellen sind. Sie wollten einfach nicht, dass andere Leute wissen, ob sie gerade einen Kaffee oder ein Auto kaufen, sagte Monero-Chefentwickler Riccardo Spagni zu Bloomberg.

„Als Community unterstützen wir ganz sicherlich nicht, dass Monero von Kriminellen verwendet wird. Aber wenn man eine dezentrale Währung hat, dann kann man niemanden davon abhalten, sie zu nutzen. Ich nehme an, dass Monero gegenüber Bitcoin massive Vorteile für Kriminelle hat, also werden sie Monero verwenden.“