Moskau meldet Drohnen-Angriffe auf russische Armeestützpunkte in Syrien

Russland muss sich im Krieg in Syrien verstärkt um den Schutz seiner eigenen Militär-Basen sorgen.

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Der russische Präsident Wladimir Putin spricht zu den Truppen am 11.12.2017 auf der russischen Luftwaffenbasis Hamaimim in der Provinz Latakia in Syrien. Hier soll es Drohnen-Angriffe gegeben haben. (Foto: dpa)

Der russische Präsident Wladimir Putin spricht zu den Truppen am 11.12.2017 auf der russischen Luftwaffenbasis Hamaimim in der Provinz Latakia in Syrien. (Foto: dpa)

Syrische Armee (rot), Söldner (grün), ISIS (dunkel), Kurden (gelb). (Grafik: Syria Live Map)

Syrische Armee (rot), Söldner (grün), ISIS (dunkel), Kurden (gelb). (Grafik: Syria Live Map)

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Zwei russische Militärstützpunkte in Syrien sind nach Angaben Moskaus von mit Sprengstoff beladenen Drohnen angegriffen worden. Zehn Drohnen hätten sich in der Nacht zum Samstag dem Luftwaffenstützpunkt Hmeimim genähert, drei weitere der Flottenbasis in Tartus, teilte das russische Verteidigungsministerium am Montag mit. Bei den „terroristischen“ Attacken habe es weder Verletzte noch materielle Schäden gegeben. Die russische Armee habe sieben Drohnen zerstört und sechs weitere abgefangen.

Die AFP meldet unter Verweis auf nicht überprüfbare britische Quellen, gegen den Luftwaffenstützpunkt Hmeimim habe es zwei Angriffe mit Sprengstoff-Drohnen gegeben: in der Nacht zu Neujahr und am 6. Januar. Verantwortlich für die Angriffe sei eine in der Provinz Lattakia tätige „islamistische Rebellengruppe“.

Am Donnerstag hatte das russische Verteidigungsministerium bestätigt, dass bei einem Rebellenangriff auf Hmeimim im Westen Syriens an Silvester zwei russische Soldaten getötet wurden. Das Ministerium wies jedoch Berichte zurück, wonach bei dem Angriff auch sieben Militärflugzeuge „so gut wie zerstört“ wurden.

Im Dezember hatte der russische Präsident Wladimir Putin bei einem Besuch auf dem Luftwaffenstützpunkt Hmeimim den Abzug eines Teils der russischen Truppen aus Syrien angekündigt. Russland bleibt in Syrien aber weiterhin militärisch präsent – nach Angaben von Verteidigungsminister Sergej Schoigu unter anderem mit drei Bataillonen der Militärpolizei und den beiden Armeestützpunkten.

Russland hatte im September 2015 in den Syrien-Konflikt eingegriffen. Damals begann das Land mit Luftangriffen zur Unterstützung der Regierungstruppen von Präsident Baschar al-Assad. Die syrische Regierung hatte Russland um Unterstützung gebeten. Moskau setzt außerdem Spezialeinheiten am Boden im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) ein.

Syrische Armee durchbricht Belagerungsring bei Damaskus

Die syrische Armee hat einen Belagerungsring um eine Militärbasis östlich der Hauptstadt Damaskus durchbrochen. Bei den Kämpfen gegen die Aufständischen in Harasta seien die Eliteeinheiten von russischen Kampfflugzeugen unterstützt worden, berichteten ein staatlicher Fernsehsender und Reuters. Dabei seien mindestens 200 eingeschlossene Soldaten befreit worden.

Die syrische Armee hat die Kaserne immer wieder für den Kampf um ein Gebiet östlich von Damaskus genutzt, in dem mehr als 300.000 Menschen eingeschlossen sind. Im November rückten Söldner auf den Komplex vor. Vor einer Woche gelangen ihnen schließlich weitere Geländegewinne. Bei den Rebellen handelt es sich vor allem um Mitglieder der islamistischen Söldner-Truppe Ahrar al-Scham,

In der von anderen Söldner-Milizen belagerten Stadt Idlib kam es unterdessen zu einer Explosion, bei der Reuters zufolge mindestens 23 Menschen ums Leben kamen. Ziel sei das Hauptquartier einer kleineren Rebellengruppe gewesen. Demnach könnte es sich um eine Autobombe oder um einen Drohnenangriff gehandelt haben. Bei den meisten Toten handele es sich um Rebellen. Daneben seien auch sieben Zivilisten ums Leben gekommen.

Russland und Syrien starten Großoffensive auf Idlib

Ende Dezember haben die syrische Armee (SAA) mit Unterstützung der russischen Luftwaffe damit begonnen, ihren Vorstoß auf die syrische Provinz Idlib zu intensivieren. Die Provinz wird von der Söldner-Truppe Hayat Tahrir al-Scham (HTS, die die Nachfolgeorganisation der al-Nusra-Front ist) besetzt gehalten.

Bisher haben die SAA und die russische Luftwaffe mindestens 50 Dörfer zurückerobert. In Idlib leben nach Angaben der Financial Times etwa zwei Millionen Menschen und nach Angaben des türkisch-syrischen Analysten Hüsnü Mahalli mindestens 40.000 bis 50.000 HTS-Kämpfer, von denen die meisten aus dem Ausland kommen.

In Idlib soll eine von vier Deeskalationszonen errichtet werden. Der russische Generalstabschef Waleri Gerasimow hatte im Dezember die vollständige “Eliminierung” von HTS angekündigt. Das sei das Ziel für das Jahr 2018.

Tareq Abdelhaq, ein Einwohner der Provinz  Idlib, der zu den Regierungsgegnern zählt, sagte den Financial Times, dass die syrisch-russische Offensive sich wahrscheinlich auf den Luftwaffenstützpunkt Abu Dhuhur konzentrieren werde. “Sie (Syrien und Russland, Anm. d. Red.) können nicht das gesamte Gebiet von Idlib einnehmen. Diese Art der Kriegsführung könnte noch weitere zehn Jahre andauern”, so Abdelhaq. Zum Schicksal der HTS-Söldner sagte er dem Blatt: “Man kann nicht alle zur Flucht zwingen – das ist unmöglich. Du kannst sie nicht alle töten – das ist auch unmöglich. Und du kannst sie auch nicht alle verhaften”.

Am 4. Januar 2017 haben die SAA und die russische Luftwaffe die Dörfer Rsm al-Abid, al-Fhail, Rubaida, Msheirfeh, al-Qasr al-Abyad, Rabeeah Musa , Haqiyah und Umm Rjaim Hill im südöstlichen Idlib zurückerobert.

An der Idlib-Operation wird auch die Türkei mitwirken. Das türkische Militär hatte in den vergangenen Monaten schwere Kriegsgeräte in das türkisch-syrische Grenzgebiet verlegt. Die Mitwirkung der Türkei geht auf eine Vereinbarung im Rahmen der Friedensgespräche von Astana zurück, die von Moskau, Ankara und Teheran geführt wurden.

Geopolitical Futures führt in einer Analyse über Idlib aus: “Idlib ist unterdessen wichtig, weil es in der Nähe eines kleinen Passes zwischen dem al-Nusayriyah-Gebirge, dem Kerngebiet der Alawiten und des Assad-Regimes und den flacheren Ebenen liegt, die von sunnitischen Arabern dominiert werden. Wenn die Türkei Idlib unter ihre Kontrolle bringen würde, könnte sie diesen Pass kontrollieren, sowie bedeutende Abschnitte der Autobahn 60, mit denen sie ihre Proxies (Anm. d. Red. pro-türkische Söldner), die sich in der Nähe befinden, verstärken könnte. Die Kontrolle der Seite dieses Talpasses auf der syrischen Seite würde es leichter machen, die südliche Küstengebiet der Türkei, das an der westlichen Grenze von Syrien anliegt, zu verteidigen. Die Türkei würde dies in eine viel bessere Position bringen, um einen Machteinfluss auf die künftigen Kämpfe um Syriens Zukunft auszuüben.”

Der US-Diplomat Michael Ratney sagt, dass die Präsenz von HTS in Idlib eine „große Gefahr für die Zukunft Syriens” sei, so der englischsprachige Dienst von Reuters. „Im Falle der Hegemonie der al-Nusra-Front in Idlib wäre es für die USA schwierig, die internationalen Parteien davon zu überzeugen, nicht die notwendigen militärischen Maßnahmen zu ergreifen”, so Ratney.