USA: Pensionsfonds will 107 Milliarden Schulden aufnehmen

Der finanziell angeschlagene Pensionsfonds des US-Bundesstaates Illinois will mit Anleihen bis zu 107 Milliarden Dollar aufnehmen.

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Ein Bündel Dollar-Noten täte den Pensionsfonds in Illinois gut. (Foto: dpa)

Ein Bündel Dollar-Noten. (Foto: dpa)

Der US-amerikanische Pensionsfonds Illinois Ponders Pension Fund will 107 Milliarden US-Dollar Schulden aufnehmen, um diese anschließend am Finanzmarkt zu investieren. Auch der Gesetzgeber in Illinois ist offenbar so verzweifelt, dass er bereit ist, das massiv unterfinanzierte Rentensystem des Bundesstaates damit zu unterstützen.

Die Gesetzesvertreter von Illinois und das Pensionskomitee haben am 30. Januar mehr über den Vorschlag erfahren, der von Robert Martwick, einem Vertreter der State Universities Annuitants Association, stammt. Die Vereinigung möchte, dass Illinois in diesem Jahr Anleihen herausgeben soll, um sein Rentensystem nahezu komplett zu finanzieren – unter der Voraussetzung, dass der Staat mehr investieren kann, als er an Zinsen zahlen muss.

Bei dem Vorhaben könnte es sich um den größten Schuldendeal in der Geschichte des kommunalen Marktes handeln. Dabei geht es auf einen Schlag um einen größeren Schuldenberg als den, den Puerto Rico im Vorfeld seines Konkurses angehäuft hatte. „Wir sind in einer Situation in Illinois, dass die Schulden unseres Rentensystems erdrückend sind“, wie Martwick, ein Demokrat, in einem Telefoninterview mit Bloomberg sagte: „Wenn Sie die höchsten Pensionsschulden der Welt haben, sollten Sie wahrscheinlich in einer anderen Größenordnung denken.“

Illinois schuldet seinen insgesamt fünf Rentensystemen 129 Milliarden US-Dollar nach Jahren, in denen es unterlassen wurde, jährlich angemessene Beiträge zu leisten. Und weil die Verfassung des Bundesstaats jegliche Kürzung der Altersversorgungsleistungen für Arbeitnehmer verbietet, werden die Pensionskosten der Regierung weiter steigen ebenso wie der Druck, der entsteht, diese Schulden zu tilgen. Ein Umstand, der die Anleihe-Bonität von Illinois auf ein Minimum hat absinken lassen.

Die Situation vieler Pensionsfonds in den USA ist prekär. Zahlreiche Regierungen von US-Bundesstaaten haben bereits Anleihen zugunsten ihrer Pensionskassen verkauft, wenn auch in einem viel kleineren Maßstab. Illinois hat dies bereits im Jahr 2003 getan, als es um Bonds im Wert von 10 Milliarden US-Dollar gegangen war. New Jersey hat dies ebenfalls versucht, um die Unterdeckung seiner Pensionen wieder zu verbessern, nachdem es der Staat unterlassen hatte, über Jahre hinweg adäquate Zahlungen an das System zu leisten. Detroits Pensionsfonds lieh sich 2005 und 2006 Geld, das dazu beigetragen hat, einen Konkurs herbeizuführen.

Nach einer Studie des Center for Retirement Research vom Boston College ist die Bilanz dieser Maßnahmen uneinheitlich. Vieles hängt vom Timing des Aktienmarktes ab: Während die meisten Pensionsanleihen profitabel gewesen sind, da sie Gewinne seit der Rezession generiert haben, verloren diejenigen Bonds Geld, die nach der Rallye in den späten 1990er Jahren oder vor dem Absturz 2008 verkauft wurden. Der S&P 500 Index stieg im vergangenen Jahr um 19 Prozent und erreichte zahlreiche neue Hochs.

Die Vereinigung aus Illinois, die Mitglieder des Rentensystems der Universität repräsentiert, erklärte, dass das Vorhaben dem Staat 103 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2045 sichert – und dies, weil die derzeitigen Schulden Illinois mit der Rate wachsen, die das Rentensystem von seinen Investitionen erwartet. Das ist natürlich mehr als die Zinssätze, die die Regierung zahlt, um Kommunalanleihen zu emittieren.

Martwick, der sich weder für noch gegen den Vorschlag ausgesprochen hat, sagt, er wolle die Transparenz unterstützen und neue Ideen aufgreifen, um die Finanzen des Staates zu retten. „Wenn es Sinn macht, werden wir es tun, wenn nicht, werden wir es ablehnen.“

Diese Art einer Transaktion, der von der Vereinigung in Erwägung gezogen wird, wird die Schuldenlast des Staates signifikant ansteigen lassen. Nach Angaben des Moody´s Investors Service weist Illinois ab Juli 26,3 Milliarden US-Dollar an allgemeinen Schuldverschreibungen auf. Der Staat verkaufte im November 750 Millionen US-Dollar an Bonds, um damit unbezahlte Rechnungen abzubauen, die sich während des zweijährigen Haushaltsengpasses angehäuft hatten. Wie das Büro des Rechnungsprüfers bestätigt, wird Illinois noch immer etwa 8 Milliarden unbezahlter Verpflichtungen nach der Realisierung der Pläne aufweisen.

Richard Ciccarone, Präsident von Merritt Research Services LLC aus Chicago, erwartet, dass diese Art der Ausgabe von Anleihen „am Rentenmarkt nicht gutgehen wird. Es erhöht das Ausfallrisiko absolut. Es gibt keinen Puffer.“