Niederlande schließen Europas größtes Erdgasfeld

Wegen zunehmender Erdbeben und Sicherheitsrisiken wird das niederländische Erdgasfeld bei Groningen ab dem Jahr 2030 geschlossen.

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Ein Spalt ist am 19.01.2018 in der Mauer eines Gebäudes in Hunzinge (Niederlande) zu sehen. In der niederländischen Provinz Groningen hat es mehrere kleine Erdbeben gegeben, weshalb etwa 3000 Gebäude in der Region neu gefestigt oder sogar komplett abgerissen werden müssen. (Foto: dpa)

Mauerrisse und ein steigendes Erdbeben-Risiko sind die Folge der Groninger Erdgasförderung.  (Foto: dpa)

Die Erdgasfördermenge an Europas größtem Gasfeld soll ab 2022 um zwei Drittel gesenkt werden und ab 2030 zum vollständigen Erliegen kommen. Dies gab der niederländische Wirtschaftsminister, Eric Wiebes, am vergangenen Donnerstag bekannt, wie Bloomberg berichtet. Energieversorger befürchten Energieengpässe in der kalten Jahreszeit. Die niederländische Regierung plant für diese Fälle das Anlegen eines Energiespeichers.

Bereits im Februar hatte die niederländische Behörde für Bergbausicherheit die Regierung mit Hinweis auf einzuhaltende Sicherheitsstandards aufgefordert, die Erdgasförderung in Groningen zurückzufahren. In der Vergangenheit war es immer wieder bei Erdbeben zu Sicherheitsrisiken im Gasfördergebiet durch Risse und Hohlräume in Gesteins- und Erdschichten gekommen. Gebildet werden diese durch bei der Gasförderung freigesetzte Gase.

Im Jahr 2014 hatte die niederländische Regierung die jährliche Fördermenge auf 21,6 Milliarden Kubikmeter begrenzt. Diese Menge entspricht rund fünf Prozent des gesamten Gasbedarfs der EU. Wie Wirtschaftsminister Wiebes nun bekanntgab, soll die Gasförderung bis Oktober 2022 auf 12 Milliarden Kubikmeter pro Jahr zurückgefahren werden. Anschließend soll sie sich in einem 12-Monatszeitraum auf 7,5 Milliarden Kubikmeter reduzieren und im Jahr 2030 ganz gestoppt werden.

Betrieben wird das Erdgasfeld von der niederländischen Gasunie. Diese befürchtet durch die Reduzierung das vermehrte Auftreten von Energieengpässen.  Um die Versorgungssicherheit garantieren zu können, ist das Vorhalten einer jährlichen Fördermenge von mindestens 14 Milliarden Kubikmetern notwendig, in besonders kalten Winter steigt der Erdgasbedarf auf 27 Milliarden Kubikmeter.

Das Groninger Gasfeld das größte Erdgasfeld in Europa. Von der Schließung des Groninger Erdgasfeldes sind nicht nur mehrere Millionen Haushalte in den Niederlanden, Deutschland, Belgien und Frankreich betroffen. Gleichzeitig bildet die Erdgasförderung auch eine Einnahmequelle für den niederländischen Staat. Im vergangenen Jahr erzielte das Land Einnahmen von rund 2 Milliarden Euro.

Um künftig nicht gänzlich vom Gasgeschäft abgeschnitten zu sein, gab die Regierung bekannt, stärker ins Flüssiggasgeschäft einsteigen zu wollen. So soll in den kommenden drei Jahren eine Gasspeicher- und Transformationsanlage zum Bauwert von 500 Millionen Euro errichtet werden, in dem aus Europa angekauftes Flüssiggas in Treibstoff umgewandelt werden kann. Aufgrund der sinkenden Groninger Fördermenge erwarten Ökonomen eine deutliche Belebung des Flüssiggasgeschäfts. Bezogen werden könnte das unter anderem aus Polen, welches in diesem Bereich eine Position als Energiedrehkreuz anstrebt. Bereits im vergangenen Jahr hat das Land mit den USA einen Gasliefervertrag geschlossen und in Swinemünde an der Ostsee ein Flüssiggasterminal errichtet.

Für die momentanen Bezieher des Groninger Erdgases bedeutet das Ende der Förderung ein Ausweichen auf eine alternative Energieversorgung. Seit 2011 sind Frankreich, Deutschland, Belgien und die Niederlande an das Versorgungsnetz der russischen Nord Stream-Pipeline angeschlossen. Betrieben wird die Ostsee-Pipeline von der Nord Stream AG. Anteilseigner sind die russische Gazprom, die deutsche Wintershall und Eon sowie die niederländische Gasunie und die deutsche Engie, die mit ihrer belgischen Tochtergesellschaft Engie Electrabel in den Benelux-Staaten vertreten ist. Einen weiteren direkten Erdgaszugang erhält Deutschland ab 2019 mit der Inbetriebnahme der russischen Pipeline Nord Stream 2. Die Genehmigung zum Bau der 1.200 Kilometer langen Unterwasserleitung in der Ostsee haben die deutschen Behörden in der vergangenen Woche erteilt.