Erste Anzeichen einer Konjunktur-Flaute in der Euro-Zone

In der Eurozone mehren sich Indizien, die auf einen wirtschaftlichen Abschwung im laufenden Jahr hindeuten.

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In den Volkswirtschaften der Eurozone mehren sich die Hinweise auf eine möglicherweise bevorstehende konjunkturelle Schwächephase. So wurden in den vergangenen Wochen eine Vielzahl an Indikatoren veröffentlicht, die einen Rückgang des Wirtschaftswachstums im laufenden Jahr andeuten.

In Deutschland kam es im Februar offiziellen Daten zufolge zu einem deutlichen Rückgang der wirtschaftlichen Dynamik. So gingen nicht nur die Produktion sowie die Auftragslage der Industrie zurück, sondern auch die Einzelhändler verzeichneten einen deutlichen Umsatzrückgang.

Dem gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) zufolge hat sich die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in Deutschland merklich erhöht. Für den Zeitraum von April bis Ende Juni weise das Frühwarninstrument – das die aktuellsten Daten über die Wirtschaftslage bündelt – eine mittlere Wahrscheinlichkeit von 32,4 Prozent aus, erklärte das IMK am Montag. Im März lag das Rezessionsrisiko bei lediglich 6,8 Prozent. Der nach dem Ampelsystem arbeitende Indikator springt dadurch von „grün“ auf „gelb“ und signalisiert eine erhöhte Unsicherheit.

Verantwortlich machen die Konjunkturforscher dafür in erster Linie den Konfrontationskurs von US-Präsident Donald Trump in der Handels- und Zollpolitik. „Präsident Trumps Flirt mit dem Protektionismus sendet Schockwellen aus, die über die Finanzmärkte auch die deutsche Wirtschaft treffen“, sagte der wissenschaftliche Direktor des IMK, Gustav Horn. „Noch bevor klar ist, ob die amerikanischen Strafzölle auch auf europäische Waren ausgedehnt werden, breitet sich starke Verunsicherung aus.“

In der Eurozone hatte die Industrieproduktion im Februar überraschend weiter geschwächelt: Die Industrieunternehmen des Währungsraums haben ihre Produktion im Monatsvergleich um 0,8 Prozent zurückgefahren, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Damit ist die Fertigung bereits den dritten Monat in Folge gesunken.

Die Analysten wurden von den Februar-Daten auf dem falschen Fuß erwischt. Sie hatten einen leichten Anstieg um 0,1 Prozent im Monatsvergleich erwartet. Allerdings war die Fertigung im Januar nach revidierten Daten nicht so stark gesunken, wie bisher gedacht. Eurostat revidierte den Rückgang von ursprünglich 1,0 Prozent auf nur noch 0,6 Prozent. Der Februar-Dämpfer erklärt sich mit einem Rückgang der Produktion von Investitionsgütern im Monatsvergleich um 3,6 Prozent, von Gebrauchsgütern um 2,1 Prozent, von Vorleistungsgütern um 0,8 Prozent und von Verbrauchsgütern um 0,5 Prozent. Dagegen meldete Eurostat einen Anstieg der Energieproduktion um 6,8 Prozent.

Wie die Financial Times berichtet, rechnet die Vermögensverwaltung Fulcrum in ihrem aktuellen Konjunkturbericht für das Jahr 2018 mit einem Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent in Europa, nachdem für das Jahr 2017 mehr als 3 Prozent Wachstum erwartet wurden. Für Deutschland sehen die Analysten einen Rückgang des Wirtschaftswachstums von 4 Prozent im vergangenen Jahr auf nur noch 1 Prozent im laufenden Jahr.

Fulcrum zufolge dürfte die von der Europäischen Zentralbank eingeleitete Normalisierung der Geldpolitik ein wichtiger Grund für den Rückgang der Dynamik sein – was zeigt, wie abhängig die Konjunktur von der Unterstützung der Zentralbanken geworden ist.

Seit Anfang 2015 kauft die EZB in großem Stil Staatsanleihen der Euro-Länder, um die Zinsen für diese Schuldenpapiere zu drücken und den überschuldeten Regierung faktisch einen Bankrott zu ersparen. Die EZB hatte den Umfang der monatlichen Käufe des umstrittenen Programms zum Jahreswechsel von 60 Milliarden Euro auf 30 Milliarden Euro halbiert – zugleich das ganze Programm jedoch bis Herbst 2018 verlängert. Ein schrittweises Ende des Programms ist jedoch absehbar, weil sich auch innerhalb der EZB-Führung Stimmen erheben, die auf eine Normalisierung drängen.

In dem Bericht heißt es: „Die Wirkung des Quantitative Easing-Programms nimmt nun ab. Dieses hatte ein den vergangenen Jahren immerhin dazu geführt, dass die Interbank-Zinsen ebenso wie die Renditen der Staatsanleihen niedrig waren und die Kreditvergabe in der Eurozone ansprang. Es ist wahrscheinlich, dass der Höhepunkt der positiven Auswirkungen des Programms auf das Wirtschaftswachstum im Jahr 2017 überschritten wurde. Unsere Analysten schätzen, dass das die monetäre Unterstützung durch die EZB zu etwa 1 Prozent mehr Wachstum geführt hat. Dieser Schub ist nun vollständig verschwunden.“

Die EZB rechnet für die ersten beiden Quartale zwar mit aufs ganze Jahr hochgerechneten Wachstumsraten von 2,5 Prozent. Eine Grafik von Binco Research zeigt jedoch, dass die negative Abweichung der ökonomischen Daten mit den Prognosen derzeit im Vergleich zu den vergangenen Jahren besonders hoch und eine Enttäuschung der positiven Vorhersagen demnach relativ wahrscheinlich ist.

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