EZB

Mario Draghi gilt als Magier in der Finanzwelt. Unter ihm wurden letztendlich zwei Finanzkrisen abgewendet. Die Konsequenzen seiner expansiven Geldpolitik bleiben jedoch noch offen.

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). (Foto: dpa)

Die Europäische Zentralbank verfolgt traditionell das Ziel der Geldwertstabilität. Der Einsatz ihrer geldpolitischen Instrumente soll demnach zu einer stabilen, jährlichen Entwertung des Euro von knapp unter 2 Prozent führen. Seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 jedoch haben sich Funktion und Bedeutung der EZB grundlegend verändert.

Um eine Kernschmelze des globalen Finanzsystems abzuwenden, begann sie im Verbund mit der amerikanischen Federal Reserve und anderen wichtigen Notenbanken, eine extrem expansive Geldpolitik einzuleiten. Den Leitzins senkte sie schrittweise herab – derzeit liegt er bei Null Prozent, was ein Novum in der Geschichte der EZB darstellt. Der Einlagensatz, zu welchem Geschäftsbanken Geld bei der Zentralbank parken können, rangiert mit minus 0,4 Prozent sogar im negativen Bereich. Zudem begann EZB-Chef Mario Draghi im Jahr 2014, in großem Umfang Staatsanleihen und später auch Unternehmensanleihen aufzukaufen, was eine Verwicklung mit den Finanzen der Staaten bedeutet. Die Maßnahmen führten dazu, dass ein Crash abgewendet beziehungsweise zeitlich nach hinten verschoben wurde.

Die Nebenwirkungen haben die Finanzbranche jedoch schwer getroffen. Die meisten Banken können mit Anleihen oder Krediten fast keine Gewinne mehr erzielen. Besonders für Institutionen wie Pensionsfonds und Versicherungen, die ihren Kunden regelmäßig Erträge ausbezahlen müssen, birgt dies große Gefahren. Weil die Banken aufgrund des negativen Einlagensatzes zudem ständig Geld verlieren, ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis sie die Zusatzkosten an die Sparer weitergeben.

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