Politik

EZB-Zinspolitik: Zinssenkung wegen starkem Euro und deutscher Schulden?

Wenige Wochen vor der nächsten EZB-Sitzung gewinnen Befürworter weiterer Zinssenkungen an Einfluss. Europäische Banken halten an ihren Prognosen fest und gehen wegen der deutschen Schuldenpolitik teilweise von einem baldigen EZB-Zins von unter 2 Prozent aus. Gleichzeitig warnt EZB-Präsidentin Lagarde vor den wirtschaftlichen Risiken eines Handelskonflikts mit den USA.
28.03.2025 11:26
Aktualisiert: 28.03.2025 11:26
Lesezeit: 2 min
EZB-Zinspolitik: Zinssenkung wegen starkem Euro und deutscher Schulden?
EZB-Zinspolitik im Umbruch? Im Moment verdichten sich die Anzeichen auf eine baldige Zinssenkung. (Foto: dpa)

Wenige Wochen vor der nächsten Zinsentscheidung der EZB mehren sich die Befürworter weiterer Leitzinssenkungen. Laut Piero Cipollone, Mitglied des EZB-Direktoriums, sprechen Faktoren wie sinkende Energiepreise und ein stärkerer Euro für eine Lockerung der Geldpolitik. In einem Interview mit der spanischen Zeitung Expansion erklärte er, dass die aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen eine weitere Zinssenkung rechtfertigen könnten.

Auch Griechenlands Notenbankchef Yannis Stournaras sprach sich kürzlich für eine weitere Zinssenkung bei der kommenden EZB-Sitzung am 17. April aus. Dagegen regte EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel eine Debatte über ein mögliches Ende der Zinssenkungen an. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel äußerte sich ebenfalls zurückhaltend. Europäische Banker dagegen halten an ihrer Prognosen fest, dass der EZB-Zins im kommenden Jahr gesenkt werden wird, möglicherweise sogar auf unter 2 Prozent - als Gründe werden vor allem die deutsche Schuldenpolitik genannt.

Banken halten an Zinsprognose fest - Senkung auf unter 2 Prozent möglich?

Trotz der geopolitischen Unsicherheiten halten europäische Banken insgesamt an ihren Prognosen für die künftige Zinsentwicklung fest. Das ergab eine Umfrage der dänischen Zeitung Børsen. Nordea, einer der führenden Finanzkonzerne Nordeuropas, geht demnach weiterhin davon aus, dass der Leitzins bis 2026 einmal gesenkt wird und dann bei 2,25 Prozent liegt. Andere Bankhäuser wie das größte dänische Finanzinstitut Danske Bank prognostizieren sogar, dass die EZB die Zinsen auf unter 2 Prozent, nämlich um einen Prozent auf dann 1,5 Prozent senken wird. Der US-Leitzins könnte laut den Analysten dagegen um einen Prozentpunkt auf 3,5 Prozent fallen.

Deutsche Schuldenpolitik als Wachstumstreiber - US-Inflation stagniert

Anders Svendsen, Chefanalyst bei Nordea, sieht für seine Prognose einer raschen Zinssenkung maßgeblich die deutsche Schuldenpolitik verantwortlich: „Wir erwarten, dass dies einen Wachstumsimpuls in Deutschland auslöst und möglicherweise auch die Produktivität und das wirtschaftliche Momentum in Europa insgesamt steigert. In diesem Fall müssten die Zinsen leicht höher bleiben,“ erläutert Svendsen.

„Die Fed hat selbst betont, dass sie in der aktuellen globalen Lage keine verlässlichen Prognosen treffen kann. Dasselbe gilt für uns, solange wir die Auswirkungen von Trumps Zollpolitik nicht genau kennen,“ ordnet Svendsen mögliche Auswirkungen der US-Zinspolitik auf Europa ein. „Davon abgesehen befindet sich die US-Wirtschaft in einer relativ starken Verfassung. Angesichts einer Inflation, die nicht weiter sinkt, gehen wir davon aus, dass keine weiteren Zinssenkungen erfolgen werden.“

Lagarde warnt vor Wachstumsrisiken durch Handelskonflikt

Seit Juni 2024 hat die EZB aufgrund der rückläufigen Inflation bereits sechs Mal die Leitzinsen gesenkt. Der für Banken und Sparer relevante Einlagenzins liegt derzeit bei 2,50 Prozent. Während die EZB eine Inflationsrate von zwei Prozent im Euroraum anstrebt, rechnet sie für 2025 mit einem Wert von 2,3 Prozent.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte zuletzt die bestehenden Risiken und Unsicherheiten für die Wirtschaft. Besonders besorgt zeigt sie sich über einen möglichen Handelsstreit zwischen der EU und den USA. Sollte Trump Ernst machen mit den angekündigten Importzölle von 25 Prozent auf europäische Waren, könnte das Wirtschaftswachstum in der Eurozone 2025 um 0,3 Prozent zurückgehen, erklärte sie vor dem EU-Parlament in Brüssel. Falls die EU mit Gegenzöllen reagiert, könnte die Wachstumsbelastung auf bis zu 0,5 Prozent steigen. Am Donnerstagmorgen machte Trump einen großen Schritt in Richtung Handelskrieg, indem der US-Präsident Zölle auf ausländische Autos von 25 Prozent ankündigte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 14: Die wichtigsten Analysen der Woche
02.04.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 14 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Politik
Politik Orbán oder von der Leyen: Wahlen in Ungarn werden Europa verändern - steht die EU vor einem Machtverlust?
02.04.2026

Die Parlamentswahl am 12. April in Ungarn rückt nicht nur die Zukunft von Viktor Orbáns politischem System sondern auch die Zukunft der...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street gibt nach
02.04.2026

Ein nervenaufreibender Handelstag an den Märkten: Erfahren Sie, welche überraschenden Faktoren die Kurse jetzt in Bewegung halten.

DWN
Politik
Politik BlackRock: Investmentpläne vor Iran-Angriff? Pete Hegseths BlackRock-Investition im Fokus
02.04.2026

Während des Iran-Krieges rücken mögliche frühere Verbindungen zwischen US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, BlackRock und den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russland stoppt Benzinexporte: Angriffe auf Raffinerien führen zu Exportstopp
02.04.2026

Drohnenangriffe treffen Energiesektor: Das russische Gastankschiff "Arctic Mategaz" war Anfang März vor der Küste Libyens nach...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kfz-Steuer-Prämie aufs Konto geplant: Bundesregierung prüft Entlastung für Autofahrer
02.04.2026

Die Bundesregierung prüft neue Wege, um Bürger angesichts hoher Kraftstoffpreise schneller finanziell zu entlasten, und setzt dabei auf...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europa vor neuer Belastungsprobe: Energiepreise steigen weiter
02.04.2026

Die globale Energiekrise verschärft sich durch geopolitische Spannungen im Nahen Osten und setzt die Energiemärkte zunehmend unter Druck....

DWN
Finanzen
Finanzen Neuer Ukraine-Kredit: EU-Kommission treibt Vorbereitungen voran - trotz ungarischen Vetos
02.04.2026

Die EU will der Ukraine bis Ende des Jahres insgesamt 45 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Doch es gibt weiter ein Hindernis.