Wirtschaft

Trump verkündet Zölle auf Auto-Importe - Was bedeutet das für Deutschland?

Trump macht Ernst und verkündet hohe Zölle auf importierte Autos. Besonders hart trifft das Deutschland. Ein Überblick, was die Entscheidung des US-Präsidenten bedeutet und welche Folgen sie hat.
27.03.2025 08:57
Lesezeit: 4 min
Trump verkündet Zölle auf Auto-Importe - Was bedeutet das für Deutschland?
Trump verkündet US-Zölle auf Autos - was bedeutet das für Deutschland? (Foto: dpa) Foto: Hauke-Christian Dittrich

US-Präsident Donald Trump plant, auf alle Autoimporte einen Zollsatz von 25 Prozent zu erheben und verschärft damit den Handelskonflikt mit der Europäischen Union. „Die USA seien ein Sparschwein, aus dem jeder klaue“, sagte der Republikaner, der sich bereits seit Langem über Handelsungleichgewichte mit anderen Ländern beklagt. Besonders stark dürften die neuen Strafzölle die deutsche Automobilindustrie treffen.

Was will Trump konkret verzollen?

Die Abgaben betreffen sämtliche importierten Fahrzeuge – vom Kleinwagen über Limousinen und SUVs bis hin zu leichten Nutzfahrzeugen. Auch zentrale Autoteile unterliegen dem neuen Zollsatz. Nach Angaben aus dem Weißen Haus sollen die Zölle am 3. April in Kraft treten, obwohl Trump zuvor den 2. April genannt hatte. Er stellte jedoch klar, dass die USA erst ab dem 3. April mit der Erhebung beginnen würden. Die neuen Abgaben kommen zusätzlich zu bereits bestehenden Zöllen hinzu. Importeure aus Kanada und Mexiko haben die Möglichkeit, nachzuweisen, dass ihre Produkte US-Anteile enthalten, wodurch der Zoll nur auf den nicht-US-Anteil angewandt wird.

Warum führt Trump diese Zölle ein?

Trump verfolgt mit den Zöllen das Ziel, die USA als Produktionsstandort zu stärken und das Handelsdefizit zu reduzieren. Autohersteller mit Produktionsstätten in den USA könnten sich glücklich schätzen, so Trump, denn nur wer im Inland produziere, sei von den Strafzöllen ausgenommen. Trumps Handelsberater Peter Navarro kritisierte in diesem Zusammenhang: „Manchmal seien die eigenen Freunde die größten Betrüger“ – eine Anspielung vor allem auf Deutschland und Japan.

Die Vereinigten Staaten importieren in großem Umfang Kraftfahrzeuge, Motoren und Autoteile. Die Einfuhren übersteigen dabei die Exporte deutlich. Zu den wichtigsten Lieferländern zählen Mexiko, Japan, Südkorea, Kanada und Deutschland.

Was stört Trump speziell an der EU?

Trump äußert sich immer wieder kritisch über die Europäische Union, insbesondere im Zusammenhang mit Handelsthemen. Bei der Ankündigung der Zölle sagte er: „Einer der Gründe, warum ich Zölle einführe, ist der, dass wir Millionen ihrer Autos nehmen – BMW, Volkswagen, Mercedes Benz.“ Gleichzeitig sei es wegen diverser Handelsbarrieren „fast unmöglich“, US-Fahrzeuge in die EU zu exportieren.

Tatsächlich erheben die USA derzeit einen Einfuhrzoll von lediglich 2,5 Prozent auf EU-Autos, während die EU für US-Autoimporte einen Satz von 10 Prozent ansetzt. Allerdings liegen die US-Zölle auf Pickups und leichte Nutzfahrzeuge bereits bei 25 Prozent. Zudem kritisiert Trump europäische Vorschriften, darunter strenge Emissions- und Sicherheitsstandards sowie die Mehrwertsteuer, obwohl US-Fahrzeuge in dieser Hinsicht nicht anders behandelt werden als europäische.

Welche Auswirkungen haben die Zölle auf Deutschland?

Die deutsche Automobilindustrie dürfte von den neuen Einfuhrzöllen besonders betroffen sein, da die USA ihr wichtigster Exportmarkt sind. Laut aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts war kein anderes Land im Jahr 2024 ein so bedeutender Abnehmer deutscher Neuwagen wie die Vereinigten Staaten. Ihr Anteil an den deutschen Autoexporten betrug 13,1 Prozent, gefolgt von Großbritannien (11,3 Prozent) und Frankreich (7,4 Prozent). Allerdings produzieren deutsche Autobauer bereits einen erheblichen Teil ihrer Fahrzeuge direkt in den USA, um Importzölle zu umgehen.

Wie reagiert die EU?

Die Europäische Kommission hat angekündigt, entschieden auf die neuen Zölle zu reagieren. Bereits im Vorfeld hatte sie Trump vor einer solchen Maßnahme gewarnt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte nach der Ankündigung: „Wir werden europäische Unternehmen schützen.“ Man wolle zwar zunächst auf Verhandlungslösungen setzen, doch auch Gegenmaßnahmen seien in Vorbereitung. „Wir werden nun diese Ankündigung zusammen mit anderen Maßnahmen, die die USA in den nächsten Tagen in Betracht ziehen, bewerten.“

Welche Gegenmaßnahmen plant die EU?

Konkrete Schritte werden von der EU bewusst nicht veröffentlicht, um Trump keine taktischen Vorteile zu bieten. Bereits bekannt ist jedoch, dass Mitte April die bislang ausgesetzten Sonderzölle auf US-Produkte wie Jeans, Bourbon-Whiskey, Motorräder und Erdnussbutter wieder eingeführt werden sollen. Diese Maßnahme ist eine Reaktion auf die bereits bestehenden US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte. Je nach Umfang der zusätzlichen US-Maßnahmen könnten weitere Sonderabgaben folgen, die möglicherweise auch große amerikanische Tech-Konzerne betreffen könnten.

Trump selbst äußerte sich zu den möglichen Auswirkungen auf Tesla: „Die neuen Zölle könnten sich als ‚neutral oder gut‘ für Tesla erweisen.“ Er verwies dabei auf die Produktionsstandorte des Unternehmens in Texas und Kalifornien: „Und jeder, der Werke in den Vereinigten Staaten hat, wird meiner Meinung nach gut dastehen.“

Wie könnte sich die Lage weiterentwickeln?

Ein denkbares Szenario wäre, dass Trump die neuen Zölle nach kurzer Zeit aussetzt, um Verhandlungen zu ermöglichen – ähnlich wie es zuvor bei Kanada und Mexiko der Fall war. Allerdings ließ der US-Präsident bislang keine Gesprächsbereitschaft erkennen. „Die neuen Zölle seien ‚von Dauer‘“, erklärte er. Auch sein Berater Navarro bestätigte diese Einschätzung.

In Brüssel wird zudem befürchtet, dass weitere Zölle auf unterschiedliche Importprodukte folgen könnten. Trump sprach in den vergangenen Wochen mehrfach davon, der 2. April werde ein „Tag der Befreiung“ für die USA sein, da er dann ein umfassendes Zollpaket vorstellen wolle.

Laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat die EU-Kommission die Mitgliedstaaten bereits darauf vorbereitet, dass sie sich auf entsprechende Maßnahmen einstellen sollten. Mögliche Ziele könnten europäische Arzneimittelhersteller oder Lebensmittelproduzenten sein.

Gab es Versuche, den Handelskonflikt zu entschärfen?

Ja, in den vergangenen Tagen fanden Gespräche zwischen dem für Handel zuständigen EU-Kommissar Maros Sefcovic und Vertretern der US-Regierung in Washington statt. Ziel war es, eine Eskalation des Konflikts zu verhindern. Doch ein Durchbruch konnte nicht erzielt werden. Nun wird erwartet, dass ernsthafte Verhandlungen erst dann beginnen, wenn die EU mit eigenen Vergeltungszöllen reagiert – was nach aktuellen Planungen Mitte April geschehen soll.

Wie ist Trumps generelle Zollpolitik zu bewerten?

Trump setzt Zölle gezielt als politisches Druckmittel ein. Bereits in der Vergangenheit hat er Einfuhrabgaben auf Waren aus China, Kanada und Mexiko verhängt. Für letztere beiden Länder wurden die Maßnahmen zumindest zeitweise ausgesetzt, unter anderem auf Druck der amerikanischen Automobilindustrie. Auch Einfuhren von Stahl und Aluminium unterliegen US-Zöllen.

Grundsätzlich handelt es sich bei Importzöllen um Abgaben, die an der Grenze auf eingeführte Waren erhoben werden. In der Praxis bedeutet dies, dass importierende Unternehmen – also US-Firmen – die zusätzlichen Kosten tragen. Diese werden in der Regel an die Verbraucher weitergegeben, was zu höheren Preisen führt.

Experten sehen Trumps Zollstrategie als riskant an, da sie zu steigenden Verbraucherpreisen und wirtschaftlicher Unsicherheit führen kann. Bereits nach der Ankündigung der neuen Zölle gab es Turbulenzen an den Finanzmärkten. Zudem hat die US-Notenbank Fed ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr nach unten korrigiert.

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