Frankreich stationiert über tausend Soldaten in Syrien

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 6 min
02.05.2018 00:30
Frankreich baut seine Militärpräsenz in Syrien deutlich aus. Dies deutet darauf hin, dass sich die westliche Allianz noch nicht der syrisch-russischen Allianz geschlagen geben will.
Frankreich stationiert über tausend Soldaten in Syrien

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Französische Spezialtruppen sollen laut dem israelischen Nachrichtendienst DEBKAfile mit ihren von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron angekündigter Militäroperation in Nordsyrien begonnen haben. Den Erkenntnissen zufolge sind die Franzosen mit Flugzeugen und Hubschraubern Anfang April an den US-Militärstützpunkten in Nordsyrien gelandet und sollen „Patrouillengänge“ in der Region durchführen.

Dies deutet darauf hin, dass sich die westliche Allianz weiter am Syrien-Krieg beteiligen will. Die Franzosen sollen die US-Truppen in Syrien unterstützen. "Die Franzosen haben uns in Syrien in den vergangenen zwei Wochen mit Spezialkräften verstärkt", sagte US-Verteidigungsminister Jim Mattis vor dem Militärausschuss des US-Kongresses.

Der Pentagon-Chef bestätigte damit Presseinformationen, zu denen sich die französische Regierung nicht äußern wollte. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte bei einer entsprechenden Frage während der gemeinsamen Pressekonferenz mit US-Präsident Donald Trump am Dienstag in Washington gesagt: "Wir haben beschlossen, unseren Beitrag zur Koalition zu erhöhen." Sein Land sei "vollkommen involviert in den Kampf" gegen den IS.

Die USA sind in dem Syrien laut AFP mit rund 2.000 Soldaten präsent, die überwiegend kurdische Kämpfer in Operationen unterstützen. Die Amerikaner hätten nicht die Absicht, sich aus Syrien zurückzuziehen, sagte Mattis. Frankreich ist seit langem Mitglied der internationalen Anti-IS-Koalition im Irak und in Syrien und hatte an der Befreiung der irakischen Stadt Mossul aus der Gewalt des IS mitgewirkt.

Anzahl und Orte französischer Truppen

Französische Truppen sind vor einigen Tagen aus ihrer Stellung im irakischen Niniveh in die syrische Provinz Hasaka eingedrungen, berichtet die Nachrichtenagentur Anadolu. Die Truppen seien in die Stadt Rumeilan verlegt worden, die von den Kurden-Milizen der YPG kontrolliert wird. Dort befindet sich auch ein US-Militärstützpunkt.

Das französische Militär ist derzeit auf fünf Militärstützpunkten in Nordsyrien stationiert, die sich alle in den Gebieten der Kurden-Milizen befinden. Dazu gehören Rakka, Ayn Issa, Ayn al-Arab, Sarrin und Harb Issk.

Die Nachrichtenagentur berichtet, dass sich mehr als 70 Truppen der französischen Spezialeinheiten, die unter der Schirmherrschaft einer internationalen Koalition gegen ISIS arbeiten, aktuell in der Fabrik von Lafarge-Zement in der Nähe (..) des Dorfs Harb-Issk in der Stadt Ayn al-Arab (Kobani) befinden. Diese würden gemeinsame Operationen mit den Kurden-Milizen der YPG und der PKK durchführen.

Ein Luftwaffenstützpunkt, der vom US-Militär in Harab-Issk gebaut wurde, wurde später in die nahe gelegene Zementfabrik integriert.

Die Einrichtung wird derzeit von US-Militärangehörigen betrieben, die unter der Koalition operieren, während eine Anzahl französischer Truppen ebenfalls dort stationiert ist. 30 weitere französische Truppen operieren gemeinsam mit den Kurden-Milizen in Rakka.

Neben den französischen Spezialeinheiten sind auch das 1. Marine-Infanterie-Fallschirmjäger-Regiment (1er R.P.I.Ma.) und die 10. Fallschirmjäger-Kommandotruppe (CPA 10) in der Region tätig. Die R.P.I.Ma. verfügt über 865 Soldaten. Die CPA 10 besteht aus 125 Soldaten, schreiben Chris Mann, Alexander Stilwell, Major Mike McKinney und Mike Ryan in ihrem Buch „The Encyclopedia of the World's Special Forces: Tactics, History, Strategy, Weapons”. Damit befinden sich etwa 1.110 französische Soldaten in Syrien.

Frankreich unterstützt Kurden-Milizen

Die Franzosen sollen vor Ort die YPG gegen die Türkei unterstützen. Ob es wirklich zu einer Konfrontation zwischen Soldaten der beiden NATO-Partner kommen wird, ist unklar. US-Präsident Donald Trump hatte angekündigt, dass sich die USA aus Syrien zurückziehen wollen. Dabei dürfte es sich allerdings um eine Finte gehandelt haben, denn die Amerikaner haben ihre Stützpunkte in Syrien ausgebaut und bisher nicht verkleinert. Es ist auch denkbar, dass die drei NATO-Staaten USA, Türkei und Frankreich gemeinsam eine Formation bilden, um den Einfluss der Russen zurückzudrängen. Ein Dissens zwischen den NATO-Staaten ist aber ebenfalls nicht auszuschließen.

Am Donnerstag, den 29. März, wurde eine Delegation der SDF vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron im Elysee-Palast empfangen. Während dieses Treffens hat der französische Präsident seine Position gegenüber der SDF deutlich gemacht. Er versicherte der SDF die Unterstützung Frankreichs – insbesondere im Zusammenhang mit der Stabilisierung der Sicherheitszone im Nordosten Syriens, was auch die Stadt Manbidsch umfasst. Zuvor hatte ein SDF-Sprecher erklärt, Frankreich werde Spezialtruppen nach Manbidsch entsenden, um den Vormarsch der türkischen Truppen nach Manbidsch zu verhindern. Dies wurde vom französischen Präsidialamt zunächst zurückgewiesen. „Frankreich plant keine neue Militäroperation in Nordsyrien außerhalb der internationalen Anti-ISIS-Koalition”, zitiert L’Orient Le Jour die Pressestelle des französischen Präsidialamts.

„Macron wird sicherlich nicht so weit gehen, um eine militärische Verstärkung in diesem Bereich (Manbidsch, Anm. d. Red.) zu verkünden (…). Die Kurden haben die Worte des Präsidenten der Republik überinterpretiert”, sagte Michel Duclos, ehemaliger Botschafter von Frankreich in Syrien und Sonderberater für Geopolitik am Montaigne-Institut, dem Blatt L’Orient Le Jour.

Der türkische Verteidigungsminister Nurettin Canikli hat vor einer französischen „Invasion” in Nordsyrien gewarnt. In einer Fernsehansprache in Istanbul erinnerte der türkische Präsident Macron daran, dass Ankaras Operation in Syrien auf „keine Invasion, sondern auf die Rettung der Region vor blutigen Banden” abziele. Paris plädierte hingegen für einen Dialog zwischen Ankara und der SDF „mit Hilfe Frankreichs und der internationalen Gemeinschaft” – ein Vorschlag, der vom türkischen Präsidenten abgelehnt wurde. „Erdogan und seine Sprecher lehnten jegliche Vermittlung aus Frankreich ab. Aber er sollte zweimal darüber nachdenken (…). Dies wäre eine Chance für die Türken, Sicherheitsgarantien von der YPG zu bekommen, sodass Zweifel über den Einsatz von syrischen Kurden als Basis für Angriffe auf die Türkei verhindert werden”, meint Duclos. Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu veröffentlichte am vergangenen Freitag eine Karte, die Positionen von französischen und amerikanischen Truppen im Norden und Nordosten Syriens zeigt.

Die türkische Zeitung Milliyet berichtet, dass Frankreich bereits 50 Spezialtruppen nach Manbidsch entsendet habe. Voice of America (VoA) zitiert den Sprecher der Kurden-Milizen, Halid Isa: „Frankreich wird seiner Verantwortung in Afrin auf diplomatischer Ebene und in Manbidsch auf militärischer Ebene nachkommen. Frankreich hat sich dafür entschieden, seine kurdischen Verbündeten zu unterstützen. Schlussendlich haben sich die USA und Frankreich dafür entschieden, militärische Unterstützung nach Manbidsch zu entsenden”.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte, dass die USA versuchen würden, die Gemeinden östlich des Euphrats zu isolieren. „Wir sind sehr besorgt darüber, dass wir in den vergangenen Monaten trotz zahlreicher Beteuerungen, dass das einzige Ziel der USA in Syrien der Anti-Terror-Kampf sei, beobachten, wie sich die USA ziemlich ernsthaft am östlichen Ufer des Euphrats festsetzen – in einem Großteil des syrischen Territoriums bis zur Grenze zum Irak”, zitiert The Middle East Monitor Lawrow.

Die USA würden in diesen Gebieten Strukturen und Einrichtungen schaffen, deren Finanzierung ebenfalls von den USA übernommen wird. Die dortigen Milizen seien den USA gegenüber rechenschaftspflichtig und ergeben. „Die USA stärken nicht nur ihre militärischen Einrichtungen, sondern bauen auch eine loyale und finanzierte Macht auf, die diese Gebiete vom restlichen Teil Syriens isoliert”, sagte Lawrow.

Frankreich im Nahen Osten

Frankreich spielt im Libanon die Hauptrolle beim „United Nations Interim Force in Lebanon” (UNIFIL). UNIFIL ist eine Beobachtermission der UNO im Libanon. Dort sind über 900 französische Soldaten stationiert, die mit den gepanzerten Infanterie-Kampffahrzeugen der Klassen VBCI und LAV und Mistral-MANPAD-Systemen ausgerüstet sind.

Aus einer Mitteilung des US-Verteidigungsministeriums geht hervor, dass die französische Armee eine Kampfstärke von 205.000 Mann hat. Davon seien derzeit 30.000 Soldaten im Rahmen von Anti-Terror-Missionen und Militäroperationen aktiv im Einsatz.

Das US-Verteidigungsministerium wörtlich: „Es gibt drei Haupt-Operationen: Sentinelle, Barkhane und Chammal. Sentinelle ist der französische militärische Beitrag zur Verteidigung Frankreichs (...). Barkhane ist in der afrikanischen Sahel-Zone zentriert und Chammal ist der französische Beitrag zur Operation Inherent Resolve im Irak und in Syrien. Operation Sentinelle stellt eine große Anstrengung dar, bei der mehr als 13.000 Soldaten mit der Polizei und der Gendarmerie zusammenarbeiten, um Frankreich vor Angriffen wie Paris und Nizza zu schützen. Die französische Marine und die Luftwaffe beteiligen sich am Schutz der Hoheitsgewässer und des Luftraums der Nation.”

Entscheidend für die französischen Aktivitäten im Nahen Osten ist die Operation Chammal. Das französische Verteidigungsministerium berichtet auf seiner Webseite (Stand: Februar 2018), dass im Nahen Osten derzeit 1.100 französische Soldaten im Einsatz sind. Sie seien ausgerüstet mit vier Haubitzen der Klasse CAESAR, zehn Kampfjets der Klasse Dessault Rafaele, einem Aufklärungsflugzeug der Klasse Atlantique 2, einem Tankflugzeug der Klasse C-135, einer AWACS E-3F und einer Fregatte. Die Truppen seien im Rahmen der Operation Chammal in Bagdad, Katar, Kuwait, in den Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und im Libanon stationiert.

Seit Beginn der Operation Chammal wurden mehr als 7.000 Flüge durchgeführt.

Mehr als 1.400 Luftangriffe führten zur Zerstörung von mehr als 2.000 Zielen im Irak und Syrien.

Auch der nukleare Flugzeugträger „Charles de Gaulle” mit 24 Kampfjets kam zum Einsatz. Der Flugzeugträger war im Jahr 2016 im östlichen Mittelmeer stationiert. Vom östlichen Mittelmeer flog Frankreich Luftangriffe auf den Irak und Syrien.

Aus einer Übersichtskarte des französischen Verteidigungsministeriums geht hervor, dass das französische Militär in Übersee fünf Militäroperationen durchgeführt hat. Bei diesen Operationen werden 6.100 französische Soldaten eingesetzt. Allerdings erstrecken sich die operationellen Aktivitäten der französischen Armee auf zahlreiche weitere Gebiete und Gewässer. Diese finden im Nahen Osten, in Westafrika, im Indischen Ozean, in Djibouti, im Mittelmeer, im Atlantik und auf diversen Inseln statt, die von Frankreich okkupiert sind. Alleine 7.050 französische Soldaten kommen in Übersee zum Einsatz, um die Souveränität Frankreichs zu verteidigen. Diese sind auf den Antillen, in Guyana, auf der Insel La Réunion, in Französisch-Polynesien und in Neukaledonien stationiert. Somit befinden sich nach Angaben des französischen Militärs im In- und Ausland über 30.000 französische Soldaten im Einsatz.

***

Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung. Bitte unterstützen Sie die Unabhängigkeit der DWN mit einem Abonnement:

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, werden Sie von uns benachrichtigt und können dann das Abo auswählen, dass am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier.

 

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektromobilität: In jedem Wandel stecken Chancen

Emissionen verringern, Kosten sparen und Imagegewinne erzielen – die Gründe für Unternehmen, in der Flotte auf Fahrzeuge mit...

DWN
Politik
Politik Poseidons verdrecktes Paradies: Die Tragik eines rechtsfreien Raums

Diese Woche befasst sich Ronald Barazon mit der Verschmutzung der Weltmeere. Ein eindrucksvoller Essay: Tiefgehende Analyse und flammende...

DWN
Politik
Politik Immer noch unangreifbar, aber nicht mehr Zentrum der Welt: Die USA werden ihr Imperium aufgeben müssen

In Folge vier der großen geopolitischen DWN-Serie analysiert Moritz Enders, wie die geografische Lage der USA ihre Außen-, Sicherheits-...

DWN
Finanzen
Finanzen Größte Krise seit hundert Jahren: Jetzt hilft nur noch ein radikaler Schuldenschnitt

Weder unser Geld noch unsere Forderungen sind noch durch reale Wirtschaftsleistungen gedeckt - ein Nährboden für gesellschaftliche...

DWN
Politik
Politik Ein Licht im Osten, Teil zwei: Putin wird ein Weißrussland ohne Lukaschenko akzeptieren

Lukaschenko läuft die Zeit davon: Das sagt der ehemalige polnische Ministerpräsident und EU-Ratspräsident, Donald Tusk, im zweiten Teil...

DWN
Finanzen
Finanzen Nach Verzweiflungs-Tat: Türkische Zentralbank auf Konfliktkurs mit Erdogan

Die Zentralbank hat die Leitzinsen deutlich angehoben und damit gegen den Willen von Präsident Erdogan gehandelt.

DWN
Technologie
Technologie Vollständig transparente Sonnenkollektoren revolutionieren die Solar-Technologie

Mit einer neuen Technologie ist es möglich, Fenster an Gebäuden anzubringen, die gleichzeitig als Sonnenkollektoren genutzt werden, um...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Nach dem Brexit: Entsteht ein neuer Handelsraum zwischen Lissabon und Wladiwostok?

Ein verstärkter Handel mit den Ländern der Eurasischen Wirtschaftsunion könnte den Brexit für Deutschland und Europa wirtschaftlich...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Finanzelite profitiert von angeblichem Enthüllungsbericht: Frontalangriff auf die Deutsche Bank

Das Medienportal "Buzzfeed" behauptet, bisher unbekannte Verfehlungen der Deutschen Bank aufgedeckt zu haben. DWN-Kolumnist Ernst Wolff...

DWN
Politik
Politik Polen und die USA, 1. Teil: Vereint gegen Deutschland und Russland

Polen begegnet Deutschland und Russland traditionell mit Argwohn. Warschau ist längt nach Washington ausgeschwenkt, um bald eine...

DWN
Finanzen
Finanzen Coronas Erbe: Schulden, Schulden und noch mehr Schulden

Seit Jahren steigen die Schulden weltweit deutlich an. Seit Jahresbeginn sind nun alle Dämme gebrochen. Die EU hat derweil Eurobonds durch...

DWN
Finanzen
Finanzen Japans aggressive Geldpolitik ist gescheitert: Werden EZB und EU daraus lernen?

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe ist zurückgetreten, weil er mit seiner Wirtschaftspolitik gescheitert ist. EZB und EU können aus den...

DWN
Politik
Politik USA wütend: Vatikan will an Geheimabkommen mit China festhalten

Der Vatikan will an einem Geheimabkommen mit China festhalten. Doch die USA fordern vom Papst, dass dieser das Abkommen auslaufen lässt....

DWN
Deutschland
Deutschland „Photovoltaik-Sozialismus“: Ausbau der Erneuerbaren Energien geht am Verbraucher vorbei

Ein Änderungsantrag zum EEG-Gesetzt verspricht Großes für die Zukunft, macht die Eigenversorgung mit Solarstrom aber unattraktiv. Aus...

DWN
Politik
Politik Bundesregierung plant Pflicht zu CO2-freiem Kerosin im Flugverkehr

Die Bundesregierung treibt den Klimakampf schneller voran, als von der EU vorgegeben. Einem Gesetzentwurf zufolge sollen bis 2030...

celtra_fin_Interscroller