China will in Osteuropas neue Atomreaktoren bauen

China plant, in Osteuropa Atomkraftwerke zu bauen. Das Land verfügt über eine Reaktortechnologie der dritten Generation.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic
Atomreaktoren in Osteuropa. (Grafik: INSP)

Atomreaktoren in Osteuropa. (Grafik: INSP)

China und die Länder Mittel- und Osteuropas wollen ihre Zusammenarbeit im Bereich der Kernenergietechnik vertiefen. Die China General Nuclear Power Corporation (CGN), Chinas größter Atombetreiber, stuft die Region als potenzielles Ziel ein.

„CGN hat sich immer auf die Märkte in Mittel- und Osteuropa konzentriert. Da wir die Reaktortechnologie der dritten Generation von Hualong One nach Großbritannien bringen, sind wir zuversichtlich, dass die Technologie in Zukunft auch auf den Märkten in Mittel- und Osteuropa eingesetzt werden kann”, zitiert China Daily Huang Xiaofei, einen Sprecher der CGN. Die Zustimmung des Vereinigten Königreichs zur CGN-Technologie werde die Tür zu anderen europäischen Ländern öffnen, da Großbritanniens Bewertungssystem als das strengste der Welt gilt, meint er.

CGN hat bisher Absichtserklärungen mit tschechischen und rumänischen Ingenieurfirmen für die Zusammenarbeit im Bereich der Kernenergie unterzeichnet und ist dabei, das erste Kernkraftwerk Polens zu bauen. Die World Nuclear Association berichtet: „Im Juli 2017 besuchte eine (polnische, Anm. d. Red.) Regierungsdelegation die chinesische General Nuclear Power Corporation (CGN) in Shenzhen. CGN erklärte, sie sei sehr daran interessiert, ’ein langfristiger strategischer Partner Polens zu werden und bei der Lokalisierung der Nukleartechnologie zu helfen’. Das polnische Energieministerium gab bekannt, dass es (…) Anfang 2018 eine Ausschreibung für die Technologie zum Bau des ersten Energiereaktors des Landes durchführen wird.”

Anfang September teilte der polnische Energieminister Krzysztof Tchorzewski mit, dass der Bau von drei Kernkraftwerken bis 2040 umgerechnet 22 Milliarden US-Dollar kosten würde. Die erste Einheit könnte 2030 in Betrieb genommen werden, berichtet die Nachrichtenagentur Xinhua.

CGN zufolge arbeitet Huang daran, die im Inland entwickelte Technologie Hualong One für weitere Destinationen einzuführen, insbesondere in Mittel- und Osteuropa, Afrika und Südostasien.

Das internationale Geschäftsportfolio von CGN erstreckt sich auf mehr als 20 Länder. 16 Prozent des Gesamtumsatzes des Unternehmens entfallen auf Auslandsaktiva und 20 Prozent der Einnahmen auf die Märkte in Übersee.

Länder wie Thailand, Indonesien, Kenia, Südafrika, die Türkei, Kasachstan und die Tschechische Republik zeigen Interesse an der Technologie.

Nach Angaben von Xu Xiaodong, dem stellvertretenden Leiter des China Electric Power Planning & Engineering Institute, ist die Region Mittel- und Osteuropa ein wichtiger Partner für die Initiative zur Neuen Seidenstraße (OBOR). Der Nuklearsektor bietet in diesem Zusammenhang aufgrund der chinesischen Kernenergie-Technologie ein enormes Kooperationspotenzial.

Chinesische Atomkonzerne starten weltweit neue Projekte und haben das Potenzial, die nächsten großen Nukleartechnologielieferanten auf der globalen Bühne zu werden, zusammen mit erprobten Technologien aus Kanada, Frankreich, Russland, Südkorea und den USA.

Joseph Jacobelli, Chef-Analyst für asiatische Versorgungsunternehmen bei Bloomberg, sagte, die Zusammenarbeit mit den mittel- und osteuropäischen Ländern werde dazu beitragen, neue Märkte für chinesische Expertise zu finden und neue Einnahmequellen zu erschließen.

„In einigen osteuropäischen Ländern besteht großes Interesse am Bau kerntechnischer Anlagen, und China könnte eines der Länder sein, die sich um Nuklearprojekte bewerben”, sagte er China Daily.

China plant bis 2030 den Bau von 110 Kernkraftwerken mit einer Investition von über 78 Milliarden US-Dollar durchzuführen, berichtet die Global Times.

China werde in den nächsten fünf Jahren jährlich sechs bis acht Atomkraftwerke bauen und bis 2030 110 Anlagen betreiben, um den dringenden Bedarf an sauberer Energie zu decken.

***

Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung. Bitte unterstützen Sie die Unabhängigkeit der DWN mit einem Abonnement:

Hier 
können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, werden Sie von uns benachrichtigt und können dann das Abo auswählen, dass am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier.