Kleine Fluggesellschaften kämpfen ums Überleben

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
02.02.2019 22:40
Die kleinen Fluggesellschaften geraten zunehmend unter Druck.
Kleine Fluggesellschaften kämpfen ums Überleben

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die kleinen Fluggesellschaften in Europa geraten zunehmend unter Druck – sowohl die, die als Privat-Unternehmen gegründet wurden, als auch diejenigen, die früher als Staats-Unternehmen fungierten (zum Beispiel die Air Serbia) und aus EU-wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht mehr subventioniert werden dürfen.

Der Airline-Berater und ehemalige Boeing-Pressesprecher Heinrich Großbongardt (Hamburg) sagte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten: „Das Fluggeschäft ist brutal skalengetrieben – im Grunde benötigt eine Airline eine Flottengröße von mindestens 100 Flugzeugen. Doch das ist bei den meisten kleinen Playern nicht der Fall – viele von ihnen verfügen noch nicht einmal über 50.

Mit einer so geringen Stückzahl kann man auch keine ausreichenden Reserven an Maschinen vorhalten, was jedoch notwendig ist, weil immer wieder Teile ausfallen, zum Beispiel eine Hydraulikpumpe oder eine elektrische Komponente – ein Flugzeug ist nun mal ein technisch sehr komplexes System.

Bedenken muss man auch, dass die Luftfahrt ein äußerst saisonales Geschäft ist. In der warmen Jahreszeit wird natürlich mehr geflogen als in der kalten. Um über den Winter zu kommen, benötigt eine Airline Liquidität, braucht sozusagen ´Speck´. Darüber verfügen die Kleinen in der Regel nicht.

Es macht auch einen gewaltigen Unterschied, ob ich als große Gesellschaft 30 oder 40 neue Flugzeuge in Auftrag gebe oder als kleine drei oder vier. Bei einem Großauftrag kann ich natürlich viel bessere Konditionen aushandeln. Das gleiche gilt selbstverständlich auch, wenn ich die Maschinen nicht fertigen lasse, sondern lease (die größte Flugzeug-Leasinggesellschaft Europas ist die niederländische „AerCap“ mit rund 1.500 Flugzeugen im Bestand. Anm. d. Red.).

Eine Ausnahme stellt übrigens die Condor dar (die Airline mit Sitz in Frankfurt verfügt über 53 Maschinen. Anm. d. Red.). Als Tochtergesellschaft von ´Thomas Cook´ verfügt sie über ihren eigenen Vertriebskanal – deshalb ist sie von den typischen Branchen-Problemen nicht betroffen.

Eins steht fest: Die Konsolidierung in der Branche geht unaufhörlich weiter. Es ist wahrscheinlich, dass in näherer Zukunft weitere Gesellschaften ihren Betrieb einstellen müssen.“

Angesichts der Probleme auf dem europäischen Markt hat sich die indische Airline „IndiGo“ dazu entschlossen, ihre schon so gut wie feststehende Expansion nach Europa auf unbegrenzte Zeit zu verschieben. Unterdessen geht der Kampf der kleinen europäischen Gesellschaften ums Überleben weiter. Der zu erwartende Abschwung der Weltwirtschaft stellt in dieser Situation ein weiteres Problem dar. Jetzt müssen die Airlines darauf hoffen, dass die Kerosin-Preise nicht steigen. Luftverkehrs-Experte Carlo Sporkmann (Berlin) sagte den DWN: „Anders als die großen Airlines sind die kleinen Gesellschaften nur bedingt in der Lage, in Niedrigpreis-Phasen große Mengen an Kerosin aufzukaufen und zu lagern.“ Der Markt-Beobachter Cord Schellenberg (Hamburg) sagte den DWN: „Wenn beides zusammenkommt, eine Rezession und ein Ansteigen der Kerosin-Preise, wird die Situation für die kleinen Airlines höchst ungemütlich.“



DWN
Politik
Politik Iran: Corona-Virus infiziert Staatsspitze, erster Politiker tot

Im Iran ist der ehemalige iranische Botschafter im Vatikan an den Folgen des Corona-Virus gestorben. Zudem haben sich die Chefberaterin des...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Einbruch am Weltmarkt: Deutsche Autobauer stehen vor riesigen Verlusten

Der Pkw-Weltmarkt verzeichnet einen riesigen Einbruch. Besonders der chinesische Markt ist betroffen – für die deutschen Autobauer und...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Russen unterlaufen Trumps Öl-Sanktionen gegen Venezuela

Die erst vergangene Woche erlassenen US-Sanktionen gegen Rosneft sollten den Export von Rohöl aus Venezuela unterbinden. Nun zeigt sich,...

DWN
Politik
Politik Syrien: Erdogan-Armee erobert Assads wichtigste Nachschublinie

Die Syrische Nationale Armee, die von der Türkei unterstützt wird, hat die strategisch wichtige Stadt Saraqib erobert. Damit ist es ihr...

DWN
Politik
Politik Linke stellt Strafanzeige gegen Merkel wegen US-Tötung von Soleimani

Die Linke hat Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen der Tötung des iranischen Generals Soleimani durch die USA angezeigt.

DWN
Politik
Politik Südamerika: Hunger und Elend erreicht man auch ohne Krieg

Mehrere der großen Staaten Südamerikas machen vor, wie man in kurzer Zeit Wohlstand beziehungsweise Hunger und Elend erreicht. Wo es...

DWN
Finanzen
Finanzen Finanzkrise im Libanon gerät außer Kontrolle: IWF entsendet Notfall-Team nach Beirut

Der Libanon steht nach einer wochenlangen wirtschaftlichen und politischen Krise vor dem Kollaps. Der IWF will eingreifen, die an der...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Virus-Krise erfasst immer mehr Unternehmen - eine Übersicht

Die Virus-Krise erfasst immer mehr Unternehmen: Ob gestrichene Gewinnziele, Einstellungsstopps oder Schutzausrüstung für Mitarbeiter....

DWN
Deutschland
Deutschland Zahl der Verkehrstoten sinkt auf historischen Tiefstand

Im letzten Jahr sind in Deutschland 3.059 Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr ums Leben gekommen. Damit erreicht die Zahl der...

DWN
Politik
Politik Athen reagiert auf Ausschreitungen gegen Migranten-Lager auf Ägäisinseln

Nach schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und aufgebrachten Einwohnern hat die Regierung in Athen am Donnerstag reagiert.

DWN
Politik
Politik Deutschlands neue Machtpolitik: Kooperation oder Hegemonie?

Die DWN sprachen mit dem geopolitischen Experten und Buchautor Erhard Crome über Deutschlands außenpolitische Ambitionen, sein...

DWN
Deutschland
Deutschland Bauindustrie geht mit vollen Auftragsbüchern ins Jahr 2020

Die deutsche Bauindustrie erwartet für das aktuelle Jahr steigende Umsätze. Die Auftragsbücher der Betriebe sind nach wie vor prall...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Deutsche Unternehmen in China leiden schwer unter Coronavirus

Wegen der Corona-Krise erwartet fast jedes zweite deutsche Unternehmen in China einen Einbruch der Einnahmen im zweistelligen...

DWN
Finanzen
Finanzen Razzia bei Großbank ABN Amro in Frankfurt

In den Räumlichkeiten der Großbank ABN Amro in Frankfurt am Main hat heute eine Razzia stattgefunden. Sie stand im Zusammenhang mit dem...

celtra_fin_Interscroller