OECD halbiert Wachstumsprognose für deutsche Wirtschaft

 

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06.03.2019 11:32
Die OECD korrigiert ihre Wachstumsprognosen für die europäischen Staaten deutlich nach unten.
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Die Industriestaaten-Organisation OECD hat ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft wegen der globalen Konjunkturschwäche mehr als halbiert. Das Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Jahr lediglich um 0,7 Prozent zulegen und damit halb so stark wie 2018, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Ausblick. Bislang war sie von 1,6 Prozent ausgegangen, während die Bundesregierung 1,0 Prozent erwartet.

Als Hauptgrund für die Schwäche gilt die langsamer wachsende Weltkonjunktur, von der das exportstarke Deutschland besonders abhängig ist. "Die globale Expansion verliert angesichts erhöhter politischer Unsicherheit, anhaltender Handelsspannungen und fortgesetzter Rückgänge des Vertrauens von Unternehmen wie Verbrauchern weiter an Dynamik", versucht die OECD die derzeit zu beobachtende erhebliche Abschwächung in der Weltwirtschaft zu erklären. "Eine stärkere Abschwächung in China würde das globale Wachstum belasten und könnte das Wachstum in Europa weiter schwächen."

Für Italien sagt die Organisation ein Rezessionsjahr voraus. Das Bruttoinlandsprodukt soll 2019 um 0,2 Prozent schrumpfen, dem 2020 eine leichtes Wachstum von 0,5 Prozent folgen soll. Für Frankreich werden in beiden Jahren 1,3 Prozent vorausgesagt. "In Europa bestehen nach wie vor erhebliche politische Unsicherheiten, auch beim Brexit", hieß es. "Ein ungeordneter Ausstieg würde die Kosten für die europäischen Volkswirtschaften erheblich erhöhen." Deutlich zurückgenommen wurde auch die Prognose für Großbritannien, das in diesem Monat aus der EU austreten will. Für das laufende Jahr wurde die Prognose von 1,4 auf 0,8 Prozent gesenkt, für 2020 von 1,1 auf 0,9 Prozent.

Wesentlich besser dürfte es aus Sicht der Analysten in den USA laufen. Hier rechnet die OECD mit einem Wachstum von 2,6 Prozent, dem 2020 ein Plus von 2,2 Prozent folgen soll. "Solide Arbeitsmarktergebnisse und günstige finanzielle Bedingungen stützen weiterhin die Einkommen und Ausgaben der Haushalte", erklärte die OECD. "Aber höhere Zölle haben begonnen, die Unternehmenskosten und -preise zu erhöhen." Das Wachstum von Investitionen und Exporten habe sich bereits abgeschwächt.

Die vermeintliche Stärke der US-Volkswirtschaft ist in erster Linie das Produkt einer massiven Schuldenaufnahme von Bürgern, Unternehmen und auch des Staates, um den für die dortige Volkswirtschaft so wichtigen Konsum voranzutreiben.

Indirekt bestätigte die OECD, dass der Aufschwung der vergangenen Jahre in erster Linie der ultralockeren Geldpolitik der Zentralbanken zu verdanken ist:

Viele Notenbanken hätten bei der Normalisierung ihrer Geldpolitik nach Einschätzung der OECD aus gutem Grund auf den Pausenknopf gedrückt. Angesichts des bevorstehenden Brexit und des von den USA angezettelten Handelsstreits sei die Unsicherheit momentan sehr ausgeprägt, zudem seien die Wachstumsperspektiven für viele Länder schwächer als zuletzt. Der künftige Kurs der Notenbanken hänge damit zunehmend von aktuellen Konjunkturdaten ab, hieß es im am Mittwoch veröffentlichten Wirtschaftsausblick.

In Ländern wie den USA, Kanada und Australien, in denen die Wirtschaft stärker zulege, gebe es die Möglichkeit, die lange konjunkturstützende Geldpolitik schrittweise zu straffen. In den USA hat die Fed dies auch über Zinserhöhungen und den Abbau der aufgeblähten Bilanz schon gemacht. Zuletzt signalisierte Fed-Chef Jerome Powell allerdings, bei den Zinsen nun eine abwartende Haltung einnehmen zu wollen und die Bilanz-Schrumpfung dieses Jahr zu stoppen. Die Europäische Zentralbank sollte die Zinsen noch für längere Zeit niedrig halten, ergänzte die OECD. Falls nötig seien zudem neue Maßnahmen angebracht, um Banken mit ausreichend Liquidität zu versorgen. In Japan, wo die Inflation niedriger als gewünscht bleibt, sei weiterhin eine sehr lockere Geldpolitik erforderlich.


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