Aktienrückkäufe: Bei Apple geht die Rechnung nicht auf

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
28.03.2019 17:14
Aktienrückkäufe sind beliebte Maßnahmen von Unternehmen, wenn es darum geht, überschüssige Gewinne zu investieren. Auch die Anleger profitieren davon, da durch die Verringerung der frei handelbaren Anteilscheine der Gewinn pro Aktie steigt. In der Regel hat dies Kurssteigerungen zur Folge. Leider ist das aber nicht immer so.
Aktienrückkäufe: Bei Apple geht die Rechnung nicht auf
Die Entwicklung der Apple-Aktie seit Anfang 2016. (Grafik: ariva.de)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

In den zurückliegenden zehn Jahren wurde von den größten US-Aktiengesellschaften mehr Geld für Rückkäufe eigener Anteilscheine ausgegeben als für Dividendenzahlungen. Dabei wurde im vergangenen Jahr mit Aktienrückkäufen in den Vereinigten Staaten im Wert von mehr als einer Billion US-Dollar eine neue Rekordmarke aufgestellt.

In den zurückliegenden zehn Jahren haben börsennotierte US-Unternehmen umgerechnet mehr als 3,5 Billionen Euro in Aktienrückkäufe gesteckt, was rund 21 Prozent ihrer aktuellen Marktkapitalisierung entspricht. Im Vergleich dazu haben deutsche Gesellschaften gerade einmal 20 Milliarden Euro oder 4 Prozent ihrer derzeitigen Marktkapitalisierung ausgegeben.

Eines der in Deutschland für Aktienrückkäufe besonders bekannten Unternehmen ist die Münchener Rück, die auch weiterhin plant, eigene Aktien zurückzukaufen. Erst vor wenigen Tagen hat die Gesellschaft bekanntgegeben, allein zwischen Mai 2019 und April 2020 erneut eigene Papiere in einem Umfang von rund einer Milliarden Euro zurückkaufen zu wollen.

Bei der aktuellen Marktkapitalisierung der Münchener Rück von rund 32,2 Milliarden Euro entspricht das einem Volumen, das in etwa 3,1 Prozent sämtlicher ausstehender Aktien entspricht. Nicht zuletzt wegen ihrer intensiven Rückkauf-Aktivitäten kletterte der Kurs der Münchener Rück-Aktie in den vergangenen zehn Jahren zur Freude der Anleger um rund 120 Prozent.

Wie das Beispiel Apple zeigt, werden Aktienrückkäufe von den Markteilnehmern nicht immer euphorisch begrüßt. Seit Jahren verfolgt der Tech-Gigant die Strategie, seine Gewinne statt in die Entwicklung von weiteren Innovationen oder den Ankauf neuer Betätigungsfelder lieber vor allem in Dividenden und Aktienrückkäufe zu stecken. Der Kurs des schwergewichtigen US-Konzerns schrumpfte innerhalb von fünf Monaten um rund 20 Prozent.

Hintergrund scheinen zunehmende Zweifel von Experten und Anlegern am eingeschlagenen Kurs des Unternehmens zu sein. Denn jüngste Aktienrückkäufe Apples waren – zumindest aus heutiger Sicht – ein Verlustgeschäft. Die Gesellschaft hat in den ersten drei Quartalen des Jahres 2018 insgesamt 62,9 Milliarden US-Dollar für Aktienrückkäufe ausgegeben und dabei laut einem Bericht des Wall Street Journal bis zu 222,07 US-Dollar pro Aktie ausgegeben. Ende 2018 belief sich der Wert des gesamten Aktienpakets auf nur mehr 53,8 Milliarden US-Dollar, was unter dem Strich einen Verlust von gut neun Milliarden US-Dollar bedeutet.

Doch warum verursachten eigentlich kursstützende Aktienrückkäufe derart schmerzliche Kursrückgänge? Beobachter des Unternehmens wollen bei dem aus früheren Zeiten für seine Innovationskraft gefeierten Konzern eine wachsende Ideenlosigkeit und zaghaftes Agieren festgestellt haben. Seit Jahren habe es keinen neuen technologischen Mega-Hit wie das iPhone mehr gegeben und bei Zukäufen oder Übernahmen halte man sich zurück.

So drängt der ein oder andere Analyst Apple gar dazu, Trendsetter oder Marktführer anderer Branchen wie Tesla oder Netflix zu kaufen. Mit seinem Milliarden-Budget könnte sich der High-Tech-Riese das wohl locker leisten. Ob und wie sich die - für ein von seinen Innovationen lebendes Unternehmen – relativ konservative Strategie der Aktienrückkäufe langfristig auszahlt, wird sich vermutlich erst in einigen Jahren zeigen.


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland „Deutschland spürt das Ende der Behaglichkeit“ – Warum Sie jetzt die DWN zum Vorteilspreis abonnieren sollten

Unser Redaktion zeigt auf, warum Sie nicht auf ein DWN-Abonnement verzichten sollten. Für das erste Jahr wird Ihnen ein besonderes Paket...

DWN
Finanzen
Finanzen Commerzbank: US-Heuschrecke und Olaf Scholz bereiten Massenentlassungen vor

Dem US-Finanzinvestor "Cerberus" gehören nur wenige Prozent der Commerzbank. Dennoch will das für seine rüden Methoden bekannte New...

DWN
Politik
Politik China gerät in Libyen an seine politischen und militärischen Grenzen

China hatte vor dem Sturz des libyschen Präsidenten Muammar al-Gaddafi sehr gute Beziehungen zu Libyen. Ob China seine Interessen in dem...

DWN
Politik
Politik Corona-Nachwehen: Deutschland bereitet sich auf schwere Unruhen vor

Gewaltsame Unruhen in Deutschland und Europa werden Experten zufolge in den kommenden Monaten wegen sozialer und wirtschaftlicher Miseren...

DWN
Politik
Politik Mit scharfer Munition: Ägypten führt Militär-Manöver an Grenze zu Libyen durch

Ägypten hat in der Nähe der libyschen Grenze ein Militär-Manöver unter Einsatz scharfer Munition durchgeführt. Zuvor hatte Kairo mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Erdogan verhängt Sanktionen gegen Goldman Sachs und JP Morgan

Goldman Sachs, JP Morgan und vier weitere internationale Banken wurden an der Istanbuler Börse mit einem dreimonatigen Leerverkaufs-Verbot...

DWN
Technologie
Technologie Bergbau auf dem Mond offenbar lukrativer als bisher angenommen

Forscher der NASA haben Belege dafür gefunden, dass es unter der Oberfläche des Mondes unerwartet viele wertvolle Metalle gibt. Dies...

DWN
Finanzen
Finanzen Wertvoller als Volkswagen und Co.: Wie kommt es zum absurden Aktienkurs von Tesla?

Tesla erwirtschaftet seit Jahren durchweg Verluste in Milliardenhöhe. Der Aktienkurs steigt trotzdem immer weiter an – wieso?

DWN
Deutschland
Deutschland Deutschland macht bei Industrie 4.0 spürbare Fortschritte

Es hieß immer, Deutschlands Unternehmen würden bei der Umstellung auf die Industrie 4.0 weit hinterherhinken. Jetzt gibt es andere...

DWN
Politik
Politik Serbien: Wollte die Regierung Fallschirmjäger gegen Corona-Demonstranten einsetzen?

Ein serbischer Gewerkschafts-Funktionär behauptet, dass die 63. Fallschirmbrigade der serbischen Armee einen Befehl verweigert habe,...

DWN
Politik
Politik Corona-Demonstranten stürmen Belgrader Parlament

Am Freitagabend sind Demonstranten in Belgrad gewaltsam in das serbische Parlament eingedrungen. Protestierende warfen Steine und Flaschen...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Die Party ist vorbei: Deutsche Unternehmen im Ausland entwerfen düsteres Zukunfts-Szenario

Die Bundesregierung und eine ganze Reihe von Wirtschaftsforschungsinstituten prognostizieren ein baldiges Ende der Krise. Doch die...

DWN
Politik
Politik Von jedem verdienten Euro bleiben dem Arbeitnehmer nur 47,9 Cent

Der Bund der Steuerzahler hat errechnet, dass einem Arbeitnehmer von jedem verdienten Euro nur 47,9 Cent zur freien Verfügung bleiben....

DWN
Finanzen
Finanzen Bauern rechnen mit Importschwemme an billigem US-Rindfleisch

Deutsche Bauern warnen vor einer Importschwemme an billigem US-Rindfleisch. Sollen die Bürger künftig auch für US-Billigfleisch eine...

DWN
Technologie
Technologie Microsoft patentiert Kryptowährung, die den menschlichen Körper zum Mining nutzt

Microsoft hat eine Methode zur Validierung von Transaktionen mit Kryptowährungen patentiert, wobei die Gehirnaktivität von Personen und...

celtra_fin_Interscroller