Google-Gründer kommen nicht mehr zu Fragestunden mit Mitarbeitern

 

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11.04.2019 17:22
Die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin beenden eine langjährige Tradition, sich den Fragen ihrer Mitarbeiter zu stellen. Dies geschieht vor dem Hintergrund zahlreicher interner Konflikte.

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Google-Mitbegründer Larry Page. (Foto: dpa)Die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin haben in diesem Jahr bisher an keinem der wöchentlichen Meetings teilgenommen, wo sie sich in der Vergangenheit den Fragen der Google-Mitarbeiter zur Zukunft des Unternehmens gestellt hatten.

Die Abwesenheit der Gründer seit mehr als drei Monaten ist die längste in der Firmengeschichte, und sie kommt zu einem Zeitpunkt, in der die Mitarbeiter kritische Fragen zu einer Vielzahl von Themen haben, die von sexuellen Belästigungen bis zur Zensur reichen.

Die wöchentlichen Meetings geben Google-Mitarbeitern die Möglichkeit, der Unternehmensführung ohne Einschränkungen Fragen zu stellen. Sie sind ein Schlüsselelement der transparenten Unternehmenskultur von Google.

In der Regel gibt es dabei eine Einführung durch die Führung, eine Präsentation durch ein Team und dann Zeit für Mitarbeiterfragen. Seit Jahren war mindestens einer der Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin anwesend und stellte sich persönlich den Fragen über das Unternehmen und dessen Pläne.

"Ich glaube nicht, dass sie jemals mehr als ein paarmal hintereinander gefehlt haben und definitiv nicht beide", zitiert BuzzFeed einen Google-Mitarbeiter. "Einer von ihnen war durchgehend immer dabei."

Laut einer Unternehmensquelle ist der Rückzug der Google-Gründer nicht völlig unerwartet. Demnach planten die Google-Gründer dies schon im Jahr 2015, als sie Alphabet gründeten.

Alphabet ist eine Holdinggesellschaft, die neben Google auch andere Projekte umfasst in Bereichen wie Waymos selbstfahrenden Autos und Unternehmen, die sich auf Life Science und Anti-Aging konzentrieren. Google-CEO Sundar Pichai sollte in turbulenten Zeiten selbst die Führungsrolle übernehmen.

"Uns und unserem Vorstand ist klar, dass es Zeit für Sundar ist, CEO von Google zu werden", schrieb Page in einem Post vom August 2015, der die Gründung von Alphabet ankündigte. "Dies gibt mir die Zeit, unsere Ziele weiter zu skalieren."

Doch nach den Umstrukturierungen im Oktober 2015 erschienen nach wie vor beide Google-Gründer zu den wöchentlichen Mitarbeitertreffen. Ihr überraschendes Fehlen im Jahr 2019 sorgt nun für Kritik. Mitarbeiter sagen, dass Page und Brin ihnen auch weiterhin regelmäßig Frage und Antwort stehen sollten, insbesondere in dieser kritischen Zeit.

Google steht derzeit vor einer Reihe interner Probleme. Das Unternehmen verhandelt immer noch über die Auswirkungen eines Streiks im vergangenen Herbst, als etwa 20.000 Mitarbeiter ihre Schreibtische verließen, um gegen den Umgang des Unternehmens mit sexuellen Belästigungen zu protestieren.

Zuvor hatte die New York Times berichtet, dass das Unternehmen Andy Rubin, einem Entwickler von Android-Software, eine Ausstiegssumme in Höhe von 90 Millionen Dollar zahlte. Der Mann soll im Jahr 2013 eine Frau zum Oralsex gezwungen haben. Doch dies war kein Einzelfall.

Zwei weitere hochrangige Manager mussten Google wegen sexueller Belästigung verlassen, erhielten jedoch Millionen-Abfindungen, obwohl das Unternehmen dazu nicht verpflichtet gewesen wäre. In einem weiteren Fall durfte ein hoch bezahlter Manager trotz der Anschuldigungen bleiben.

Weitere interne Kritik an Google gab es in den letzten Jahren im Hinblick auf das Vorgehen der Unternehmensführung gegen politisch inkorrekte Mitarbeiter und die Entwicklung einer zensierten Suchmaschine für China namens Dragonfly.

Auch Googles militärisches Drohnen-Programm mit künstlicher Intelligenz namens "Project Maven" stand in der Kritik. Zahlreiche Mitarbeiter kündigten im letzten Jahr, nachdem die New York Times im Mai letzten Jahres Einzelheiten eines Vertrages mit dem Pentagon veröffentlichte.

Laut internen E-Mails von Google bemühte man sich im Unternehmen um Geheimhaltung, weil man genau wusste, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz in Waffensystemen nicht nur in den Medien, sondern auch bei den eigenen Mitarbeitern auf Kritik stoßen würde.

Während ein Teil der Google-Mitarbeiter militärische Projekte strikt ablehnt und dies im letzten Jahr mit einer internen Unterschriftenaktion bekräftigt hat, will ein anderer Teil an der profitablen Kooperation mit dem US-Verteidigungsministerium festhalten.

Denn auch die Konkurrenten Microsoft und Amazon arbeiten mit dem Pentagon zusammen. Zudem wird künstliche Intelligenz, eine Stärke von Google, voraussichtlich eine zunehmende Rolle in der Kriegsführung spielen.

US-Verteidigungsminister Jim Mattis besuchte Amazon und Google bereits im Jahr 2017 und forderte dort eine engere Kooperation mit den Technologieunternehmen. "Ich sehe viele der größten Fortschritte hier an der Westküste im privaten Sektor", sagte er.

Abgesehen davon, dass Brin und Page nicht mehr zu den wöchentlichen Meetings kommen, sind jetzt die Videoaufnahmen der Treffen für Google-Mitarbeiter nur noch für ein paar Wochen zugänglich. Früher war dies über viele Jahre möglich.


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