Finanzen

Eurozone: Dem Mittelstand fehlen 400 Milliarden Euro

Die kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Eurozone weisen eine Finanzierungslücke in Höhe von 400 Milliarden Euro auf.
13.04.2019 11:36
Lesezeit: 1 min

Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) haben nach wie vor Schwierigkeiten, in der Eurozone an Kredite zu kommen - auch wenn sich die Situation zwischen 2015 und 2018 verbessert habe. Das ergab eine am Dienstag in Hamburg veröffentlichte Studie des führenden Kreditversicherers Euler Hermes. Danach hat sich die Finanzierungslücke für KMU von sechs auf drei Prozent der Wirtschaftsleistung halbiert.

"In der Eurozone kommen kleine und mittelständische Unternehmen leichter an Kredite als noch vor vier Jahren. Die Finanzierungslücke hat sich seither halbiert. Allerdings haben amerikanische Unternehmen weiter die Nase vorne, und in Europa fehlen trotzdem weiterhin rund 400 Milliarden Euro (Mrd. EUR). Das ist auf den ersten Blick angesichts der dauerhaft niedrigen Zinsen durchaus überraschend. Die Gründe dafür dürften vermutlich sowohl an der strengen Regulierung in Europa und dem damit verbundenen geringeren Risikoappetit der Banken liegen als auch an der mangelnden Diversifizierung bei der Finanzierung der KMU", sagte Chefanalyst Kai Gerdes. Das sei angesichts der niedrigen Zinsen durchaus überraschend.

Strenge Regulierung in der Eurozone

Es liege vermutlich an der strengen Regulierung in Europa und dem damit verbundenen geringen Risikoappetit der Banken. Zudem seien europäische Mittelständler wenig flexibel und deckten rund 70 Prozent ihrer externen Finanzierung über Bankkredite, gegenüber 40 Prozent in den USA. Der Zugang der KMU zu Bankkrediten sei in Europa sehr unterschiedlich. Deutschland liegt genau im Durchschnitt mit drei Prozent der Wirtschaftsleistung, deutlich darüber platzieren sich Länder wie die Niederlande (22 Prozent), Belgien (14 Prozent) und Frankreich (9 Prozent).

Die mangelnde Kreditvergabe sei ein Warnsignal. Sie führe zu einem geringeren Wachstum bei Investitionen der Mittelständler, wenn sie nicht selbst die Mittel stemmen können. Das wiederum könne die Wettbewerbsfähigkeit und das Wirtschaftswachstum in der Region schwächen. Das Düsseldorfer Finanzierungsportal Compeon befürchtet sogar einen Personalabbau, wenn Banken die Finanzierung verweigern. "Mittelständische Unternehmen stecken oft in einer Zwickmühle", sagte Geschäftsführer Nico Peters. "In guten Zeiten brauchen sie keine Kredite, in schlechten Zeiten bekommen sie keine." Gerade wenn die Auftragslage gut und die Anlagen ausgelastet sind, sollten sich Unternehmen weitere Finanzierungsmöglichkeiten aufbauen.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fossiles Heizen: Explodieren die Preise 2027?
30.08.2025

Seit Jahren herrscht ein Kampf in Europa: Wie kann man die klimaschädlichsten Aspekte des Gebäudesektors in Angriff nehmen und...

DWN
Finanzen
Finanzen Wird die Grundsteuer erhöht? Zu viele Ausgaben, zu wenig Einnahmen - deutsche Kommunen vorm finanziellen Kollaps
30.08.2025

Fast neun von zehn Städten und Gemeinden in Deutschland droht in absehbarer Zeit die Pleite, wie der Stadt Moers in NRW. Die Kommunen...

DWN
Technologie
Technologie Atomkraftwerke in Deutschland: Rückbau "läuft auf Hochtouren"
30.08.2025

Seit dem endgültigen Atomausstieg läuft in Deutschland der Rückbau von Kernkraftwerken. Doch wie weit ist dieser Prozess tatsächlich?...

DWN
Finanzen
Finanzen Erneuerbare Energien-ETF: Vergleich – wie Anleger am besten vom globalen Energieumbruch profitieren können
30.08.2025

Der weltweite Energieumbruch verändert Märkte, Technologien und Kapitalströme – und die globale Energiewende ist längst Realität....

DWN
Technologie
Technologie Europas Energie aus dem All: Die Sonne könnte 80 Prozent liefern
30.08.2025

Forscher sehen eine radikale Lösung für Europas Energiekrise: Solarkraftwerke im All sollen bis 2050 vier Fünftel des Bedarfs decken –...

DWN
Technologie
Technologie Retro-Revival: Warum die Kassette ein Comeback erlebt
30.08.2025

Retro ist wieder in – und die Musikkassette steht dabei im Mittelpunkt. Einst totgeglaubt, erlebt sie heute ein überraschendes Comeback....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zu viele Tools, zu wenig Schutz: Wie Unternehmen ihre Cyberabwehr selbst sabotieren
30.08.2025

Je mehr Sicherheitslösungen, desto sicherer? Das Gegenteil ist der Fall: Tool-Wildwuchs, inkompatible Systeme und überforderte Teams...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland rüstet auf: Digitale Waagen gegen Brummi-Sünder
30.08.2025

Überladene Lkw ruinieren Straßen und bedrohen die Sicherheit. Deutschland setzt jetzt auf digitale Hightech-Waagen – und erklärt den...