China will mit seinen Handels-Schiffen die Meere beherrschen

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 3 min
19.05.2019 07:34
China will zur Supermacht Nummer eins aufsteigen. Um das zu erreichen, will das Reich der Mitte die größte Handelsnation der Erde werden - und mit seinen riesigen Frachtern die Meere beherrschen.
China will mit seinen Handels-Schiffen die Meere beherrschen

Benachrichtigung über neue Artikel:  

China schickt sich an, größte und mächtigste Schifffahrts-Nation der Welt zu werden. Seit letztem Jahr befindet sich das Reich der Mitte im Besitz der größten Containerflotte.  Darüber hinaus verfügt die Volksrepublik über mehrere der größten Werfen sowie den weltweit größten Containerhafen (Schanghai). Bei der Wertschöpfung im Schiffbau liegt die Volksrepublik ganz knapp hinter Südkorea auf Platz zwei und dürfte das 50-Millionen-Einwohner-Land schon bald überholt haben. Der Bau von Spezialschiffen und die Produktion hochwertiger Meerestechnik bilden einen der zehn Bausteine der „Made in China 2025“-Initiative zur Aufwertung der chinesischen Produktionskompetenz, auf deren Grundlage die Volksrepublik im Jahr 2049 die größte Industriemacht der Welt werden soll. Darüber hinaus erwirbt das Reich der Mitte zunehmend Anteile an ausländischen Häfen und Werften oder übernimmt sie gleich ganz.

Jahrelang besaßen deutsche Reeder die weltweit wertvollste Flotte an Container-Schiffen. Letztes Jahr ging diese Ära zu Ende - mit einem Wert von 21,4 Milliarden Euro setzten sich die unter chinesischer Flagge fahrenden Schiffe auf Platz eins der Rangliste und verdrängten die deutsche Frachter-Flotte (Wert: 18,7 Milliarden Dollar) auf Rang zwei (auf den Plätzen folgen Japan, Dänemark [Maersk] und Griechenland). Und die Chinesen dürften ihre Spitzenposition in den nächsten Jahren weiter ausbauen: Ihre Reedereien bestellen nämlich zunehmend Container der Größenklasse 20.000 Container und mehr, während die deutschen Reeder eher auf mittelgroße Frachter setzen. Der europäische-ostasiatische Handel könnte in den nächsten Jahren also zunehmend von chinesischen Reedereien dominiert werden.

Was die Häfen anbelangt: Der weltweit größte ist der von Schanghai, wo 2017 knapp 42 Millionen Standard-Container umgeschlagen wurden (zum Vergleich: der größte europäische Hafen ist der von Rotterdam mit 13,7 Millionen Containern; Hamburg liegt mit 8,8 Millionen Containern auf Rang 18). Insgesamt befinden sich sechs chinesische Häfen unter den zehn größten der Welt. Darüber hinaus kaufen die Chinesen ausländische Häfen: So halten sie unter anderem Anteile am Hafen von Rotterdam sowie am Hafen von Hambantota auf Sri Lanka (Schifffahrts-Analyst Rahul Kapoor aus Singapur nannte den Kauf „ein großartiges Beispiel für Chinas Streben nach globaler maritimer Dominanz“). Den Hafen von Piräus (größter Passagierhafen Europas) hat der Staatskonzern „Cosco Shipping“ zu 100 Prozent übernommen und zum schnellst wachsenden Container-Hafen der Welt ausgebaut.

Mittlerweile ist das Reich der Mitte auch der zweitgrößte Schiffsproduzent der Welt, und zwar gewichtet nach CGT (Compensated Gross Ton; zu Deutsch „gewichtete Bruttoraumzahl“). Anders als an der Bruttoraumzahl BRZ, die lediglich für das produzierte Volumen steht und daher kaum einen Rückschluss auf die tatsächliche Wertschöpfung zulässt, lässt sich an der CGT die Wertschöpfung direkt ablesen. Hier lag China 2016 (neuere Zahlen liegen derzeit nicht vor) mit einem Wert von 11,36 Millionen hinter Südkorea (11,7 Millionen) auf Rang zwei (Deutschland kommt auf 0,41 Millionen, also auf weniger als vier Prozent der chinesischen Wertschöpfung). Da ist es keine Überraschung, dass China auch über zahlreiche Riesenwerften verfügt, beispielsweise die staatseigene „China Shipbuilding Industry Corporation“ (CSIC), die mit mehr als 300.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 37,5 Milliarden Euro erzielt. Zum Vergleich: Alle deutschen Werften zusammen erzielten 2018 mit 18.000 Angestellten einen Umsatz von 5,8 Milliarden Euro.

Apropos deutsche Werften: In den 70er Jahren begann hierzulande das große Sterben, weil die deutschen Unternehmen mit ihrer staatlich hochsubventionierten Konkurrenz aus Asien (damals vor allem Japan und Südkorea) nicht mithalten konnten. Mittlerweile werden in der Bundesrepublik fast nur noch technisch höchst anspruchsvolle Schiffe gebaut, vor allem Luxus-Yachten sowie Kreuzfahrt-, Kriegs- und Forschungs-Schiffe. Doch auch wenn die Deutschen in diesen Segmenten weltweit führend sind, nehmen sie die sich anbahnende Konkurrenz aus China ernst. Sehr ernst sogar, wie der Präsident des „Verbands für Schiffbau und Meerestechik“ (VSM), Harald Fassmer, erklärte: „Das ist eine Bedrohung, die wir sehen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass China konsequent umsetzt, was es sich vornimmt. Wir wissen um unsere Leistungsfähigkeit, aber es wäre grob fahrlässig, die Risiken zu unterschätzen.“ Zumal die Chinesen einen langen Atem haben, was Verlustgeschäfte angeht - die staatlichen Subventionen machen es möglich, auch wenn die Chinesen von ihrem 2017 ausgegebenen Ziel, 40 Prozent aller weltweit hergestellten Hightech-Schiffe zu bauen, derzeit noch weit entfernt sind. Christopher Tytgat, General-Sekretär von „SEA Europe“, dem europäischen Verband der Werften und Schiffszulieferer, gibt zu bedenken, dass asiatische Regierungen den Schiffbau strategisch sehen - eine für die europäischen Regierungen der heutigen Zeit völlig ungewohnte Denkweise.

Mittlerweile hat das Reich der Mitte damit begonnen, sich auch auf dem europäischen Werften-Mark nach möglichen Kaufkandidaten umzusehen. Wie Bloomberg berichtet, finden derzeit Gespräche zwischen der CSIC und der kroatischen Regierung über den Verkauf der Werft „Uljanik“ statt. Das 163 Jahre alte Traditions-Unternehmen aus Pula (an der südlichen Spitze der Halbinsel Istrien gelegen) wird seit einiger Zeit bestreikt; Firmen-Chef Emil Bulic sagt, die Werft benötige Investitionen in Höhe von 90 Millionen Euro, um zu überleben. Gespräche zwischen CSIC-Chef Hu Wenming und dem kroatischen Premier-Minister Andrej Plenkovic haben bereits stattgefunden. Eine gute Gelegenheit für China, einen Fuß in die europäische Werftindustrie zu bekommen, zumal das Reich der Mitte im Rahmen der „Neuen Seidenstraße“ bereits eine ganze Reihe von Investitionen in Südost-Europa getätigt hat.

 

Liste der größten Schiffbau-Nationen nach CGT (gewichtete Bruttoraumzahl/ in Millionen):

  • Südkorea (11,7)
  • China (11,36)
  • Japan (6,93)
  • Deutschland (0,41)
  • Vietnam (0,39)
  • USA (0,37)
  • Türkei (0,28)
  • Indonesien (0,20)

[newsletter-signup-telegram][/newsletter-signup-telegram]



DWN
Politik
Politik Geopolitik: Im Iran kommt die Kurden-Karte ins Spiel

In den Kurden-Gebieten des Irans könnte es bald brodeln. Mehrere Anzeichen sprechen für diese These.

DWN
Technologie
Technologie US-Verkehrsbehörde leitet Untersuchung gegen Tesla ein

Aufgrund mehrerer Unfälle, die offenbar durch ein Autopilot-System ausgelöst wurden, hat die US-Verkehrsbehörde eine Untersuchung gegen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Trotz positiver PR-News: Irritationen um den deutschen Schiffbau

Die deutschen Schiffbauer konzentrieren sich schon lange auf den Bau von Nischenprodukten wie Fähren und Luxusschiffe. Denn die Konkurrenz...

DWN
Politik
Politik Geheimdienst-Gipfel in Moskau: Kommt jetzt das Bündnis zwischen Erdogan und Assad?

In Moskau fand ein türkisch-syrischer Geheimdienst-Gipfel statt. Offenbar bahnt sich eine enge Kooperation zwischen der Türkei und Syrien...

DWN
Finanzen
Finanzen Viele Banken werden wegen Blockchain sterben

Wie einst Amazon den Einzelhandel verändert hat, so werde die Blockchain-Technologie vermutlich das Bankensystem verändern, sagt Stephen...

DWN
Politik
Politik Frankreich verlegt Flugzeugträger ins östliche Mittelmeer

Frankreichs Präsident Macron hat die Entsendung eines Flugzeugträgers in das östliche Mittelmeer verkündet. Aus einer Übersicht geht...

DWN
Politik
Politik Lebensarbeitszeit: Massive Unterschiede in Europa

Die massiven Unterschiede bei den erwarteten Lebensarbeitszeiten in der EU und angrenzenden Ländern lassen sich vor allem auf die...

DWN
Deutschland
Deutschland Die deutsche Polizei setzt auf Autos von Volkswagen

Bei der deutschen Polizei kommen vor allem Autos der Marke Volkswagen zum Einsatz. Passat und VW-Bus sind besonders beliebt.

DWN
Politik
Politik Pentagon veröffentlicht neues Strategiepapier zur Eindämmung Russlands auf Europas Energiemarkt

Aus einem Strategiepapier der Pentagon-Denkfabrik Rand geht hervor, wie Russlands Rolle auf dem europäischen Energiemarkt zurückgedrängt...

DWN
Finanzen
Finanzen Kindergeld: Über 370 Millionen Euro fließen ins Ausland

Im Jahr 2018 sind über 370 Millionen Euro an Kindergeld ins EU-Ausland geflossen. Die Kommunen beklagen zahlreiche Betrugsfälle.

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche misstrauen der Geldpolitik, bunkern Bargeld und Gold

Tresorhersteller und Anbieter von Schließfächern verzeichnen eine extreme Nachfrage. Denn in dem Bemühen, ihr Vermögen vor den Folgen...

DWN
Deutschland
Deutschland Wegen Großbritannien: Deutschlands EU-Beitrag steigt um 14 Milliarden Euro

Nach dem Brexit wird Deutschlands EU-Beitrag um jährlich 14 Milliarden Euro auf etwa 39 Milliarden Euro steigen.

DWN
Finanzen
Finanzen Weltgrößter Hedgefonds erwartet neue Rekorde beim Goldpreis

Vor dem aktuellen Hintergrund könnte der Goldpreis bis Ende des Jahres um 30 Prozent steigen, sagt Greg Jensen, Chief Investment Officer...

DWN
Finanzen
Finanzen USA setzen Schweiz auf Watchlist wegen Manipulation des Franken

Die USA haben die Schweiz auf eine Beobachtungsliste von Staaten gesetzt, die sie der Währungsmanipulation beschuldigen, und fordern von...

celtra_fin_Interscroller