OTC-Handel: Wie große Investoren Bitcoins kaufen

 

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05.06.2019 17:17
Der mit Abstand größte Teil der Käufe von Kryptowährungen findet nicht an den zahlreichen Börsen statt, sondern im OTC-Handel.
OTC-Handel: Wie große Investoren Bitcoins kaufen
Miner nutzen in vielen Fällen den OTC-Handel, um ihre geschürften Münzen zu verkaufen. (Foto: AFP)
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Over the Counter (OTC) heißt, dass ein Handelsgeschäft nicht an einer Börse, sondern direkt zwischen zwei interessierten Parteien abgewickelt wird. Solche außerbörslichen Geschäfte sind vor allem dann sinnvoll, wenn die Volumen sehr groß sind.

Außerbörsliche Deals gibt es auch auf den traditionellen Märkten, etwa beim Handel mit Gold, Aktien oder Derivaten. Im Gegensatz zu Börsen ist der OTC-Markt dezentralisiert und hat keinen physischen Standort.

Die Händler müssen dabei nicht unbedingt direkt in den Prozess involviert sein. Stattdessen können sie die Unterstützung von Zwischenhändlern wie Brokern oder OTC-Desks in Anspruch nehmen.

Der OTC-Handel ist auch bei Großkonzernen beliebt. So handeln beispielsweise Nestle, Bayer, Danone und einige andere große Unternehmen ihre Aktien an der OTCQX, einem internationalen Marktplatz für den Handel mit OTC-Aktien.

OTC-Handel mit Kryptowährungen

Auch im Handel mit Kryptowährungen haben OTC-Desks an Popularität gewonnen. So wollen etwa Miner und frühe Investoren große Mengen an Münzen verkaufen. Und viele Großinvestoren wollen große Mengen Kryptowährungen kaufen, ohne Börsen nutzen zu müssen.

Daher haben große Unternehmen der Kryptobranche wie Binance, Coinbase und Circle mitten im Bärenmarkt ihre eigenen OTC-Desks gestartet. Schätzungen zufolge hat der OTC-Handel derzeit ein größeres tägliches Volumen als die großen Börsen.

Laut Digital Assets Research und TABB Group ermöglicht der OTC-Markt im April 2018 täglich 250 Millionen bis 30 Milliarden Dollar an Trades. Die Börsen wickeln im gleichen Zeitraum etwa 15 Milliarden Dollar an täglichen Trades ab, berichtet Cointelegraph.

Wer nutzt den außerbörslichen Handel?

Krypto-Miner, die ihre geschürften Münzen verkaufen, gehören zu den größten OTC-Verkäufern. Doch auch vermögende Anleger, Zahlungsdienstleister und zunehmend Hedgefonds nutzen den außerbörslichen Handel, um Kryptowährungen zu verkaufen.

Auch institutionelle Investoren dürften Interesse daran haben, Kryptowährungen außerhalb großer Börsen zu kaufen. Wie wichtig sie sind, zeigt die Tatsache, dass Huobi, Coinbase und Bithumb ihre OTC-Desks ausschließlich für institutionelle Kunden eingeführt haben.

Wer große Mengen an Kryptowährungen kaufen oder verkaufen will, für den könnte der OTC-Handel die beste Lösung sein. Denn hier bietet sich eine viel größere Liquidität. Zudem sichert der direkte Handel zwischen Käufer und Verkäufer ein gewisses Maß an Anonymität.

Der außerbörsliche Handel hat im Gegensatz zum Börsenhandel kaum Auswirkungen auf den Preis. Wenn man zum Beispiel Tausende Bitcoins an einer Börse verkaufen würde, so könnte dies zu einem erheblichen Preisabsturz führen.

Ab welcher Höhe ist OTC-Handel möglich?

Man muss kein Bitcoin-Wal mit riesigen Beständen sein, um den OTC-Handel nutzen. Zwar haben die großen OTC-Desks erhebliche Mindestbeträge. Doch bei kleineren Unternehmen und Vermittlern kann man auch schon mit geringeren Summen einsteigen.

Wie Cointelegraph berichtet, haben die OTC-Dienste der US-amerikanischen Krypto-Börsen Bittrex und Poloniex ein Mindestvolumen von 250.000 Dollar. Die in Malta ansässige Krypto-Börse Binance akzeptiert an ihrem OTC-Desk nur Transaktionen, die größer als 20 Bitcoin sind (rund 160.000 Dollar).

Die Anforderungen in kleineren Unternehmen und in spezialisierten privaten Chatrooms sind niedriger. Zum Beispiel setzt die Kryptowährungsbörse Changelly, die kürzlich ihren eigenen OTC-Service eingeführt hat, ein Limit von 10 Bitcoin (rund 80.000 Dollar).

Was sind die Risiken des OTC-Handels

Große Summen von Kryptowährung können mitunter aus kriminellen Quellen stammen. Wie ein anonymer Trader Reuters sagte, verzeichnet der OTC-Handel nach einem Hack auf eine Krypto-Börse einen Anstieg der Aktivitäten.

Die Internetforen sind voll mit Geschichten über Betrüger, die naive Händler ausnutzen, falsche Vereinbarungen treffen oder andere Phishing-Techniken einsetzen. Oft kann man Betrug verhindern, indem man alle fragwürdigen Geschäfte storniert.

Darüber hinaus bieten die meisten OTC-Broker keine vertrauenswürdigen Depotlösungen an. Daher nutzen viele Händler Treuhanddienste oder Banktransaktionen, um das Geld zurückgeben zu können, wenn das Geschäft scheitert.

Der OTC-Markt wird voraussichtlich weiter wachsen. Die Branche sucht derzeit nach Möglichkeiten, die Geschäfte sicherer zu machen, um verstärkt institutionelle Investoren anzulocken. So entwickelt Fidelity, der fünftgrößte Vermögensverwalter der Welt, derzeit ein sicheres Lager für die Krypto-Vermögen großer OTC-Unternehmen.

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