Finanzen
Große Konten sollen schrumpfen

Großbank UBS plant negative Zinsen für vermögende Privatkunden

Die UBS ist eine der ersten großen Banken, die nicht nur ihren Firmenkunden, sondern auch Privatkunden negative Zinsen in Rechnung stellt.
01.08.2019 16:21
Lesezeit: 2 min

Die Schweizer Großbank UBS plant, für Konten mit Guthaben von mehr als 2 Millionen Franken einen negativen Zinssatz zu erheben. Sie sieht sich gezwungen, die Kosten der Negativzinsen an ihre Kunden weiterzugeben. Mit diesem Schritt folgt die Bank einer wachsenden Reihe von Kreditgebern in der Schweiz und im Euroraum, obwohl die meisten anderen großen Akteure negative Zinsen bisher nur bei Firmenkunden eingeführt haben.

Zuletzt hatten die Sparkassen in Baden-Württemberg damit gedroht, negative Zinsen auf Kundenkonten einzuführen, falls die EZB an ihrer Niedrigzinspolitik festhält.

Da die EZB voraussichtlich noch auf längere Zeit an negativen Zinsen festhalten wird, erhebt die UBS ab November Gebühren in Höhe von 0,75 Prozent pro Jahr auf Konten mit mehr als 2 Millionen Franken erheben, zitiert die Financial Times drei Insider.

Banken erwarten negative Zinsen auf lange Sicht

Der Schritt zeigt, dass sich Banken in Europa und den USA auf einen längeren Zeitraum mit niedrigeren Zinsen vorbereiten, der ihre Rentabilität gefährdet. Zuvor hatten sie damit gerechnet, dass die Zentralbanker ihre Geldpolitik wieder straffen. "Vor einem Jahr dachte jeder, die Zinsen würden steigen. Jetzt sieht es nicht mehr so aus", so ein leitender UBS-Manager. Noch im Juni prognostizierte die Bank in einer Mitteilung an ihre Kunden, dass der Einlagezins im September auf -1 Prozent fallen könnte.

Im Juni sagte die Schweizerische Nationalbank (SNB), dass sie den Zinssatz auf Einlagen der Geschäftsbanken bei -0,75 Prozent halten wird. Der Zinssatz für Einlagen bei der EZB beträgt seit über drei Jahren -0,4 Prozent.

Die US-Notenbank hingegen hat trotz der Zinssenkung am Mittwoch weiterhin einen positiven Einlagesatz von 2 bis 2,25 Prozent, ebenso die britische Zentralbank mit 0,75 Prozent und die japanische Zentralbank mit 0,3 Prozent.

In der Schweiz haben die UBS-Kundenbetreuer damit begonnen, die bevorstehenden Kosten mit ihren großen Kunden zu besprechen. Einige der kleineren Schweizer Banken wie Julius Bär und Pictet erheben bereits solche Gebühren auf große Bareinlagen. "Wir gehen davon aus, dass diese Niedrigzinsphase noch länger andauern wird und die Banken weiterhin negative Zinsen auf Kundeneinlagen bei Zentralbanken zahlen müssen", sagte UBS.

"Nach ähnlichen Schritten einer Reihe anderer Banken hier in der Schweiz bestätigen wir, dass wir uns entschieden haben, die Gebühren für Barhinterlegungen für in der Schweiz gehaltene Schweizer Franken anzupassen."

Neben UBS erwägt auch Credit Suisse Strafzinsen für Großkunden

Die Ankündigung der UBS kommt, nachdem am Mittwoch bereits die Credit Suisse, der Hauptkonkurrent von UBS, sagte, dass sie darüber nachdenke, eine Abgabe für einige wohlhabende Kunden zu erheben.

"In der Schweiz erwägen wir Maßnahmen bei den Einlagen, um den Druck der negativen Zinsen zu mildern", sagte Tidjane Thiam, Chief Executive der Credit Suisse, während einer Diskussion über die Halbjahresergebnisse der Bank. Es gehe dabei um Personen mit Guthaben "in Millionenhöhe".

UBS-Kunden, die die Gebühren vermeiden wollen, können ihre Guthaben in Sachwerte oder in "treuhänderische Sichteinlagen" (FDCs) umwandeln, die innerhalb von 48 Stunden auf das Hauptkonto des Kunden überwiesen werden können, sagten zwei Insider.

Die FDCs werden bei anderen Banken oder bei UBS-Einheiten mit Sitz im Ausland gehalten, was bedeutet, dass der Kreditgeber keine Strafzinsen an die Schweizerische Nationalbank zahlen muss.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Digitaler Impuls versus reale Werte

Am Montag hat ein einzelner Social-Media-Beitrag von Donald Trump die Finanzmärkte um 1,7 Billionen US-Dollar bewegt – und zwar nicht...

DWN
Politik
Politik Billiger Tanken vor Ostern: Polens Präsident unterzeichnet Spritpreispaket
27.03.2026

Tanken in Polen könnte schon vor Ostern deutlich günstiger werden. Die Regierung in Warschau senkt die Steuerabgaben auf Benzin und...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis unter Druck: Warum Anleger jetzt aus Goldaktien aussteigen
27.03.2026

Der Goldpreis galt lange als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten. Doch jetzt ziehen erste Anleger Gewinne ab und warnen vor einer...

DWN
Finanzen
Finanzen Riester-Rente: Bundestag beschließt Ende der alten Riester-Rente - Sparer profitieren ab 2027
27.03.2026

Die private Altersvorsorge wird zum Jahreswechsel reformiert. In Zukunft gibt es ein Depot, das Investitionen erlaubt und vom Staat...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Krieg löst Container-Chaos aus: Jetzt müssen Spediteure Kriegsgebühr zahlen
27.03.2026

Je länger der Iran-Krieg andauert, desto größer wird der Druck auf die globalen Lieferketten. Scan Global sieht ein reales Risiko, dass...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Start-up Elea: Wie künstliche Intelligenz Ärzte im Krankenhaus-Alltag entlastet
27.03.2026

Drei Stunden täglich verbringen Ärzte im Schnitt mit Bürokratie. Zeit, die für die Versorgung der Patienten fehlt. Die KI-gestützte...

DWN
Politik
Politik Verkehrsministerkonferenz: Bahn, D-Ticket und Führerschein - das sind die Beschlüsse
27.03.2026

Mehr Sicherheit im Bahnverkehr, ein günstigerer Führerschein und neue Preisregeln beim Deutschlandticket: Was wird teurer, was...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Neues Textilgesetz geplant: Hersteller sollen für Altkleider zahlen
27.03.2026

Billigkleidung überschwemmt den Markt. Ein neues Gesetz will Hersteller stärker in die Pflicht nehmen. Doch Umweltschützer sehen darin...