Politik
Milliarden-Projekt

Indonesien baut komplett neue Hauptstadt im Urwald auf

Die Entscheidung ist gefallen. Indonesien bekommt eine neue Hauptstadt im Dschungel von Borneo. Nach fast einem halben Jahrtausend geht die Dominanz von Jakarta zu Ende.
26.08.2019 12:13
Lesezeit: 2 min

Indonesien will im Dschungel der Insel Borneo eine völlig neue Hauptstadt aus dem Boden stampfen. 2024 sollen Regierung und Parlament des 265-Millionen-Einwohner-Landes aus Jakarta in die Nähe der Stadt Balikpapan im Osten von Borneo umziehen. Bislang besteht das dortige Gelände aus dichtem Wald und einigen gerodeten Flächen. Einen Namen hat die neue Hauptstadt noch nicht. Wichtigste Gründe für den Umzug sind das ewige Verkehrschaos in Jakarta und die Sorge, dass die Stadt irgendwann im Meer versinkt.

Über einen solchen Umzug wird seit längerer Zeit spekuliert. Seit Präsident Joko Widodo im größten Inselstaat der Welt wiedergewählt wurde, drückt er nun mächtig aufs Tempo. Dass es von der Insel Java nach Borneo geht, stand schon fest - bislang hatte aber auch zur Debatte gestanden, eine bestehende Stadt auszubauen. Die Wahl des neuen Ortes begründete der Präsident am Montag mit der «strategisch guten Lage». «Das ist im Herzen Indonesiens», sagte Joko. «Das Risiko von Überflutungen, Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüchen ist minimal.»

Das entsprechende Gesetz soll bereits an diesem Dienstag eingebracht werden. Borneo ist die viertgrößte Insel der Welt. Wenn mit dem Umzug tatsächlich 2024 begonnen würde, wäre dies im letzten Jahr von Jokos zweiter Amtszeit. Vorbilder sind Länder wie Brasilien, Pakistan oder Myanmar, die ihre Hauptstädte in den letzten Jahrzehnten ebenfalls verlegt haben - und in gewissem Maße auch die Bundesrepublik mit dem Umzug von Bonn nach Berlin. Aktuell plant auch Ägypten einen Umzug: weg von Kairo, 50 Kilometer weiter in die Wüste.

Für das 1527 gegründete Jakarta (ursprüngliche Bedeutung: «Großer Sieg») geht damit ein halbes Jahrtausend Hauptstadtgeschichte in verschiedenen Reichen zu Ende. Zwischenzeitlich hatten die niederländischen Kolonialherren die Stadt in Batavia umbenannt. Seit 1942 hat sie wieder den alten Namen. Die Mega-City mit ihren mehr als zehn Millionen Einwohnern leidet unter chronischem Verkehrschaos. Tag für Tag gibt es dort extrem lange Staus. Im Großraum Jakarta leben sogar 30 Millionen Menschen.

Außerdem droht die Stadt zu versinken: 40 Prozent ihrer Fläche befindet sich inzwischen unter dem Meeresspiegel. Nach einer Studie des Bandung Institute of Technology könnte 2050 tatsächlich ein Drittel der Stadt im Wasser stehen. Zudem ist Jakarta immer wieder von schweren Erdbeben betroffen.

Die Kosten einer neuen Hauptstadt werden auf umgerechnet bis zu 30 Milliarden Euro geschätzt. Zum Plan gehört, dass Jakarta Finanzmetropole bleibt. Die Regierung hofft auf größere Einnahmen aus dem Verkauf von Immobilien.

Mit mehr als 17 000 Inseln und einer Fläche von 1,9 Millionen Quadratkilometern ist Indonesien der größte Inselstaat der Welt. Von den geschätzt 265 Millionen Einwohnern ist die große Mehrheit islamischen Glaubens. Damit ist Indonesien auch das bevölkerungsreichste muslimische Land. Als Alternative zu der Gegend um Balikpapan hatte bislang die 250 000-Einwohner-Stadt Palangkaraya gegolten, die ebenfalls auf Borneo liegt.

Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Politik
Politik Robert Habeck warnt vor Putins nächster Falle: „Wir dürfen nicht wieder wegsehen“
01.11.2026

Europa hat die Gefahr durch Putin lange unterschätzt. Der frühere Wirtschaftsminister Robert Habeck fürchtet, dass sich dieser Fehler in...

DWN
Unternehmen
Unternehmen US-Logistikkonzern C.H. Robinson verblüfft mit KI-gestütztem Gewinnsprung: So ist das gelungen!
01.11.2026

28 Prozent weniger Mitarbeiter, über 60 Prozent mehr Produktivität und Frachtangebote in nur 31 Sekunden: Der US-Logistikkonzern C.H....

DWN
Technologie
Technologie Millionen Hackerangriffe wegen PHP-Sicherheitslücke: Wie sicher sind Websites noch und was ist zu tun?
01.11.2026

Millionen Hackerangriffe innerhalb weniger Stunden, abgeschaltete Regierungswebsites und eine PHP-Sicherheitslücke, die seit mehr als...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Quantum-Systems-Chef in Litauen: Drohnen kann man nicht im Lager anhäufen, Bedrohungen verändern sich
01.11.2026

Quantum Systems baut seine Präsenz in Litauen aus und wird dort die Bundeswehr-Brigade unterstützen. Produktionspläne hängen jedoch von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kupferpreise auf Rekordhoch: Warum das Kupfermetall knapp wird
01.11.2026

Das Industriemetall ist nicht nur bei Diebesbanden gefragt. Kaum eine Zukunftsbranche kommt ohne den Leiter zurecht. Nach Bewertung der IEA...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Server statt Spielzeug: Playmobil-Werk wird Rechenzentrum
01.11.2026

Die Mutter der bekannten Spielwarenmarke hat die Produktion ins Ausland verlagert. 350 Mitarbeitende verloren dabei ihren Arbeitsplatz....

DWN
Immobilien
Immobilien Preisschock am Bau: Neue KI soll explodierende Materialkosten und Baustopps verhindern
01.11.2026

Kriege, Krisen und explodierende Rohstoffpreise bringen die Baubranche zunehmend unter Druck. Bauprojekte werden teurer, Kalkulationen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Xiaomi-Elektroautos: Warum dieser Milliardär Volkswagen und Tesla gefährlich werden könnte
31.10.2026

Er verkaufte Smartphones, wurde Milliardär und stieg schließlich ins Autogeschäft ein. Mit seinem ersten Elektroauto gelang Xiaomi-Chef...