Finanzen

Deutsche Bank will Millionen-Boni für frühere Vorstände einbehalten

Lesezeit: 1 min
17.11.2016 15:17
Die Deutsche Bank versucht offenbar, Boni in Millionenhöhe einzubehalten, auf die frühere Bankvorstände wie Josef Ackermann und Anshu Jain Anspruch erheben.
Deutsche Bank will Millionen-Boni für frühere Vorstände einbehalten

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Bei der Deutschen Bank liegen Boni in Millionenhöhe auf Eis, berichtet die dpa. Bereits im März hatte die Bank in ihrem Geschäftsbericht für das Jahr 2015 angekündigt, dass noch nicht ausgezahlte variable Vergütungsbestandteile für etliche früher amtierende und ehemalige Top-Manager einbehalten werden sollen.

Betroffen sind demnach elf inzwischen ausgeschiedene Vorstände, darunter die ehemaligen Vorstandschefs Josef Ackermann, Jürgen Fitschen und Anshu Jain. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung  geht es im Falle von Jain um 5,3 Millionen Euro. Bei Ackermann stehen dem Bericht zufolge 3,5 Millionen Euro in Frage. Die gleichen Beträge hatte die Frankfurter Allgemeine Zeitung vor einem Monat genannt.

Die Finanzkrise und milliardenschwere Staatshilfen für die Finanzbranche hatten die Debatte über Millionenboni für Banker angeheizt. Die Deutsche Bank hat inzwischen ihre Bonuspolitik umgestellt. Seit Jahren können Boni für Top-Banker des Hauses auf bis zu fünf Jahre gestreckt werden. Die Zahlungen können auch ganz gestrichen werden, wenn später zum Beispiel auffliegt, dass die Manager gegen Regeln verstoßen haben oder wenn sich ihre Geschäfte auf längere Sicht doch nicht als erfolgreich erweisen.

Davon macht die Bank nun Gebrauch. Bereits ausgezahlte Boni zurückzuholen, ist allerdings in Deutschland weiterhin äußerst schwierig - auch wegen des großzügigen Arbeitsrechts. Ob Konzerne Bonuszahlungen rückwirkend zurückfordern können, muss sich nach Angaben von Arbeitsrechtlern aus dem Vertrag des Managers ergeben. Vom nächsten Jahr an gelten allerdings schärfere Regeln: Die sogenannte Institutsvergütungsverordnung sieht vom 1. Januar an vor, dass Banken auch bereits geflossene Gelder zurückfordern können.

Der aktuelle Deutsche-Bank-Chef John Cryan dürfte das begrüßen. Der Brite sieht allzu große Bonuszahlungen ohnehin kritisch: „Ich denke, dass die Leute in Banken zu viel Geld bekommen“, sagte er vor einem Jahr. Er habe noch nie verstanden, wieso Prämien für die Motivation wichtig seien: „Ich würde nicht einen Tag härter arbeiten, nur weil ich einen Bonus bekomme.“ Cryan äußerte seinerzeit allerdings auch Zweifel, ob nachträgliche Rückforderungen der richtige Weg sind: Es sei besser, einem Kind die Süßigkeiten erst zu geben, wenn es sie wirklich verdient habe. Sie hinterher wegzunehmen, sei praktisch unmöglich und mit viel Theater verbunden.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

 


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Riesenboom für Krypto-Währungen: 350 Millionen PayPal-Nutzer können jetzt mit Bitcoin bezahlen

PayPal hat offiziell bestätigt, dass es Online-Händlern und ihren Kunden ab 2021 Zahlungen mit den vier Kryptowährungen Bitcoin,...

DWN
Politik
Politik EILMELDUNG: Türkisches Schiff nähert sich griechischer Insel, Athen versetzt Marine in "hohe" Alarmbereitschaft

Der Streit im östlichen Mittelmeer zwischen Griechenland und der Türkei droht zu eskalieren.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Renaissance der Kernkraft in Europa: Polen steigt in die Atomenergie ein, Deutschland mit „Energiewende“ isoliert

Während die Bundesregierung aus „klimapolitischen“ Gründen massiv in die Windkraft investiert, startet unser östlicher Nachbar eine...

DWN
Finanzen
Finanzen Derivate - Finanzielle Massenvernichtungswaffe oder wichtige Stütze der Wirtschaft? Teil 1

Die Finanz-Instrumente sind heftig umstritten. Einige sehen sie als notwendige Absicherungs-Vehikel, andere nur als reine...

DWN
Finanzen
Finanzen Serie „So werde ich zum Anleger“: Das Depot

Einsteiger verzweifeln oft, wenn sie in Fonds, ETFs oder Aktien investieren wollen. Wir erklären Ihnen Schritt für Schritt, auf welche...

DWN
Deutschland
Deutschland Neueste Zahlen zeigen extrem niedrige Sterblichkeitsrate bei Corona-Infektionen

Neueste Zahlen des Robert Koch-Instituts sowie der Weltgesundheitsorganisation zeigen eine extrem niedrige Wahrscheinlichkeit, dass...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldman: Wenn Biden die US-Wahlen gewinnt, explodiert der Silberpreis

Im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen am 3. November empfiehlt Goldman Sachs Investoren, sich vom Dollar zu trennen und Silber zu...

DWN
Deutschland
Deutschland Blühende Landschaften: Ostdeutschland entwickelt sich zum Zentrum der europäischen Elektro-Mobilität

Ostdeutschland steht eine glänzende Zukunft bevor: Das sagt die Ökonomin Dalia Marin.

DWN
Finanzen
Finanzen Preise für Strom und Gas ziehen weiter deutlich an

Die Preise für Strom und Gas in Deutschland zählen zu den höchsten weltweit. Ein Ende der Teuerung ist indes nicht abzusehen, wie Daten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Siemens Gamesa zieht mit neuem Großauftrag deutsche Windparkbranche aus der Talsohle

Die deutschen Windpark-Entwickler, die schon länger unter Druck standen, entwickeln sich wieder besser. Während Siemens Gamesa (SG) eine...

DWN
Politik
Politik US-Experten warnen vor Inlands-Terrorismus vor der US-Wahl

Einer Analyse der Pentagon-Denkfabrik RAND zufolge könnte es vor und während der US-Präsidentschaftswahlen zu Terroranschlägen kommen....

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Globale Institutionen: Es droht eine weltweite Nahrungsmittel-Knappheit

Nahrungsmittel werden immer knapper und deshalb immer teurer. Knappheits-Szenarien wurden bereits vor fünf Jahren von globalen...

DWN
Finanzen
Finanzen Türkische Lira markiert neue Allzeit-Tiefstände

Die Entscheidung der Zentralbank, den Leitzins unverändert zu lassen, hat zu einem neuerlichen Einbruch der türkischen Landeswährung...

DWN
Marktbericht
Marktbericht Ständiges Warten aufs neue US-Konjunkturpaket drückt Dax immer weiter in die Verlustzone - heute Blick in die Türkei

Die Woche läuft derzeit an den deutschen Börsen alles andere als gut. So treiben unter anderem die steigenden Corona-Zahlen den Anlegern...