Finanzen

US-Regierung verschärft Bedingungen für ausländischen Airlines

Lesezeit: 3 min
19.12.2016 01:03
Die USA verschärfen die Bedingungen für Kooperationen zwischen US-Airlines und ausländischen Konkurrenten. Kleine Fluggesellschaften könnten profitieren.
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Die US-Regierung erschwert Kooperationen zwischen amerikanischen Fluggesellschaften und ausländischen Konkurrenten. Das Transportministerium gab am Mittwoch bekannt, dass es die Bedingungen für die geplante Zusammenarbeit zwischen der US-amerikanischen Delta Airlines und Mexikos führender Fluggesellschaft Aeromexico verschärfen werde, berichtet das Wall Street Journal.

Bereits vergangenen Monat hatte das Transportministerium American Airlines und der australischen Qantas Airways die für die geplante Zusammenarbeit beantragte Immunität gegenüber Kartellverboten vorenthalten. „Dies markiert einen Wechsel vor dem Hintergrund zweier Jahrzehnte, in denen das Ministerium regelmäßig im Sinn der Zusammenarbeit von Fluggesellschaften entschieden hatte – etwa bei der gemeinsamen Nutzung von Preisen, Reiseplänen und Einnahmen. Eine Sprecherin des Transportministeriums sagte, dass das Ministerium den freien Wettbewerb und die Frage im Auge behalten müsse, ob diese Kooperationen der Allgemeinheit dienen“, schreibt das Wall Street Journal.

Von der Kursänderung profitieren könnten kleinere Fluggesellschaften. Diese hatte in der Vergangenheit starke Lobby-Anstrengungen unternommen, um die Obama-Administration von einer restriktiveren Haltung gegenüber den großen Airlines zu überzeugen. Southwest Airlines hatte beispielsweise häufig beklagt, dass seine geplante Expansion in Mexiko durch Kooperationen der großen Konkurrenten blockiert werde. Neben Southwest Airlines begrüßten auch Hawaiian Holdings und JetBlue Airways die Entscheidung des Transportministeriums.

Auch in Europa ist ein Trend zu mehr Kooperationen und Fusionen erkennbar. So arbeitet die Lufthansa künftig mit dem Erzrivalen Etihad eng zusammen. Der Kranich-Konzern miete nicht nur 38 Jets vom hiesigen Etihad-Partner Air Berlin, sondern führe auf einigen Strecken Gemeinschaftsflüge ein, wie beide Unternehmen am Freitag mitteilten. Dabei müsse es nicht bleiben: „Wir können uns vorstellen, unsere Zusammenarbeit in der Zukunft auf andere Bereiche auszuweiten“, sagte Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr. Konkrete Vorhaben nannte er nicht, doch werden nach Aussagen eines Konzern-Insiders hinter den Kulissen weitere Gemeinschaftsflüge geplant. Die Lufthansa wollte sich dazu nicht äußern. Offiziell sind zunächst sogenannte Codeshares auf vier Strecken beschlossen. Weitere gute Nachrichten gab es von den Piloten, die sich in dem Dauer-Tarifstreit nun doch auf eine Schlichtung einlassen wollen.

Die Avancen der Lufthansa gegenüber einer Staatsairline vom Persischen Golf stellen eine Zeitenwende dar. Bislang gingen die Frankfurter auf Konfrontationskurs zum schnellwachsenden Rivalen und warfen ihm wegen angeblich finanzieller Rückendeckung durch Ölemirate unfairen Wettbewerb vor. Vor einem Jahr etwa forderte Spohr die Politik auf, Golf-Airlines wegen fehlender sozialer und Umweltstandards den Zugang zur EU zu verbieten. Die Betroffenen, also neben Etihad auch Emirates und Qatar Airways, wiesen solche Vorwürfe stets zurück und unterstellten den Kritikern in Europa, sich nicht dem härteren Wettbewerb stellen zu wollen.

Doch nun findet auch Etihad-Chef James Hogan lobende Worte. Lufthansa genieße weltweit hohes Ansehen. „Ich bin sehr glücklich, dass wir in Zukunft zusammenarbeiten werden.“ Nach Aussagen eines Insiders wollte die Fluglinie schon seit Jahren mit der Lufthansa anbandeln, doch verweigerte sich Spohr zunächst. Dem sei es wichtig gewesen, die Lufthansa erst auf Vordermann zu bringen, um mit einem eventuellen Partner auf Augenhöhe zu verhandeln. Mit dem Aufbau des konzerneigenen Billigfliegers Eurowings auf bald 180 Flugzeuge sei das Traditionsunternehmen aus Sicht des Managements wieder handlungsfähig, sagte der Konzernkenner. Doch ganz freiwillig ging auch Etihad nicht auf Partnersuche: Die Besitzer der Airline, die Herrscherfamilie von Abu Dhabi, achtet wegen der niedrigen Ölpreise mehr auf das Geld. Allein den angeschlagene Partner Air Berlin musste mit über einer Milliarde Euro gestützt werden. Etihad hält knapp 30 Prozent an den Berlinern.

Als nächstes planen Lufthansa und Etihad Gemeinschaftsflüge auf noch mehr Strecken als nun bekanntgegeben, sagte eine mit der Situation vertraute Person zu Reuters. Etihad sei prinzipiell an einer Ausweitung der Codeshare-Flüge interessiert, da die Landerechte in Europa für die Airline begrenzt seien. Neu sind gemeinsame Flüge auf den Strecken von Frankfurt nach Rio de Janeiro und nach Bogota sowie von Abu Dhabi nach München und Frankfurt vereinbart worden. Letzteres ist pikant, da die Lufthansa genau die Verbindung vor zwei Jahren einstellte. Begründung damals waren „die massiven Überkapazitäten wegen subventionierter Golf-Carrier“. Die neue Codeshare-Abmachungen schade der Lufthansa wegen ihrer begrenzten Reichweite nicht, sagte Luftfahrt-Analystin Ruxandra Haradau-Döser vom Broker Kepler Chevreux. Viel mehr sei sie eine Gegenleistung an Etihad, um Zugriff auf die Teile der Flotte von Air Berlin zu bekommen.

Und das ist der zweite Teil des Deals: Lufthansa mietet 38 Flugzeuge samt Crews von Air Berlin. Fünf davon gehen an die Tochter Austrian, 33 an die konzerneigene Billigfluglinie Eurowings. Der Ende September angekündigte Deal sei nun unterzeichnet worden, teilten beide Unternehmen mit. Die ersten Flugzeuge sollten Anfang Februar an Eurowings gehen. Der Vertrag gelte sechs Jahre. Der Lufthansa-Ableger will damit schneller wachsen. Die schwer angeschlagene Air Berlin zieht sich aus dem Geschäft mit Feriengästen weitgehend zurück, um sich auf Langstrecken zu konzentrieren.

Unterdessen kündigte die Piloten-Gewerkschaft Cockpit an, ihre Streiks für sechs Wochen auszusetzen und unter der Leitung eines Schlichters mit der größten deutsche Fluglinie verhandeln zu wollen. Die Schlichtung soll bis Ende Januar abgeschlossen sein. Sie äußerten sich allerdings nicht dazu, wer ab Anfang Januar vermitteln soll. „Nur am Verhandlungstisch können wir Lösungen finden, die für Mitarbeiter und Unternehmen Perspektiven bieten“, sagte Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens.


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