Finanzen

Börsen merkwürdig passiv: „Die Ruhe vor mehreren Stürmen“

Lesezeit: 3 min
18.01.2017 15:27
Anleger in aller Welt sind verunsichert. Langsam wird ihnen klar, dass Donald Trump und die Briten nicht mehr nach den alten Regeln spielen wollen.
Börsen merkwürdig passiv: „Die Ruhe vor mehreren Stürmen“

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Wegen der unklaren Aussichten für die Weltwirtschaft haben sich am Mittwoch nur wenige Anleger an Aktien herangetraut. "Es ist wie die Ruhe vor gleich mehreren Stürmen", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners der Nachrichtenagentur Reuters. "Ab Freitag hat Donald Trump die Möglichkeit, seinen Ankündigungen Taten folgen zu lassen. Seit gestern ist klar, dass Großbritannien Kurs auf einen harten Brexit nimmt."

Die Anleger blicken mit Interesse auf eine Rede der US-Notenbankchefin Janet Yellen am Abend (MEZ). Von ihr erhoffen sie sich neue Einsichten in die Geldpolitik der Fed. Vor diesem Hintergrund stagnierten Dax und EuroStoxx50 bei 11.557 und 3282 Punkten.

Yellen muss eigentlich die Zinsen erhöhen, weil die Inflation überraschend stark gestiegen ist. Doch die Wirtschaftspolitik der neuen US-Regierung verlangt einen weichen Dollar.

Am Freitag wird Trump als 45. US-Präsident vereidigt. Sein Wirtschaftsprogramm wird allen Nationen eine gute Kondition abverlangen: Trump will in den USA Arbeitsplätze schaffen, Strafzölle einführen und die globalen Player durch niedrige Steuern anlocken. Trump hatte dem Wall Street Journal gesagt, dass der Dollar zu stark sei.

In eine ähnliche Richtung wie Trump gehen auch die Briten: Premierministerin Theresa May hatte am Dienstag ihre Positionen für die Brexit-Verhandlungen dargelegt. "Austritt aus der EU gepaart mit einem geplanten Abschluss eines Freihandelsabkommens klingt ein wenig nach der Quadratur des Kreises", urteilten die Analysten der Essener National-Bank.

Bei Lichte betrachte handelt es sich eher um eine Crash-Strategie. Die Briten haben die EU überrumpelt und bekommen von der FT und von Open Europe bescheinigt, dass sie einen doch sehr stringenten Plan verfolgen. Selbst der Economist, der noch vor einigen Tagen über "Theresa Maybe" gespottet hatte, räumt ein, dass der harte Brexit von May schlüssig erläutert wurde. Zudem ist die EU wie zu erwarten gespalten: Der polnische EU-Präsident Donald Tusk sagte, nach der Rede könnte die Verhandlungen beginnen. Die EU-Kommission will erst bei Eintreffen des Artikel 50-Briefs, also im März mit den Verhandlungen beginnen. Tatsächlich wird der harte Brexit die einzelnen Staaten dazu bringen, ihre Interessen zuerst zu sehen - was die Position der EU-Kommission fast zu einer "mission impossible" macht. Immerhin: EU-Präsident Juncker sagte am Mittwoch, die EU wolle den Briten gerne einen fairen Deal zugestehen, bestehe aber auch einem fairen Deal für sich selbst. Das Problem: In der EU verstehen nicht alle dasselbe unter Fairness. Juncker ist der Garant für Steueroasen, Deutschland und Frankreich wollen das nicht, Italien und Spanien können das wegen der hohen Arbeitslosigkeit nicht finanzieren.

Verwerfungen sind also programmiert. Daher machten Devisenanleger am Mittwoch schon mal den Anfang und drückten das Pfund Sterling 1,1 Prozent ins Minus auf 1,2273 Dollar. Am Dienstag hatte die britische Währung dank der zunächst positiv aufgenommenen May-Rede 3,1 Prozent zugelegt - so viel wie zuletzt vor 24 Jahren. Auch beim Euro nahmen Investoren Gewinne mit. Die Gemeinschaftswährung verbilligte sich um etwa einen Viertel US-Cent auf 1,0667 Dollar.

Bei den Unternehmen stand die Deutsche Bank erneut im Rampenlicht. Das Institut muss wegen Tricksereien am US-Immobilienmarkt 7,2 Milliarden Dollar zahlen - mehr als andere Banken, denen ähnliche Verstöße vorgeworfen wurden. Die Eckpunkte des Vergleichs und die Höhe der Belastungen waren allerdings schon bekannt. Daher pendelte die Aktie um ihren Schlusskurs vom Dienstag und notierte am Nachmittag 0,6 Prozent im Minus.

Mit Schulterzucken quittierten Investoren an der Wall Street die Quartalsergebnisse von Goldman Sachs. Die Aktien der US-Investmentbank lagen im vorbörslichen US-Geschäft 0,3 Prozent im Plus, obwohl des Institut dank eines florierenden Anleihehandels den Gewinn überraschend stark auf 2,15 Milliarden Dollar fast vervierfachte. Konkurrent Morgan Stanley hatte im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren noch besser abgeschnitten.

Citigroup legte ein Quartalsergebnis im Rahmen der Markterwartungen vor. Ihre Aktien notierten vorbörslich 0,7 Prozent tiefer.

In London verbuchten Pearson dagegen den größten Kurssturz der Firmengeschichte. Nachdem der Traditionsverlag die Gewinnziele für 2017 und 2018 kassiert und die Dividende gekürzt hatte, brachen seine Aktien um mehr als 30 Prozent ein. Mit 561,5 Pence waren sie so billig wie zuletzt vor gut acht Jahren. "Unser Argument ist und bleibt, dass für Investoren nicht absehbar ist, wie diese Firma in fünf Jahren aussehen wird", urteilte Gary Paulin, Aktien-Chef des Vermögensverwalters Northern Trust.

Burberry legten dagegen um 2,8 Prozent zu. Dank eines starken Weihnachtsgeschäfts steigerte die für ihre Karomuster bekannte britische Modefirma ihren Umsatz im abgelaufenen Quartal um überraschend starke drei Prozent. Diese Zahlen gaben Börsianern zufolge auch dem Konkurrenten Hugo Boss Auftrieb. Dessen Aktien legten im deutschen Nebenwerte-Index MDax 3,4 Prozent zu.

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