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Volkswagen schließt Übernahme durch FiatChrysler nicht mehr aus

Lesezeit: 3 min
14.03.2017 15:38
Die Kernmarke Volkswagen bereitet dem Automobilhersteller Sorgen: Die Rendite der Kernmarke fällt unter zwei Prozent. Daher ist VW plötzlich auch offen für eine Fusion mit Fiat.
Volkswagen schließt Übernahme durch FiatChrysler nicht mehr aus

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Konzernchef Mattias Müller hat im Hinblick auf Übernahme-Fantasien durch Fiat laut Reuters eine überraschende Kehrtwende vollzogen. mit Blick auf Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss mit Fiat Chrysler. „Es wäre sehr hilfreich, wenn Herr Marchionne seine Überlegungen auch mir mitteilen würde und nicht nur Ihnen“, sagte er am Rande der Bilanzpressekonferenz. Fiat-Chrysler-Boss Sergio Marchionne hatte eine Übernahme von Fiat durch Volkswagen ins Gespräch gebracht – kurz nachdem der Verkauf von Opel durch General Motors an Peugeot bekanntgegeben worden war. Noch in der vergangenen Woche, auf dem Genfer Autosalon, hatte Volkswagen-Chef Müller daraufhin betont: „Ich bin für nichts gesprächsbereit, ich kümmere mich um VW, ich kümmere mich doch nicht um Fiat.“ VW habe derzeit andere Sorgen als Übernahmen. Auch jetzt machte Müller deutlich, dass sein Haus einen Zukauf nicht zwingend brauche: „Ich bin ganz zuversichtlich, was die Zukunft von Volkswagen betrifft – mit oder ohne Herrn Marchionne.“

Nach überstandener Dieselkrise in den USA will Volkswagen mit Elektroautos wieder in die Offensive kommen. An einem ruckfreien Neustart wird der Konzern jedoch durch die renditeschwache Hauptmarke VW gehindert, die für fast die Hälfte des Umsatzes steht. Bei ihr brach der um Sondereffekte bereinigte Betriebsgewinn im abgelaufenen Jahr um elf Prozent auf 1,9 Milliarden Euro ein. Die Rendite fiel unter zwei Prozent – im Vergleich zu anderen Massenherstellern wie Toyota, Peugeot und Renault liegt VW damit deutlich zurück. Markenchef Herbert Diess zeigte sich am Dienstag bei der Bilanzpräsentation dennoch zuversichtlich, dass der Umbau gelingt: „2017 wird für die Marke ein sehr anspruchsvolles, aber auch ein sehr erfolgreiches Jahr.“ Börsianer sind da skeptischer. Die VW-Aktie gehörte zeitweise zu den größten Verlierern im Dax.

Volkswagen schwenke zwar rechtzeitig in Richtung Elektromobilität um, sagte ein Aktienhändler, allerdings werde der Konzern wohl nicht so durchstarten, wie erhofft. „Die Marke VW hinkt immer noch hinterher. Außerdem gibt noch die Querelen in der Führungsspitze, weil Diess VW für einige offenbar zu aggressiv umbauen will.“ Der ehemalige BMW-Manager hielt dem entgegen, ihm mangele es bei Volkswagen nicht an Unterstützung. „Ich glaube, ich habe eine gute Rückendeckung, wenn ich in den Kollegenkreis gucke“, sagte Diess mit Blick auf den versammelten Konzernvorstand auf dem Podium. Auch bei den „Stakeholdern“ nehme die Unterstützung zu.

Diess hatte im vorigen Jahr nach monatelangem Ringen mit dem Betriebsrat einen Zukunftspakt ausgehandelt, mit dem die Marke VW ihre chronisch niedrige operative Rendite bis 2020 auf vier Prozent verdoppeln soll. Der Pakt sieht einen massiven Stellenabbau vor, der aber sozialverträglich über Fluktuation und Altersteilzeit abgewickelt werden soll. Streit gab es unlängst, weil der Betriebsrat Diess öffentlich vorwarf, sich nicht an die Vereinbarung zu halten und mehr Leiharbeiter abbauen zu wollen als geplant. Diess betonte nun, der Umbau von Volkswagen sei richtig und wichtig. „Es geht nicht nur um Mitarbeiteraufbau in Zukunftsfeldern, sondern es geht auch um eine dramatische Produktivitätssteigerung und Mitarbeiterabbau.“ Die ersten Wochen der Umsetzung des Zukunftspakts seien spannungsvoll gewesen und „an der einen oder anderen Stelle etwas holperig“. Er nehme den Betriebsrat jedoch so wahr, dass auch er zu den Zielen stehe.

Auch Konzernchef Matthias Müller glaubt, dass die Neuausrichtung gelingen kann. „Wir haben 2016 die Weichen gestellt für die größte Transformation in der Geschichte dieses Unternehmens – und dabei operativ besser abgeschnitten als viele uns das zugetraut hätten.“ Der Konzern sei finanziell gerüstet, um die Folgen der Dieselkrise zu tragen. Im vergangenen Jahr hatte Volkswagen mit seinen zwölf Marken trotz weiterer Belastungen durch die Dieselaffäre einen Betriebsgewinn von 7,1 Milliarden Euro eingefahren. Vor Sonderlasten verbuchten die Wolfsburger ein operatives Ergebnis von 14,6 Milliarden Euro, eine neue Bestmarke. Die bereinigte operative Rendite lag bei 6,7 Prozent und damit im Mittelfeld der Konkurrenz. Der Netto-Gewinn des Wolfsburger Konzerns lag bei 5,1 Milliarden Euro, nachdem im vorangegangenen Jahr noch tiefrote Zahlen zu Buche gestanden hatten.

Der inzwischen weltgrößte Autokonzern plant in diesem und im nächsten Jahr zehn Modelle mit Elektroantrieb und will bis 2025 mehr als 30 neue, rein batteriegetriebene Fahrzeuge auf die Straße bringen. Gleichzeitig arbeiten die Niedersachsen mit Hochdruck an der Entwicklung von selbstfahrenden Autos. Der Umbau des Automobilgeschäfts laufe planmäßig, das neue Geschäftsfeld für Mobilitätsdienste nehme Gestalt an. Der Umschwung verschlingt viel Geld. Allein für die Transformation des Kerngeschäfts und den Aufbau neuer Mobilitätsdienste veranschlagt der Konzern bis 2025 einen zweistelligen Milliardenbetrag. Auch für die Aufarbeitung der Dieselkrise sind Milliardensummen nötig. Bisher hat Volkswagen dafür 22,6 Milliarden zurückgestellt – und noch ist nicht absehbar, ob der Konzern Dieselbesitzern und Anlegern in Europa Schadensersatz zahlen muss. Finanzvorstand Frank Witter machte klar, dass die Nettoliquidität dieses Jahr zeitweise unter die Marke von 20 Milliarden Euro sinken könne.

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