Finanzen

Nach Wahl in Großbritannien: Kurse an Europas Börsen steigen

Lesezeit: 2 min
09.06.2017 14:40
Die Anleger haben am Freitag gelassen auf die politische Unsicherheit aufgrund der Unterhauswahl in Großbritannien reagiert. Das Pfund könnte allerdings auf Dauer geschwächt werden.
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Nach der Wahlpleite für die britische Premierministerin Theresa May ist der befürchtete Börsencrash ausgeblieben. Zwar rutschte das Pfund Sterling am Freitag um bis zu 2,4 Prozent auf ein Zwei-Monats-Tief von 1,2635 Dollar ab. Die Aktienmärkte nahmen dagegen Kurs auf ihre bisherigen Rekordhochs. Hier überwog die Hoffnung, dass die geplante Scheidung Großbritanniens von der EU friedlich ausfällt - oder beide am Ende gar doch zusammenbleiben. „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Exit vom Brexit eintritt, liegt nach meiner Meinung jetzt bei 60 Prozent mit zunehmender Tendenz“, sagte Folker Hellmeyer, Chef-Analyst der Bremer Landesbank.

Der Dax lag 0,6 Prozent im Plus bei 12.795 Punkten, der EuroStoxx50 gewann 0,5 Prozent auf 3581 Zähler. Der Londoner Leitindex FTSE 100 nahm zunächst Kurs auf sein Rekordhoch und legte bis zu 1,3 Prozent zu, im Verlauf schmolz das Kursplus ab auf aktuell 0,7 Prozent bei 7500 Punkten.

May hat die von ihr vorgezogene Unterhauswahl verloren und steht nun wenige Tage vor dem offiziellen Verhandlungsbeginn für den Brexit vor einem politischen Patt. Ihre Konservative Partei büßte die absolute Mehrheit ein, die sie eigentlich mit der Abstimmung am Donnerstag ausbauen wollte. „Der harte Brexit wurde gestern abgewählt“, sagte Commerzbank-Ökonom Peter Dixon. „Damit ist eine Einigung mit der EU auf längere Sicht wahrscheinlicher geworden. Deshalb halten sich die Verluste des britischen Pfunds in Grenzen.“ Als die Briten im Juni 2016 für den Brexit gestimmt hatten, war das Pfund um elf Prozent abgestürzt.

Unter Experten herrschte Uneinigkeit, wohin die Reise für die britische Währung nun geht. „Es gibt so viele Variablen, dass das Pfund in den nächsten Tagen sogar steigen könnte, da die Wahrscheinlichkeit eines sanften und angenehmeren Brexit steigt“, sagte Richard Berry, Gründer des Brokerhauses Berry FX. Dagegen hält Chef-Investmentstratege Salman Ahmed vom Fondsmanager Lombard Odier eine Abschwächung auf 1,25 Dollar für möglich. Die Analysten der Commerzbank gehen davon aus, dass es für das Pfund erst wieder aufwärtsgeht, wenn es Klarheit über die Regierungsbildung gibt.

Im Vergleich zum Euro hat sich das Pfund seit April von etwa 0,84 Pfund auf aktuell fast 0,88 Pfund für den Euro verbilligt.

Aktionären zufolge türmen sich schwierige Aufgaben vor May, die dennoch im Amt bleiben will. Nach einem Treffen mit der Queen betonte die Tory-Chefin, die neue Regierung werde das Land durch die Brexit-Verhandlungen mit der Europäischen Union führen. Dabei würden die Tories mit der nordirischen Partei Democratic Unionists zusammenarbeiten.

Wirtschaftsvertreter rechnen mit steigenden Unsicherheiten für deutsche Unternehmen, die eng mit den britischen Firmen verbunden sind. „Großbritannien wird einen hohen wirtschaftlichen Preis für die Brexit-Entscheidung zahlen, welcher sich durch die Wahlen weiter vergrößern wird“, sagte der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Michael Fratzscher. Volkswirt Hellmeyer von der Bremer Landesbank sieht dunkle Wolken am Horizont für die britische Wirtschaft. „Für den Investitionsstandort Großbritannien ist dieses Wahlergebnis ein Katalysator für Zurückhaltung.“ Das Vereinigte Königreich ist für Deutschland der drittgrößte Exportmarkt.

Zu den größten Verlierern an der Londoner Börse gehörten die Aktien von Banken, weil sie besonders von einer möglichen Konjunktureintrübung betroffen wären. Lloyds, Royal Bank of Scotland und Barclays büßten bis zu 2,5 Prozent ein.

Auch britische Luftfahrt- und Tourismuswerte flogen aus den Depots. Thomas Cook, Easyjet und die British-Airways-Mutter IAG verloren rund ein Prozent. Die Papiere der Rivalen Lufthansa und Air France-KLM stiegen dagegen auf ihre höchsten Stände seit drei Jahren.

Von den Wahlen unbeeindruckt zeigten sich die US-Aktienmärkte: Im vorbörslichen Handel traten Dow Jones & Co auf der Stelle.

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