Politik

Winterkorn in den USA wegen Abgas-Skandals angeklagt

Lesezeit: 2 min
04.05.2018 00:27
Der frühere Volkswagenchef Martin Winterkorn ist in den USA wegen des Abgasskandals angeklagt worden.
Winterkorn in den USA wegen Abgas-Skandals angeklagt

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
USA  
Diesel  
Autobauer  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Daniel Jahn von der AFP berichtet:

Der frühere Volkswagenchef Martin Winterkorn ist in den USA wegen des Abgasskandals angeklagt worden. In der am Donnerstag veröffentlichten Anklage durch ein Geschworenengremium im Bundesstaat Michigan wird dem 70-Jährigen wegen der Manipulation von Emissionswerten bei Dieselfahrzeugen unter anderem Verschwörung zum Betrug an den Vereinigten Staaten vorgeworfen. Damit hat die juristische Aufarbeitung des Skandals in den USA erstmals die oberste Konzernebene erreicht.

Der Anklage zufolge habe sich das "Komplott" zum Umgehen der US-Gesetze über "den ganzen Weg bis zur Spitze des Unternehmens" erstreckt, erklärte US-Justizminister Jeff Sessions. "Wenn Du die Vereinigten Staaten zu betrügen versuchst, dann wirst Du einen hohen Preis zahlen", warnte er.

Winterkorn werden Gesetzesverstöße in vier Punkten angelastet. Neben Hintergehung der US-Behörden beziehen sie sich auf die mutmaßlich betrügerische Verwendung von Telekommunikationsmitteln. Zusammen mit ihm wurden noch fünf weitere VW-Manager angeklagt.

Sie alle hätten "bewusst und absichtlich Betrug begangen", um die US-Abgasvorschriften zu umgehen, heißt es in der Anklageschrift. Winterkorn wird vorgeworfen, bereits im Mai 2014 in einem internen Memo über den Einsatz einer Software zur Manipulation der Messwerte von Stickoxiden informiert worden zu sein.

Bei einer Krisensitzung der Konzernspitze in der Wolfsburger Unternehmenszentrale im Juli 2015 sei er dann erneut mit Fakten zu den Tricksereien konfrontiert worden. Trotz der Hinweise durch seine Mitarbeiter habe sich Winterkorn beide Male entschieden, die Betrügereien fortzusetzen.

Volkswagen hatte erst im September 2015 unter dem Druck der US-Behörden zugegeben, weltweit in rund elf Millionen Dieselwagen unterschiedlicher Marken die illegale Software eingebaut zu haben. Sie verringert den Ausstoß der Stickoxide bei standardisierten Tests, nicht aber im Normalbetrieb auf der Straße.

Winterkorn trat kurz nach diesem Eingeständnis zurück. Er hat jedoch stets bestritten, von den Betrügereien frühzeitig erfahren zu haben – so auch bei seiner Vernehmung durch den Untersuchungsausschuss des Bundestages im Januar 2017.

Die Anklage in den USA dürfte für ihn jedoch voraussichtlich keine unmittelbaren Folgen haben – außer für seine Reisepläne. Denn Deutschland liefert seine Staatsbürger nicht an andere Länder aus, in ihrem Heimatland befinden sie sich also außerhalb des Zugriffs der US-Justiz.

Verurteilt wurden in den USA wegen des Dieselskandals bislang nur zwei frühere VW-Mitarbeiter. Gegen Oliver S., einen Manager der mittleren Hierarchieebene, wurde im Dezember eine siebenjährige Haftstrafe verhängt. Er war während eines Winterurlaubs im Bundesstaat Florida festgenommen worden.

Durch ein Schuldeingeständnis und seine Kooperation mit der Justiz entging S. einer noch härteren Strafe. Zuvor war im August der ehemalige VW-Ingenieur James L., ebenfalls ein deutscher Staatsbürger, zu 40 Monaten Haft verurteilt worden.

Strafrechtliche Ermittlungen gegen den Gesamtkonzern konnte Volkswagen im vergangenen Jahr durch einen Vergleich mit dem US-Justizministerium beenden. Im Rahmen dieser Vereinbarung willigten die Wolfsburger in die Zahlung von 2,8 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) ein. Insgesamt belaufen sich die von Volkswagen im Zuge der Aufarbeitung des Skandals ausgehandelten Entschädigungen und Strafzahlungen in den USA auf mehr als 22 Milliarden Dollar.

***

Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung. Bitte unterstützen Sie die Unabhängigkeit der DWN mit einem Abonnement:

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, werden Sie von uns benachrichtigt und können dann das Abo auswählen, dass am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Gaddafi: Die Flüchtlinge nach Europa sind das Resultat von Kolonialismus und Diebstahl

Im Jahr 2009 hielt der damalige libysche Präsident Muammar al-Gaddafi eine Rede vor der UN. Er sagte, dass die Afrikaner nach Europa...

DWN
Politik
Politik Verfehlte Strategie: Die Nato geht gegen Russland vor - während China sich anschickt, die Welt zu beherrschen

Die große Grundsatz-Analyse von DWN-Kolumnist Ronald Barazon: Die Nato positioniert sich gegen Russland, ganz so, als sei der Kalte Krieg...

DWN
Deutschland
Deutschland Vor EM-Spiel gegen Portugal: Effenberg beklagt Mangel von Weltklasse-Mittelstürmern in Deutschland

Der frühere Fußball-Nationalspieler Stefan Effenberg hat den Mangel von Weltklasse-Mittelstürmern als „größtes Problem des deutschen...

DWN
Finanzen
Finanzen Der Weltraum wird privat und eröffnet Anlegern neue Chancen

Privatunternehmen drängen in den Kosmos. Prominente Vorreiter wie SpaceX und Blue Origin bringen Satelliten ins All, versorgen die...

DWN
Technologie
Technologie Sächsische Wissenschaftler stellen aus Meeres-Schwamm Abwasserfilter her

Wissenschaftler der TU Bergakademie Freiberg haben ein ganz besonderen Werkstoff hergestellt, der bisher kaum denkbar schien.

DWN
Politik
Politik In den letzten 500 Jahren ist die Weltbevölkerung stetig gewachsen

In den letzten 500 Jahren ist die Bevölkerung stetig gewachsen. Das bedeutet, dass es in der gesamten Geschichte des modernen...

DWN
Politik
Politik Lauterbach: „Grillfleisch verursacht 10x so viele Treibhausgase wie vegetarische Alternativen“

Werden die Deutschen psychologisch auf einen Klima-Lockdown vorbereitet? Der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach meint: „Grillfleisch...

DWN
Deutschland
Deutschland Maschinenbau-Präsident wünscht starke Grüne in nächster Bundesregierung

Der Präsident des zweitgrößten deutschen Industriebranchenverbands hat sich für eine Jamaika-Koalition mit starker grüner Beteiligung...