Finanzen

Russland und Indien wollen bei Waffen-Geschäften Dollar vermeiden

Lesezeit: 2 min
20.06.2018 01:09
Russland und Indien gehen dazu über, bei Rüstungsgeschäften künftig nicht mehr den Dollar zu nutzen. Mit diesem Schritt wollen sie die US-Sanktionen umgehen.
Russland und Indien wollen bei Waffen-Geschäften Dollar vermeiden

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Russland und Indien versuchen, die US-Sanktionen zu umgehen, indem sie künftig die Rupie und den Rubel nutzen werden, berichtet The Economic Times. Weltweit werden Rüstungsverträge hauptsächlich in Dollar abgewickelt.

Indien ist einer der größten Käufer von militärischer Ausrüstung aus Russland. Seit den 1960er Jahren haben die Länder Militär-Verträge im Wert von 65 Milliarden Dollar unterzeichnet.

Indien ist bereit, das russische Luftverteidigungssystem S400 für fünf Milliarden Dollar zu erwerben. Die US-Regierung ist gegen diesen Deal.

Die Länder hatten zuvor verschiedene Möglichkeiten zur Umgehung der US-Sanktionen diskutiert, einschließlich der Zahlung in Drittwährungen wie dem Singapur-Dollar. Es werden Gespräche zwischen der Vijaya Bank und der Indian Bank auf der indischen Seite und der Sberbank auf der russischen Seite geführt.

Zu den weiteren Optionen, die geprüft werden, zählen Zahlungen an nicht sanktionierte Unternehmen in Russland, nachdem der russische Rüstungsbauer Rosoboronexport vom US-amerikanischen Office of Foreign Assets Control (OFAC) sanktioniert wurde.

US-Sanktionen verbieten Geschäftsbeziehungen mit Unternehmen, die als “Specially Designated Nationals” (SDN) bezeichnet werden. Im April 2018 wurden indische Banken vom OFCA unter Druck gesetzt, damit sie alle Kreditlinien (LoCs) an russische Rüstungsunternehmen einfrieren, was dazu führte, dass alle Geschäfte eingestellt wurden. Seit April konnten keine Vertrags-Zahlungen mehr getätigt werden. Zahlungen im Wert von über 100 Millionen US-Dollar wurden in weniger als einem Monat blockiert. Ebenfalls betroffen sind laufende U-Boot-Reparaturen sowie der Kauf von Raketen und Munition.

Indien verfügt über neun U-Boote, einen Flugzeugträger, fünf Lenkwaffenzerstörer, sechs Lenkflugkörper-Fregatten, vier Minen-Schiffe und ein Öl-Tank-Schiff russischen Fabrikats, berichtet Global Security. Das Land verfügt über die fünftgrößte Marine der Welt.

Die USA versuchen seit geraumer Zeit, Indien zu einem wichtigen Absatzmarkt für US-Rüstungsgüter zu gewinnen. Die New York Times berichtet: “Die USA haben versucht, Indien als strategischen Verbündeten und als Absicherung gegen die militärische Expansion Chinas zu kultivieren (...) Lockheed Martin bot im vergangenen Sommer an, die Produktion von F-16 Kampfflugzeugen von Texas nach Indien zu verlegen, wenn Indien dem Kauf des Flugzeugs zustimmen würde.”

“In den vergangenen Jahren haben sie (die Inder, Anm. d. Red.) einen massiven Übergang erlebt, bei dem mehr Ausrüstung aus den USA gekauft wird. Das liegt daran, dass die USA eine engere Beziehung zu Indien anstreben und Verteidigungsabkommen im Wesentlichen diplomatische Abkommen sind (...) Mein Verdacht ist, dass Amerika den S-400-Kauf nicht als sanktionswürdig betrachten wird (...) Für die bilateralen Beziehungen steht zu viel auf dem Spiel. Wenn die USA Sanktionen verhängen, wird das den guten Willen (der Inder, Anm. d. Red.) unterminieren, den die USA in den vergangenen zwei Jahrzehnten aufgebaut haben”, so Shailesh Kumar, Asien-Direktor bei der Eurasia Group.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Technologie
Technologie China liefert größtes Containerschiff der Welt aus – nach Taiwan

Der bisherige Rekordhalter muss damit seinen Platz als Spitzenreiter räumen.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Energiekrise: Deutschland muss zittern - aber Russland mindestens genauso

Während Russland den Europäern schrittweise den Gashahn zudreht, ist der Kreml gezwungen, sich neue Absatzmärkte zu eröffnen. Aber das...

DWN
Finanzen
Finanzen Sanktionen hindern Russland, Anleihezinsen zu bezahlen - erste Gläubiger betroffen

Den Ausschluss Russlands aus westlichen Finanztransaktionssystemen bekommen die ersten Investoren zu spüren.

DWN
Deutschland
Deutschland Experte: Steigende Corona-Inzidenzen sind irrelevant

Die derzeit steigenden Infektionszahlen sieht ein Gesundheitsexperte gelassen. Minister Lauterbach warnt vor einer „Sommerwelle“.

DWN
Politik
Politik G7-Gipfel verhängt weitere Sanktionen gegen Russland - keine Einigung bei Öl und Gold

Unter der Leitung der US-Regierung wird das Sanktionsregime gegen Russland ausgeweitet. Auf wichtigen Feldern besteht aber weiterhin...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Das WEF als Selbstbedienungsladen: Die Nebengeschäfte des Klaus Schwab

DWN-Kolumnist Ernst Wolff zeigt auf: Der Chef des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, ist ein umtriebiger Geschäftsmann.

DWN
Finanzen
Finanzen Was können wir vom Schweizer Rentensystem lernen?

Für die deutsche Altersvorsorge sieht es düster aus. Das belegen Statistiken mittlerweile zu hunderten. Vielleicht hilft ein Blick zu...

DWN
Deutschland
Deutschland KREISS PRANGERT AN: Mehr als 400 Milliarden Euro wandern in die falschen Taschen

DWN-Autor Christian Kreiss stellt höhere Steuern und Enteignungen zur Diskussion.