Deutschland

Aufstockung von Supermärkten und Bürokomplexen löst Wohnungsnot

Lesezeit: 1 min
27.02.2019 15:00
Durch die Bebauung von Bürokomplexen und Supermärkten könnten in Deutschland hunderttausende Wohnungen ohne neuen Platzbedarf entstehen.
Aufstockung von Supermärkten und Bürokomplexen löst Wohnungsnot

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Büros, Parkhäuser, Ämter und Supermärkte bieten einer neuen Studie zufolge Platz für hunderttausende Wohnungen. Laut der am Mittwoch in Berlin vorgestellten Untersuchung der TU Darmstadt und des Pestel-Instituts könnten allein durch die Dachaufstockung von Bürokomplexen und Verwaltungsgebäuden bundesweit 560.000 Wohneinheiten errichtet werden. Das gesamte Potenzial durch Nachverdichtung wie Aufstocken, Umnutzung und Bebauung von Fehlflächen bezifferten die Forscher auf 2,3 bis 2,7 Millionen Wohnungen.

Für die jährliche Studie erfassten die Forscher, wie viele Gebäude es in Deutschland gibt.

Teils griffen sie dabei auf Bebauungspläne und Luftbilder zurück. Anschließend errechneten sie das Potenzial der Nachverdichtung und Umnutzung für unterschiedliche Gebäudetypen. Dabei gingen sie von einer mittleren Wohnungsgröße von 75 Quadratmetern aus. Die Studie wurde von einem Bündnis aus 16 Verbänden der Bauwirtschaft in Auftrag gegeben.

Dass eine Nachverdichtung notwendig ist, liegt für die Forscher auf der Hand. "Bundesweit fehlen über eine Million Wohnungen", erklärte der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther. Derzeit müssten jährlich bundesweit rund 400.000 Wohnungen neu gebaut werden. Tatsächlich waren es demnach vergangenes Jahr aber weniger als 300.000. Dabei fokussiert sich der Wohnungsmangel auf die großen Städte. Doch selbst dort, wo der Bedarf hoch ist, seien die Reserven nach wie vor riesig.

"Eingeschossige Discounter mit ihren Parkplätzen bieten ein enormes Potenzial für zusätzliche Wohnungen", erklärte Karsten Tichelmann von der TU Darmstadt. Rund 400.000 zusätzliche Wohnungen könnten auf den innerstädtischen Flächen der zwanzig größten Lebensmittel- und Discounterketten entstehen – ohne dabei Abstriche bei den Verkaufsflächen oder Parkmöglichkeiten zu machen. "Hier geht es um sehr attraktive Lagen in Städten", betonte Tichelmann. Allerdings müsste dafür viel investiert werden: Parkplätze und Lagerflächen müssten in den Untergrund verlagert werden, damit die Markt-Wohn-Komplexe entstehen können.

Selbst City-Parkhäuser bieten Platz für Wohnungen: Wird das oberste Parkdeck aufgestockt, geht die Studie von mindestens 20.000 zusätzlichen Wohneinheiten bundesweit aus. Insgesamt kommen die Wissenschaftler auf mehr als 1,2 Millionen Wohnungen, die bundesweit durch den Umbau von Nicht-Wohngebäuden entstehen könnten. Hinzu kämen noch einmal zwischen 1,1 bis 1,5 Millionen Wohnungen, die durch die Dachaufstockung von vorhandenen Wohngebäuden der 50er- bis 90er-Jahre möglich wären.

Die Verbände leiten aus der Studie diverse Forderungen an die Politik ab. Notwendig seien Weiterentwicklungen im Bau- und Planungsrecht. So müssten bei der Aufstockung etwa die Vorschriften für Geschossflächen und die Höhe von Traufen und Firsten flexibler gehandhabt werden. Zudem sollten die Anforderungen für Autostellplätze gelockert werden.

Schließlich fordern die Verbände auch finanzielle Anreize. Beispielsweise sollten die durch Nachverdichtung oder Umnutzung entstandenen Wohnungen schneller abgeschrieben werden dürfen. Außerdem sollte es mehr Investitionszulagen und Förderprogramme dafür geben.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Biden sieht Russland als Feind - und wird Waffen an die Ukraine liefern

DWN-Kolumnist Ronald Barazon analysiert die zukünftige Außenpolitik der USA unter ihrem neuen Präsidenten Joe Biden.

DWN
Politik
Politik US-Firma mit engen Kontakten zu russischen Staatsunternehmen verbietet Mitarbeitern Teilnahme an Protesten

Das Unternehmen hat Angst, seinen Ruf als "politisch neutrale" Organisation zu verlieren.

DWN
Politik
Politik China sichert sich umstrittene Gewässer - mit Schießerlaubnis für Küstenwache

Ein neues Gesetz erlaubt es der chinesischen Küstenwache, auf ausländische Schiffe zu schießen.

DWN
Politik
Politik Schwere Unruhen in Russland gegen die Regierung ausgebrochen – Lage ist ernst

In Russland sind in zahlreichen Städten schwere Unruhen gegen den Kreml ausgebrochen. Die Demonstranten fordern die Freilassung des...

DWN
Finanzen
Finanzen „Jeder vierte Selbstständige von Berufsunfähigkeit betroffen“

Selbstständige müssen noch mehr als Angestellte eine Berufsunfähigkeit fürchten, da sie in der Regel wenig Anspruch auf staatliche...

DWN
Deutschland
Deutschland Vermummte greifen Rathaus in Berlin an - linksradikale Internet-Plattform berichtet live

Vermummte sind ins Rathaus des Berliner Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg eingedrungen. Die linksradikale Internet-Plattform „Indymedia“...

DWN
Deutschland
Deutschland Ökonomen: Aufschwung erst ab dem zweiten Quartal / In Innenstädten wird es nie mehr "so werden, wie es war"

2021 wird nach Meinung von Experten ein Jahr der wirtschaftlichen Erholung werden. Aber erst ab dem zweiten Quartal - vorher stehen den...

DWN
Politik
Politik VIRUS-TICKER: In diesem Jahr wird es für Westdeutsche keine Renten-Erhöhung geben

Im Folgenden lesen Sie den Virus-Ticker von Sonnabend, 23. Januar, den wir für Sie selbstverständlich laufend aktualisieren.

DWN
Finanzen
Finanzen Es wird knallen: In der Euro-Zone erhebt sich ein großer Berg aus faulen Krediten

In der Euro-Zone werden zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen aufgrund der Corona-Krise untergehen. Das Problem ist nur, dass...

DWN
Technologie
Technologie ZEITREISEN, TEIL 1: Zurück in die Zukunft und vorwärts in die Vergangenheit

Zeitreisen sind Stand heute nur ein beliebter Stoff in der Science-Fiction. Jüngste Forschungsergebnisse zeigen allerdings, dass...

DWN
Politik
Politik Serbien verbietet den Verkauf von T-Shirts, die den Genozid von Srebrenica feiern

Die serbische Regierung hat den Verkauf von T-Shirts verboten, die den Genozid von Srebrenica feiern. Im Juli 1995 hatten...

DWN
Politik
Politik Corona-Lockdown: Wie aus einer angeblichen „Fake News“ bittere Realität wurde

Am 14. März 2020 teilte das Bundesgesundheitsministerium mit: „! Achtung Fake News ! Es wird behauptet und rasch verbreitet, das...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Nicht normal: Am Tag des „Sturms auf das Kapitol“ gab es Kursgewinne an den US-Börsen

Wenn von einem „Sturm auf das Parlament“, einem „Sturm auf das Kapitol“ oder einem „Putschversuch“ die Rede ist, krachen die...

DWN
Politik
Politik Ursprung des Corona-Virus: China zeigt mit dem Finger auf „Fort Detrick“ in den USA

Das chinesische Außenministerium fordert, dass das US-Biolabor „Fort Detrick“ geöffnet wird, um den Ursprung des Corona-Virus...