Finanzen

Deutschlands Industrie rutscht in die Krise

Lesezeit: 2 min
22.03.2019 09:40
Die Stimmung in der deutschen Industrie ist so schlecht wie seit fast 7 Jahren nicht mehr. Ein entsprechender Index der Einkaufsmanager brach im März ein.
Deutschlands Industrie rutscht in die Krise

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die deutsche Industrie gerät wegen der schwachen Weltkonjunktur immer stärker in den Abwärtsstrudel: Ihre Geschäfte liefen im März so schlecht wie seit über sechseinhalb Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex fiel um 2,9 auf 44,7 Punkte, wie das Institut IHS Markit am Freitag zu seiner monatlichen Umfrage unter Hunderten Unternehmen mitteilte. Von Reuters befragt Ökonomen hatten hingegen einen Anstieg auf 48,0 Punkte erwartet. Erst bei mehr als 50,0 signalisiert das Barometer ein Wachstum.

"Angesichts verstärkter Rückgänge bei Produktion, Auftragseingang und Exporten hat sich die Talfahrt des deutschen Industriesektors weiter beschleunigt", sagte Markit-Experte Phil Smith. "Die Unsicherheit hinsichtlich des Brexits und der Handelsbeziehungen zwischen den USA und China, die Schwäche der Automobilindustrie und die generell nachlassende weltweite Nachfrage belasteten in ganz erheblichen Ausmaß und sorgten für die stärksten Geschäftseinbußen seit 2012."

Der Binnenmarkt schlägt sich dagegen recht gut: Der Einkaufsmanagerindex für die Dienstleister fiel zwar leicht um 0,4 auf 54,9 Zähler, signalisiert aber immer noch ein robustes Wachstum. "Die Frage ist nur, wie lange er sich dem Abwärtssog der Industrie entziehen kann", sagte Smith. "Der erste Stellenabbau in der Industrie seit drei Jahren ist sicher ein Warnsignal für die Binnennachfrage."

Das Barometer für die gesamte Privatwirtschaft - Industrie und Dienstleister zusammen - gab um 1,3 auf 51,5 Punkte nach. Das ist der schlechteste Wert seit Mitte 2013. Dennoch zeigt er noch ein leichtes Wachstum an. Die Wirtschaftsweisen habe gerade erst ihr Prognosen für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in diesem Jahr auf 0,8 Prozent nahezu halbiert.

Auch die Privatwirtschaft in der Euro-Zone hat wegen der schwächelnden Industrie im März an Schwung verloren. Der Einkaufsmanagerindex - Industrie und Dienstleister zusammen - fiel um 0,6 Punkte auf 51,3 Zähler, wie das Institut IHS Markit am Freitag zu seiner monatlichen Umfrage unter Tausenden Unternehmen mitteilte. Das ist der drittschlechteste Wert in den vergangenen rund viereinhalb Jahren. Das Barometer verharrt aber über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern.

"Die Wirtschaft der Euro-Zone beendete das erste Quartal verhalten", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Die Daten signalisierten lediglich ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes um 0,2 Prozent. "Zukunftsindikatoren wie Konjunkturoptimismus und Auftragsbestand deuten darauf hin, dass das Wachstum im zweiten Quartal noch schwächer ausfallen könnte", warnte der Experte.

Japans Industrie hatte im März ihre Produktion ebenfalls weiter zurückgefahren. Der Rückgang fiel so hoch aus wie seit fast drei Jahren nicht mehr, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Markit/Nikkei-Einkaufsmanagerindex hervorging. Der Teilindex fiel auf 46,9 Zähler nach 47,4 Punkten im Februar. Das ist der niedrigste Stand seit Mai 2016. Hintergrund sei die schwächere Nachfrage sowohl im In- als auch im Ausland, sagte Joe Hayes, Volkswirt bei IHS Markit, das die Umfrage zusammenstellt.

Japan bekommt die Konjunkturschwäche bei seinem wichtigsten Handelspartner China zu spüren. Auch die weltweiten Handelsstreitigkeiten machen sich bemerkbar. Insgesamt verharrte der Einkaufsmanagerindex im März mit 48,9 Punkten auf dem Stand vom Vormonat. Ab einem Wert von über 50 Zählern wird Wachstum signalisiert.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Halbzeit Urlaub bei ROBINSON

Wie wäre es mit einem grandiosen Urlaub im Juni? Zur Halbzeit des Jahres einfach mal durchatmen und an einem Ort sein, wo dich ein...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Iran-Israel-Konflikt: Führt das Krisentreffen in Israel mit Baerbock und Cameron zur Deeskalation?
17.04.2024

Bei Gesprächen mit israelischen Politikern bemühen sich Annalena Baerbock und David Cameron, einen möglichen Vergeltungsschlag gegen den...

DWN
Politik
Politik Günstlingswirtschaft und Gefälligkeiten: Stephan Weil in Niedersachsen am Pranger
17.04.2024

In Berlin steht Kai Wegner (CDU) unter Verdacht, seine Geliebte mit einem Senatorenposten bedacht zu haben. Ursula von der Leyen (CDU)...

DWN
Technologie
Technologie Fluch oder Segen? – Was man aus Müll alles machen kann
17.04.2024

Die Welt ist voller Müll. In den Ländern des globalen Südens gibt es teilweise so viel davon, dass Menschen auf Abfallbergen ihr Dasein...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Insolvenzrekorde im März: Nachwehen der Coronahilfen
17.04.2024

Deutsche Unternehmen klagen aktuell viel über die Umstände – und die Unternehmensinsolvenzen sind auch auf Rekordniveau. Ein Grund...

DWN
Politik
Politik Vor G7-Treffen: Baerbock warnt vor Eskalationsspirale im Nahen Osten
17.04.2024

Die Grünen-Politikerin hat vor einem Treffen der Gruppe sieben großer Industrienationen (G7) zu "maximaler Zurückhaltung" aufgerufen in...

DWN
Politik
Politik Die Zukunft der EU als Wirtschaftsstandort: DIHK-Befragung zeigt Stimmungstief
17.04.2024

Wie beurteilen Unternehmen die Lage der Europäischen Union? Eine Befragung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) gibt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Studie: Immer mehr Menschen heben Geld im Supermarkt ab
17.04.2024

Geldabheben beim Einkaufen wird in den Supermärken immer beliebter. Für Händler könnten die zunehmenden Bargeldauszahlungen jedoch...

DWN
Finanzen
Finanzen Inflation in Eurozone fällt auf 2,4 Prozent
17.04.2024

Im Herbst 2022 erreichte die Inflation in der Eurozone ein Höchststand von mehr als zehn Prozent, jetzt gibt es den dritten Rückgang der...