Technologie

Weltweiter Umsatz mit Halbleitern geht deutlich zurück

Lesezeit: 2 min
03.05.2019 17:01
Seit Oktober ist der Umsatz mit Halbleitern um ein Viertel zurückgegangen. Der Einbruch ist so stark wie sonst nur während einer Rezession. Betroffen sind alle Regionen der Welt.
Weltweiter Umsatz mit Halbleitern geht deutlich zurück
Der weltweite Umsatz mit Halbleitern (gleitender Dreimonatsdurchschnitt) ist im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent zurückgegangen. (Grafik: SIA, Quelle: WSTS)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der weltweite Umsatz mit Halbleitern betrug in den ersten drei Monaten des Jahres 96,8 Milliarden Dollar, meldet der US-Branchenverband Semiconductor Industry Association (SIA). Dies ist ein Umsatzrückgang um 13 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2018.

"Der weltweite Halbleiterumsatz verlangsamte sich im ersten Quartal 2019 und lag damit zweistellig unter dem Vorquartal und dem ersten Quartal des Vorjahres", sagte John Neuffer, Präsident und CEO der SIA Anfang der Woche in einer Pressemitteilung.

Der Umsatz sei im Vergleich zum Vorjahr in allen wichtigen regionalen Märkten und Halbleiterproduktkategorien zurückgegangen, "was mit dem zyklischen Trend übereinstimmt, den der Weltmarkt in letzter Zeit erlebt hat", so Neuffer.

"Um Wachstum und Innovation in der Halbleiterindustrie zu fördern und die kontinuierliche Führungsrolle der USA in der Halbleitertechnologie zu gewährleisten, sollte die Politik in Washington Maßnahmen ergreifen, die in die wissenschaftliche Forschung investieren, erstklassige Arbeitskräfte anziehen und halten, offene Märkte und einen starken Schutz des geistigen Eigentums gewährleisten", sagte Neuffer.

Umsatz mit Halbleitern geht weltweit zurück

Im Jahresvergleich ging der Umsatz mit Halbleitern so stark zurück wie zuletzt in der Folge der letzten weltweiten Rezession nach der Finanzkrise. Alle großen Märkte waren von dem Rückgang in erheblichem Maße betroffen:

  • Europa -6,8 Prozent zu vor einem Jahr
  • China -9,4 Prozent
  • Japan -11,1 Prozent
  • Amerika -26,6 Prozent
  • Asien-Pazifik/Sonstige Märkte -9,3 Prozent
  • Insgesamt -13,0 Prozent

Das explosive Wachstum der Halbleiterumsätze, das im Jahr 2017 begann und im vergangenen Herbst einen letzten Anstieg aufwies, haben zu übervollen Lagern geführt, die nun angesichts der schwachen Nachfrage abgebaut werden.

Im März lag der Umsatz mit Halbleitern im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt wieder auf dem Stand vom April 2017. Seit dem vorläufigen Umsatzhoch im Oktober letzten Jahres ist der gleitende Dreimonatsdurchschnitt um 25 Prozent zurückgegangen.

Zwar ist der Rückgang seit Oktober immer noch geringer als der Rückgang nach der Finanzkrise um 39 Prozent und der 11-monatige Rückgang um 45 Prozent in Folge der Dotcom-Krise, der im September 2001 seinen Tiefpunkt erreichte. Doch angesichts der jüngsten Prognosen der großen Chiphersteller ist die Talsohle beim aktuellen Umsatzeinbruch noch lange nicht erreicht.

Nachfrage nach Halbleitern geht zurück

In den USA lag der Umsatzeinbruch im ersten Quartal gegenüber dem Quartal davor bei 29,2 Prozent und war somit mit Abstand am stärksten. Ein Grund für den starken Einbruch und für den vorangehenden rasanten Umsatzanstieg seit Anfang 2017 war vermutlich, dass US-Unternehmen die mögliche Einführung von Zöllen umgehen wollten und ihre Lager auffüllten.

Eine schlechte Meldung für die Halbleiterbranche war die weltweite Stagnation beim Smartphone-Umsatz im vergangenen Jahr, sogar der iPhone-Absatz ging zurück, der Prognosen zufolge eigentlich hatte weiter steigen sollen. Zuletzt sind die Smartphone-Lieferungen nach China eingebrochen.

Chiphersteller hatten gehofft, dass Cloud-Rechenzentren ein endloses Wachstumsgeschäft sind. Doch nun warnt Intel seit Januar, dass der Absatz von Chips für Rechenzentren sich seit dem vierten Quartal verlangsamt hat. Letzte Woche berichtete Intel, dass die Quartalsumsätze aus dem datenzentrierten Geschäft im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozent gesunken sind.

Auch der Nachfrageeinbruch nach Halbleitern für Geräte zum Mining von Kryptowährungen führe bei Herstellern wie Nvidia, die auf diese Chips spezialisiert sind, im Jahr 2018 zu Umsatzschwankungen.

Halbleiterhersteller senken ihre Prognosen

Intel-CEO Robert Swan sagte letzte Woche im Zuge des aktuellen Geschäftsberichts für das erste Quartal 2019: "Mit Blick auf die Zukunft sehen wir das Jahr vorsichtiger, obwohl wir erwarten, dass sich die Marktbedingungen im zweiten Halbjahr verbessern werden."

Auch der Umsatz des südkoreanischen Technologieriesen Samsung fiel im ersten Quartal um 13,5 Prozent auf 52,4 Billionen Won, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Der führende Anbieter von Smartphones, Speicherchips und Fernsehern hatte bereits Ende März vor einem schwachen Quartal gewarnt.

Der Betriebsgewinn von Samsung brach im ersten Quartal um 60 Prozent ein. Der Betriebsgewinn im Halbleitergeschäft, wo der Konzern mit Abstand das meiste Geld verdient, ist sogar um 64 Prozent abgestürzt. Das Smartphone-Geschäft ging um 40 Prozent zurück.

Auch der Halbleiterhersteller Qualcomm rechnet für das laufende Jahr mit weiter rückgängigen Erlösen. Als Grund nennt der kalifornische Apple-Zulieferer unter anderem den rückläufigen Smartphone-Absatz.

[newsletter-signup-business][/newsletter-signup-business]

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen EU-Ombudsfrau rügt Deal zwischen BlackRock und EU-Kommission, doch ohne Konsequenzen

Die Europäische Ombudsfrau hat einen Auftrags-Deal zwischen der EU-Kommission und dem US-Finanzgiganten BlackRock wegen möglicher...

DWN
Deutschland
Deutschland Die deutsche Taxibranche am Abgrund, Uber wird sich freuen

Die Lage in der Taxibranche spitzt sich nach Verbandsangaben wegen des Teil-Lockdowns in der Corona-Krise dramatisch zu. Das dürfte vor...

DWN
Deutschland
Deutschland Virus-Ticker: Ständige Impfkommission wird zunächst nur mRNA-Impfstoff zulassen

Der Chef der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, erwartet keine parallele Zulassung von anderen Impfstoffen. Lesen Sie allen...

DWN
Deutschland
Deutschland Bund und Länder verlängern Corona-Schließungen bis 10. Januar

Bund und Länder planen mit Gastronomie und Hotel-Schließung bis 10. Januar. Söder bringt sogar noch schärfere Maßnahmen ins Spiel.

DWN
Finanzen
Finanzen Der Euro steigt erstmals seit April 2018 wieder über 1,21 Dollar

Der Eurokurs kletterte am Mittwochnachmittag vorübergehend bis auf 1,2108 Dollar. Hintergrund ist der noch schwächere Dollar.

DWN
Finanzen
Finanzen Wirecard-Skandal verändert Dax dauerhaft

Die Deutsche Börse stockt den Dax auf 40 Mitglieder auf. Das ist nur eine Folge der Wirecard-Pleite. Die Zusammensetzung des Dax soll...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft In geheimer Mission: Venezuelas „schwarze Tankerflotte“ beliefert China mit Öl

Venezuela exportiert trotz der US-Sanktionen Öl nach China. Dabei nutzt das Land eine „schwarze Tankerflotte“, die ihre Identität...

DWN
Politik
Politik Österreich öffnet Friseure, aber Skifahren nur für Einheimische

Österreich wird den dreiwöchigen Lockdown ab Montag schrittweise wieder lockern. Zwar wird zu Weihnachten auch das Skifahren wieder...

DWN
Deutschland
Deutschland Betriebsrat bricht Gespräche mit Continental ab: "Rendite wichtiger als zehntausende Stellen"

Die IG Metall hat die Gespräche mit Continental über massenweise Stellenstreichungen abgebrochen. Der Autozulieferer habe in den seit...

DWN
Politik
Politik 25 nackte Männer: Belgische Polizei löst Orgie auf, Diplomaten und ein EU-Abgeordneter anwesend

Die belgische Polizei hat in Brüssel eine „Corona-Orgie“ mit 25 nackten Männern aufgelöst. Besonders pikant: Unter dem Partyvolk...

DWN
Finanzen
Finanzen Geldpolitik der EZB zwingt Lebensversicherer, den Garantiezins deutlich zu senken

Verbraucher, die in Zukunft eine Lebensversicherung abschließen wollen, werden einen deutlich geringeren Garantiezins erhalten. Denn die...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB: Bargeldloses Bezahlen weiter auf dem Vormarsch

Laut einer Erhebung der EZB hat das bargeldlose Bezahlen seit Beginn der Corona-Krise weiter zugelegt - auch bei kleineren Beträgen.

DWN
Politik
Politik Großbritannien erteilt Zulassung für Corona-Impfstoff von Biontech

Bereits in der kommenden Woche sollen in Großbritannien die Impfungen beginnen. Das Impfkomitee entscheidet, welche Menschen zuerst...

DWN
Politik
Politik Putin kündigt Massenimpfung ab kommender Woche an

dRusslands Präsident Putin hat angekündigt, dass in der kommenden Woche mit einer Massenimpfung der Bevölkerung begonnen werden soll....