Deutschland

Krankenkassen: Jede zweite Krankenhaus-Abrechnung ist fehlerhaft

Lesezeit: 1 min
08.05.2019 09:47
Den gesetzlichen Krankenversicherungen zufolge ist jede zweite Krankenhausabrechnung fehlerhaft. Doch die Kliniken wehren sich.
Krankenkassen: Jede zweite Krankenhaus-Abrechnung ist fehlerhaft

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) fordern Neuregelungen, um Fehler bei Krankenhausabrechnungen stärker zu vermeiden. Im Jahr 2017 sei jede zweite geprüfte Abrechnung falsch gewesen, erklärte der GKV-Spitzenverband  in Berlin. Kliniken hätten deshalb 2,8 Milliarden Euro an Kassen zurückzahlen müssen - bei Gesamtausgaben für Krankenhausbehandlungen in jenem Jahr von 74,9 Milliarden Euro. Zuerst berichtete die Neue Osnabrücker Zeitung über die Vorkommnisse.

GKV-Vizevorstandschef Johann-Magnus von Stackelberg sprach sich für eine Art Schwarze Liste aus, “um zwischen falsch und korrekt abrechnenden Krankenhäusern klar zu unterscheiden”, so von Stackelberg. Daneben bedürfe es “gesetzlicher Regelungen”, um notorische Falschabrechner zu bestrafen. Bisher zögen fehlerhafte Rechnungen keine Konsequenzen für Krankenhäuser nach sich. 

“Wir wollen, dass alle Krankenhausleistungen gut und fair vergütet werden. Das bedeutet aber auch, dass wir kein Geld für falsche Krankenhausabrechnungen ausgeben. Zugleich sollte der bürokratische Aufwand für alle Beteiligten so gering wie möglich sein“, führt von Stackelberg aus.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warf dem GKV-Spitzenverband “billige Polemik” vor. Ständige falsche Behauptungen, dass es sich bei einer Rechnungskürzung um Falschabrechnungen handele, seien unerträglich. 

“Wenn die Kassen davon sprechen, dass jede zweite geprüfte Rechnung einen Fehler enthielte, bedeutet dies im Umkehrschluss, dass bei einer Prüfquote von 15 Prozent weit über 90 Prozent der Rechnungen korrekt sind. Bei den beanstandeten Rechnungen handelt es sich massenhaft um medizinische Einschätzungsunterschiede und formale Kriterien, die von den Krankenassen zur Rechnungskürzung genutzt werden. Wollen sich die Krankenhäuser gegen diese Willkür wehren, müssten sie langwierige und kostspielige Gerichtsverfahren durchführen. Aus diesem Grund handelt es sich bei den genannten 2,8 Milliarden Euro zu einem großen Teil um Resignationsmasse, weil die Kliniken den Klageweg nicht beschreiten”, so der DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum.

Das Problem sei auf das Abrechnungssystem zurückzuführen, was die Krankenversicherungen auch wissen würden. “Die ständigen wissentlich falschen Behauptungen, dass es sich bei  Rechnungskürzung um Falschabrechnungen handelt, sind unerträglich. Wir haben ein Abrechnungssystem, das auf rund 35.000 OPS und 1.300 DRGs basiert. Vielfach sind die so genannten fehlerhaften Abrechnungen Ergebnis der Interpretation dieser Codes”, meint Baum.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Weniger Administration, mehr Fokus: Mit digitaler bAV-Verwaltung den nächsten Schritt gehen

Was macht einen Arbeitsplatz attraktiver als andere. Sicherlich mehr als nur das monatliche Gehalt. Langfristiges Denken kann sich für...

DWN
Finanzen
Finanzen „Größter Crash der Geschichte“: Experten empfehlen Anlegern schnell zu handeln, um Vermögenswerte zu schützen

Finanzexperten empfehlen Klein- und Großanlegern, dass sie ihre Anlagestrategien überdenken, bevor es zu spät ist. Denn auf die Welt...

DWN
Finanzen
Finanzen Wie die Superreichen ihr Geld sparen und dabei massiven Einfluss ausüben - und zwar ganz legal

Steuern sparen, Macht ausüben, und zwar völlig gesetzeskonform: Wie das geht, zeigt DWN-Kolumnist Ernst Wolff.

DWN
Finanzen
Finanzen EU will Bargeld-Obergrenze einführen: Was kommt als nächstes?

DWN-Gastautor Hansjörg Stützle analysiert, wie die Politik das Bargeld Schritt für Schritt abschafft. Der überzeugte...

DWN
Finanzen
Finanzen Wie globale Finanzkrisen entstehen – und wie man den drohenden Crash erkennt

Finanzkrisen treten immer wieder auf. Die Börsenkurse stürzen dann innerhalb kürzester Zeit ins Bodenlose. Doch was sind die Auslöser...

DWN
Politik
Politik Europas Konservative: Männer ohne Eigenschaften

Europas konservativen Parteien gehen die Ideen aus, schreibt Jan-Werner Müller. Sie laufen Gefahr, von skrupellosen Opportunisten...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Rente mit 70 - sonst kollabiert unser System!

DWN-Kolumnist Ronald Barazon liefert eine umfassende Analyse unseres Wirtschafts- und Sozialsystems nach Corona.

DWN
Technologie
Technologie Ab dem 1. November funktioniert WhatsApp nicht mehr auf insgesamt 45 Smartphones

Ab dem 1. November 2021 wird WhatsApp auf 45 Smartphones und iPhones nicht mehr funktionieren. Hier können Sie die vollständige Liste der...

DWN
Technologie
Technologie E-Auto-Brandgefahr: Was ist ein Thermal Runaway?

Die Brandgefahr bei E-Autos beschäftigt Fachleute und Automobil-Clubs. Was in diesem Zusammenhang ein „Thermal Runaway“ ist und wie...