Finanzen

EZB diskutiert Rolle von Blockchain im Zentralbanksystem

Lesezeit: 1 min
29.05.2019 17:00
Ein hochrangiger Beamter der Europäischen Zentralbank hat in einer Rede die Ausgabe digitaler Zentralbankwährungen befürwortet.
EZB diskutiert Rolle von Blockchain im Zentralbanksystem

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Ein hochrangiger Beamter der Europäischen Zentralbank hat in einer am Montag von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) veröffentlichten Rede die Vorteile digitaler Zentralbankwährungen (CBDC) hervorgehoben. Zugleich mahnte er aber auch zu Vorsicht.

Vitas Vasiliauskas ist Vorsitzender der Bank von Litauen und Mitglied des EZB-Rats. Er hielt die Rede am 12. April auf einer Konferenz des Reinventing Bretton Woods Committee mit dem Titel "Managing the Soft Landing of the Global Economy". Er diskutierte die Frage, ob CBDCs nur für Banken oder für alle zugänglich sein sollten.

Digitale Zentralbankwährung nur für Banken

Eine digitale Zentralbankwährung nur für Finanzinstitute könnte dazu genutzt werden, die Effizienz bei Zahlungen und bei der Wertpapierabwicklung zu verbessern sowie Kreditrisiken im Hinblick auf die Gegenseite und Liquiditätsrisiken zu reduzieren, sagte Vitas Vasiliauskas.

Eine CBDC für Finanzinstitute "würde die Reserven bei der Zentralbank durch einen digitalen Token mit Zugangsbeschränkung ersetzen oder ergänzen". Der Sender würde den Token direkt an den Empfänger übertragen. "Das ist etwas ganz anderes als das derzeitige System, bei dem die Zentralbank die Konten be- und entlastet", so Vasiliauskas.

CBDC für alle

Eine digitale Zentralbankwährung für alle könne entweder wertorientiert oder kontenbasiert sein, sagte er. Im ersten Fall wäre sie eine Art digitales Bargeld, das von den Zentralbanken garantiert wird. Im zweiten Fall würde die Zentralbank allen Mitgliedern der Gesellschaft Konten zur Verfügung stellen.

Doch nach Ansicht von Vitas Vasiliauskas wären digitale Zentralbankwährung für die breite Öffentlichkeit nicht überlebensfähig sind, wenn man eine Kosten-Nutzen-Analyse in Betracht ziehe. Denn sie würden das Problem mit sich bringen, dass es dafür Ausweichmöglichkeiten gebe.

So stelle die Bank von Litauen bereits eine Zahlungsinfrastruktur namens Centrolink zur Verfügung, die rund um die Uhr Sofortzahlungen unterstütze und für alle Zahlungsdienstleister zugänglich sei. Solche Entwicklungen würden die potenzielle Wertschöpfung einer CBDC für alle einschränken.

Vitas Vasiliauskas bevorzugt CBDC nur für Banken

Daher scheine eine digitale Zentralbankwährung nur für Finanzinstitute aus der Sicht konservativer Zentralbanken "eine praktikablere Option für die Zukunft zu sein", fügte der litauische Zentralbankchef hinzu. Vasiliauskas kommt zu dem Schluss, dass die Bank von Litauen Potenzial in den CBDCs sieht, aber derzeit vorsichtig bleibt.

"Im Moment scheint dies eine ziemlich ferne Perspektive zu sein", sagte er. Man müsse noch ein besseres theoretisches Verständnis darüber gewinnen, wie die verschiedenen Modelle digitaler Zentralbankwährungen funktionieren würden, und aus praktischen Pilotversuchen lernen.

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