Finanzen

Investoren ziehen sich aus den Aktienmärkten zurück

Lesezeit: 3 min
03.06.2019 17:27
Investoren haben sich im Mai in großem Umfang aus den weltweiten Aktienmärkten zurückgezogen. Möglich ist, dass die im vergangenen Dezember aufgeflammte Krise zurückkehrt.
Investoren ziehen sich aus den Aktienmärkten zurück
Nicht nur die New Yorker Börse, sondern die Aktienmärkte weltweit verzeichneten im Mai starke Kursverluste. (Foto: AFP)
Foto: AFP

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die globalen Aktienmärkte verzeichneten im Mai die bisher stärksten Kursrückgänge im laufenden Jahr. Ein wichtiger Hintergrund ist der anhaltende Handelsstreit zwischen den USA und China, welcher sich negativ auf die Risikobereitschaft potentieller Investoren niederschlägt.

Entscheidend wird nun sein, wie sich die Beziehungen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt auf dem G20-Gipfel im Juni entwickeln. Denn der vor allem mit Zöllen ausgetragene Handelsstreit kommt zu einem Zeitpunkt, da auch der Höhepunkt des globalen Wirtschaftszyklus erreicht sein könnte.

Aktienmärkte weltweit verzeichnen im Mai starke Verluste

Der globale Aktienindex MSCI All World, ein breites Maß für Aktien sowohl aus Industriestaaten als auch aus Schwellenländern, fiel im Mai um 6,1 Prozent. Dies war sein erster monatlicher Rückgang dieses Jahres und seine schlechteste Performance seit Ende des vergangenen Jahres.

Ähnliche Rückgänge gab es auch in den USA, wo der breite Aktienindex S&P 500 im Mai 6,6 Prozent gegenüber seinem Höchststand vom 30. April verloren hatte. Dies war sein erster monatlicher Rückgang seit Dezember letzten Jahres. Zudem ist der Index die vierte Woche in Folge gesunken - zum ersten Mal seit 2014.

Der Dow Jones Industrial Average fiel ist sogar schon sechs aufeinander folgende Wochen - die längste Verlustserie seit acht Jahren. Auch der Nasdaq Composite fiel im Mai um 7,9 Prozent und liegt damit um 8,7 Prozent unter seinem Rekordhoch von Anfang des Monats.

Auch Europas Aktienmärkte verzeichnen starke Verluste

In Europa fiel der Aktienindex Composite Stoxx Europe 600 im Mai um 5,7 Prozent. Damit verzeichneten die europäischen Aktien ihren größten monatlichen Rückgang seit mehr als drei Jahren.

Nancy Curtin, Chief Investment Officer von Close Brothers Asset Management, sagte, die Marktbeobachter "seien optimistisch gewesen, dass die Handelsgespräche zu einem positiven Ergebnis führen würden, aber das wird nun neu bewertet", wie die Financial Times berichtet.

Anleger setzen verstärkt auf Anleihen

Während Anleger Aktien weltweit niedriger bewerteten, setzten sie verstärkt auf die relative Sicherheit von Staatsanleihen. Dieser Trend wurde zudem durch die zunehmende Überzeugung verstärkt, dass die US-Notenbank die Zinsen noch in diesem Jahr wieder senken wird.

Letzte Woche erreichte die Rendite des Barclays Index den niedrigsten Stand seit 2018, nachdem er im Laufe des Jahres zunächst gefallen war, da sich die Erwartungen an die Richtung der Geldpolitik umkehrten. Der Index bildet aktuell 53 Milliarden Dollar an Anleihen mit einem Mindestrating von BBB ab.

Am Freitag fiel die Rendite für zehnjährige deutsche Staatsanleihen auf ein neues Allzeittief. Zugleich sanken die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen so tief wie seit 20 Monaten nicht mehr. Donald Trumps Zolldrohungen gegen Mexiko verstärkten das Unbehagen und drängten Anleger in die relative Sicherheit der Obligationen.

Die US-Aktienanalysten von Morgan Stanley warnen, dass der Handel nicht das einzige Risiko für das Wachstum darstelle und dass die US-Wirtschaft fragiler sei, als Investoren annehmen: "Bereiten Sie sich auf mehr potenzielle Wachstumsenttäuschungen vor, selbst bei einer Einigung im Handelsstreit."

Gold profitiert

Investoren in Europa ihr Geld in Sicherheit und suchen Zuflucht in Anleihen und Gold. "Für die Weltwirtschaft ist aus dem Gegenwind durch den Handelskonflikt längst ein Sturm geworden", sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager bei der Vermögensverwaltung QC Partners. "Und wenn beide Parteien nicht bald einlenken, kann daraus ein Orkan mit all seinen Folgen werden."

Dax und EuroStoxx50 lagen am Montag jeweils etwas schwächer bei 11.712 beziehungsweise 3277 Punkten. Auch in den USA dürften die Aktienmärkte schwächer starten. Investoren nahmen stattdessen Kurs auf "sichere Häfen". Die "Antikrisen-Währung" Gold war mit 1318,10 Dollar je Feinunze zeitweise so teuer wie zuletzt vor zweieinhalb Monaten. Auch die Schweizer Währung war gefragt. Im Gegenzug fiel der Euro auf ein Zwei-Jahres-Tief von 1,1117 Franken. Die Nachfrage nach Bundesanleihen drückte den Zins zehnjähriger Titel auf ein Rekord-Tief von minus 0,216 Prozent.

Die Rendite der zweijährigen US-Papiere fiel so stark wie seit Ausbruch der Finanzkrise im Oktober 2008 nicht mehr. Zehnjährige Anleihen werden inzwischen schlechter verzinst als Bonds mit einer Laufzeit von drei Monaten. Diese sogenannte inverse Zinskurve ist inzwischen so stabil wie seit 2007 nicht mehr. Sie gilt als ein Warnzeichen für eine Rezession und schürt Erwartungen, dass die US-Notenbank Fed ihre Zinsen senken könnte.

Die Beziehungen zwischen den USA und China verschlechtern sich derweil weiter. Die Regierung in Peking warnt Einheimische nun vor einem Studium an US-Universitäten. Im Handelsstreit will China hart bleiben. Zudem kündigte Peking Ermittlungen gegen FedEx an, weil der US-Paketdienst Lieferungen des chinesischen Netzwerk-Ausrüsters Huawei umgeleitet haben soll. Dessen Aktien fielen daraufhin vorbörslich in den USA um rund 3,5 Prozent auf ein Fünf-Monats-Tief von 148,10 Dollar.

"Man kann das als Vergeltungsmaßnahme für die US-Beschränkungen für Huawei sehen", sagte Norihiro Fujito, Chef-Anleger der Investmentbank Mitsubishi UFJ Morgan Stanley. Weitere Firmen könnten in Chinas Visier geraten. Er bezweifle, dass das geplante Treffen von US-Präsident Donald Trump mit seinem chinesischen Kollegen Xi Jingpin beim Gipfel der Staats- und Regierungschefs der 20 größten Industriestaaten und Schwellenländer eine Annäherung bringe.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland Streit um Rundfunkbeitrag droht Koalition in Sachsen-Anhalt zu sprengen

Wegen der Blockade durch CDU und AfD in Sachsen-Anhalt kann der Rundfunkbeitrag voraussichtlich nicht erhöht werden. Daher droht nun auch...

DWN
Politik
Politik Corona-Ticker: Spahn rechnet mit Impfbeginn um den Jahreswechsel herum

Um den Jahreswechsel sollten die Dosen zur Verfügung stehen, sagte Spahn. Die Impfzentren sollten bereits Mitte Dezember einsatzbereit...

DWN
Politik
Politik Trumps Truppenabzug aus dem Nahen Osten und Afghanistan sorgt für Unbehagen

Donald Trumps Plan, die Stärke der US-Truppen in Afghanistan und im Irak bis zum 15. Januar 2021 auf jeweils 2.500 Mann zu reduzieren,...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Streit im Opec-Kartell: Analysten sehen Risiken für den Ölpreis

Zwischen den Ölnationen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist ein offener Streit entbrannt. Experten zufolge könnte...

DWN
Finanzen
Finanzen Wirecard-Skandal verändert Dax dauerhaft

Die Deutsche Börse stockt den Dax auf 40 Mitglieder auf. Das ist nur eine Folge der Wirecard-Pleite. Die Zusammensetzung des Dax soll...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bundesregierung präsentiert Zeitplan für Normen und Zertifizierung von künstlicher Intelligenz

Der Einsatz künstlicher Intelligenz verspricht ein gigantisches Wachstum für Deutschland. Jetzt hat die Bundesregierung einen wichtigen...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB erwägt Verlängerung der Krisen-Anleihenkäufe PEPP

Die Europäische Zentralbank prüft derzeit eine Verlängerung ihres Pandemie-Notfallkaufprogramm PEPP (Pandemic Emergency Purchase...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Biontech und Pfizer beantragen EU-Zulassung für Corona-Impfstoff

Biontech und Pfizer haben bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur die Zulassung ihres Corona-Impfstoffs beantragt. Sollte die Behörde...

DWN
Finanzen
Finanzen EU-Staaten treiben europäische Bankenunion mit ESM-Reform voran

Die Euro-Staaten haben eine Reform des ESM in die Wege geleitet. Dieser soll künftig als "letzte Verteidigungslinie" bei drohenden...

DWN
Finanzen
Finanzen Robuste China-Daten und Impfstoff-Anträge beflügeln deutsches Leitbarometer

Die deutschen Börsen sind heute Morgen mit Gewinnen in den neuen Tag gestartet. Es gab sehr positive Nachrichten.

DWN
Deutschland
Deutschland Autofahrer tötet zwei Menschen in Fußgängerzone von Trier

Der Fahrer sei festgenommen worden, teilte die Polizei per Twitter am Dienstag mit. Bürgermeister Wolfram Leibe zeigte sich erschüttert:...

DWN
Politik
Politik Wahlbetrug? US-Richter lässt Stimmenzähl-Maschinen in Georgia „einfrieren“

Ein Bezirksrichter im US-Bundesstaat Georgia hat drei Wahlmaschinen „einfrieren“ lassen. Es soll offenbar eine forensische Inspektion...

DWN
Finanzen
Finanzen Nach drei Jahren: Bitcoin steigt auf Rekordhoch

Am Montag überstieg der Bitcoin-Kurs seinen bisherigen Rekordstand vom Dezember 2017. Reißt der Kurs als nächstes die Marke von 20.000...

DWN
Deutschland
Deutschland Finanzminister Scholz: „Ich unterstütze die Arbeit der EZB an einem digitalen Euro voll”

Bundesfinanzminister Scholz konstatiert einen starken Trend hin zu bargeldlosen, digitalisierten Bezahlmöglichkeiten in Europa: „Es gibt...