Politik

Kohleausstieg: Stadtwerke erwarten hohe Strombezugskosten

Lesezeit: 1 min
10.06.2019 13:04
Die Stadtwerke erwarten aufgrund des Kohleausstiegs einen Anstieg der Strombezugskosten. Das geht aus einer Studie des Fachmagazins Der Neue Kämmerer hervor.
Kohleausstieg: Stadtwerke erwarten hohe Strombezugskosten
Nordrhein-Westfalen, Wuppertal: Auf einem Bildschirm ist eine Grafik der Stadtwerke Wuppertal zu sehen. (Foto: dpa)

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Aus der Studie „Stadtwerke - fit für die Zukunft?“, die vom Fachmagazin Der Neue Kämmerer durchgeführt wurde, geht hervor, dass sich die Vorstände der Stadtwerke wegen des Kohleausstiegs große Sorgen machen. 71 Prozent erwarten einen Anstieg der Strombezugskosten für Industrie- und Gewerbekunden. 66 Prozent rechnen mit einem Anstieg der Großhandelspreise. Zudem beschweren sich die Vorstände der Stadtwerke über bürokratisch-regulatorische Vorschriften, die nicht nur schädlich für das Bestandsgeschäft, sondern auch für das Neugeschäft seien. 89 Prozent fordern den Abbau “hinderlicher Vorschriften”, um die Entwicklung von Innovationen voranzutreiben. Die Studie umfasst auch ein Interview mit dem FDP-Vize Wolfgang Kubicki.

“Der bis 2038 geplante Kohleausstieg ist mehr als ein gefährliches Manöver für unsere Wirtschaft. Ich be­fürchte eine ökonomische Katastrophe”, so Kubicki. Ähnlich äußerte sich auch der FDP-Fraktionsvize Michael Theurer.  Er sagte der dpa: “Die Energiepolitik der Bundesregierung im Allgemeinen und der geplante Kohleausstieg im Besonderen gefährden die Versorgungssicherheit, treiben die Strompreise nach oben und die Industrie raus aus Deutschland und sind zudem ein finanzpolitisches Fass ohne Boden. Es ist 5 nach 12 Uhr und damit allerhöchste Zeit, dass sich Kanzlerin (Angela) Merkel wieder um die Innenpolitik in Deutschland kümmert und für eine handlungsfähige Bundesregierung sorgt.”

In der Koalition gibt es Konflikte zum Beispiel darüber, wie die Klimaziele 2030 erreicht werden können. Außerdem gibt es Widerstand in der Unionsfraktion gegen den geplanten Kohleausstieg bis 2038 und milliardenschwere Strukturhilfen für die Kohleländer.

Deutsche Wirtschaftsprofessoren beurteilen den Kohleausstieg ebenfalls sehr skeptisch. Das Münchner ifo-Institut hat mit der FAZ zusammen 143 Lehrstuhlinhaber befragt. Der Umfrage zufolge erwarten zwei Drittel einen deutlichen Anstieg der Strompreise - aber nur 27 Prozent der befragten Professoren rechnet mit einem geringeren Ausstoß von Kohlendioxid in Europa. Niklas Potrafke, Leiter des ifo Zentrums für öffentliche Finanzen und politische Ökonomie, sagte: “Wenn sich an den Zertifikaten zur CO2-Emission in der EU nichts ändert, werden andere Länder vermutlich mehr ausstoßen.”

Eine Mehrheit von 60 Prozent der Befragten erwartet, dass vor allem Gaskraftwerke und Stromimporte aus dem europäischen Ausland den Strom aus den deutschen Kohle-Kraftwerken ersetzen werden. Dass Deutschland mit einem festen Datum zum Kohleausstieg eine Vorreiterrolle in der globalen Klimaschutzpolitik einnehmen könnte, welcher andere Industrienationen folgen, meinen nur 31 Prozent.

Die Bundesregierung will bis 2038 rund 40 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen, um die betroffenen Braunkohle-Reviere bei der Bewältigung des Umbruchs zu unterstützen. Knapp die Hälfte der befragten Professoren sieht dies als zu hoch an, 13 Prozent halten die Summe für angemessen, nur drei Prozent für zu niedrig.

 

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