Finanzen

China erhöht Einfuhrzölle auf europäische Stahlrohre drastisch

Lesezeit: 1 min
14.06.2019 10:08
Die chinesische Zollbehörde hat die Importzölle für bestimmte Stahlprodukte aus der EU und den USA massiv erhöht.
China erhöht Einfuhrzölle auf europäische Stahlrohre drastisch
Deutschland hat gute Fachkräfte: Ein Mitarbeiter begutachtet in einem Stahlwerk ein Coil. (Foto: dpa)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

China hat die Zölle auf bestimmte Stahlrohre aus der EU und den USA drastisch erhöht. Die Anti-Dumping-Abgaben für den Import von nahtlosen Röhren und Röhren aus Stahllegierungen lägen nun zwischen knapp 58 und fast 148 Prozent, teilte das Handelsministerium in Peking am Freitag mit. Damit werden die bis vor Kurzem geltenden Zölle von 13 bis 14,1 Prozent auf bis das Zehnfache angehoben. Mit künftig 57,9 Prozent bleiben beim französischen Unternehmen Vallourec der deutsche und der heimische Standort unter den für alle anderen EU-Konzerne geltenden 60,8 Prozent, wie aus der Erklärung weiter hervorging.

Mit der Erhöhung der Anti-Dumping-Zölle reagierte die Volksrepublik nach eigenen Angaben auf Forderungen der heimischen Branche. Konzerne klagten demnach über US- und EU-Unternehmen, die die Importpreise von 2014 bis 2018 um fast 14 Prozent gedrückt und Anfang 2018 einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent erreicht hätten. Bei den nun mit den erhöhten Zöllen belegten Produkten handelt es sich um Röhren, die vor allem von Versorgern beim Einsatz von Technologien mit hohen Temperaturen und hohem Druck benötigt werden. Die Nachfrage nach diesen Stahlprodukten kommt zu fast 80 Prozent aus der Volksrepublik, die wiederum fast 95 Prozent ihrer Importe aus der EU und den USA bezieht.

WIRTSCHAFTSVEREINIGUNG STAHLROHRE KRITISIERT VORGEHEN CHINAS

"Von der Maßnahme ist ein zwar nur relativ kleines, aber hochwertiges Marktsegment betroffen, vor allem nahtlose, legierte Kesselrohre für den Kraftwerksbau, sogenannte P92-Rohre", sagte der Geschäftsführer der in Düsseldorf ansässigen Wirtschaftsvereinigung Stahlrohre, Frank Harms, der Nachrichtenagentur Reuters. "Der Dialog mit den chinesischen Behörden, mit dem Ziel, Zölle in diesem Marktsegment abzubauen, ist mit dieser Entscheidung empfindlich gestört." China beweis einmal mehr, dass faire Spielregeln zwar von dort gefordert, selbst aber nicht immer angewandt würden. Das weitere Vorgehen in dieser Angelegenheit müsse nun auf europäischer Ebene abgestimmt werden.

Die internationalen Handelskonflikte setzen der Wirtschaft immer stärker zu. Mehr als 600 US-Unternehmen forderten jetzt US-Präsident Donald Trump zur Lösung des Handelsstreits mit China auf. Firmen wie der weltgrößte Einzelhändler Walmart und Target schrieben in einem Brief an Trump, zusätzliche Zölle würden amerikanischen Firmen und Verbrauchern schaden. So würden die Preise für die Verbraucher in den USA steigen, für eine vierköpfige Familie etwa um rund 2000 Dollar pro Jahr. Zusätzliche Zölle im Volumen von 25 Prozent auf Importe im Volumen von 300 Milliarden Dollar würden bis zu zwei Millionen US-Arbeitsplätze ausradieren, hieß es in dem Brief unter Berufung auf eine Studie der Beraterfirma Trade Partnership. "Ein eskalierender Handelskrieg ist nicht im besten Interesse des Landes, beide Seiten würden verlieren."

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Erdogan-Regierung gegen das eigene Volk: Wer unzufrieden ist mit den Flüchtlingen, soll das Land verlassen

Ein hochrangiger türkischer Regierungspolitiker hat Türken, die unzufrieden sind mit den Millionen von Flüchtlingen, zur Ausreise...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Bayers Monsanto-Desaster wird immer teurer

Schon vor der Übernahme von Monsanto waren die extremen Risiken bekannt. Die Bayer-Manager zogen diese trotzdem durch. Nun wird der...

DWN
Deutschland
Deutschland Berliner Polizei verbietet zwölf Corona-Demos am Wochenende – das ist die Liste

Die Berliner Polizei hat zwölf Corona-Demos verboten, die am Wochenende in der Hauptstadt stattfinden sollten.

DWN
Finanzen
Finanzen Serie „So werde ich zum Anleger“: Das Portfolio

Einsteiger verzweifeln oft, wenn sie in Fonds, ETFs oder Aktien investieren wollen. Wir erklären Ihnen Schritt für Schritt, auf welche...

DWN
Deutschland
Deutschland Diese Methoden setzt das Finanzamt bei der Betriebsprüfung ein

Das Finanzamt setzt ausgeklügelte Methoden ein, um Steuersünder dingfest zu machen. In diesem Artikel werden die verschiedenen...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutschlands Top-Ökonomen äußern sich zur höchsten Inflationsrate seit 1993

Neun deutsche Top-Volkswirte haben sich zur aktuellen Inflations-Situation geäußert. Einer der Ökonomen fordert deutliche...

DWN
Politik
Politik Grüne fordern milliardenschweres Klima-Vorsorge-Paket

Mit einem Milliardenpaket wollen die Grünen Flutkatastrophen vorbeugen. Das Umweltministerium will die Schäden des Klimawandels besser...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutsche Inflationsrate springt im Juli nach oben

Bei den deutschen Verbraucherpreisen zeichnet sich für Juli ein sprunghafter Anstieg ab.